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Interessierter Blick in die Kapelle, die sich im zweiten Stock der städtischen Musikschule an der Mühlbergstraße befindet: Gerd Weger, Iris Ziebart, Stefanie Fritz vom Bauamt, Bürgermeisterin Eva John, Musikschulleiterin Cornelia Lee-Winser, Stadtbaumeister Stephan Weinl und Josef Pfister (v.l.).

Sanierung der städtischen Musikschule

Großer Wurf an der Mühlbergstraße

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Dach, Fassade, Installationen, Barrierefreiheit, Raumangebot – die Stadtverwaltung will das Gebäude der städtischen Musikschule an der Mühlbergstraße von Grund auf sanieren. Am Donnerstagabend stellten Bürgermeisterin Eva John und die Planer das 4,45 Millionen Euro schwere Projekt vor.

Starnberg – Es knarzt. Bei jedem noch so vorsichtigen Schritt. Wer die Stufen des hölzernen Treppenhauses der Musikschule hoch oder runtergeht, erzeugt eine Menge Lärm. Im übertragenen Sinn knarzt es auch an allen anderen Ecken und Enden des 121 Jahre alten Gebäudes in der Mühlbergstraße 4.

Der Brandschutz ist mangelhaft, Dach und Fassade sind nicht gedämmt, die Haustechnik ist veraltet, die Akustik verbesserungswürdig, ein barrierefreier Zugang ist nicht möglich und das Raumangebot ausbaufähig, listet Stefanie Fritz vom städtischen Bauamt auf. Kurz: „Es gibt viel zu tun“, sagt Bürgermeisterin Eva John beim Ortstermin mit dem Bauausschuss des Stadtrats am Donnerstagabend.

Bislang bestand die städtische Strategie meist darin, punktuell Abhilfe zu schaffen, wenn die Probleme irgendwo zu groß wurden. „Es war aber nie eine Struktur drin“, sagt John und bezeichnet den Status quo so: „Es ist zwar alles irgendwie okay, aber nicht so, dass man die nächsten Jahrzehnte damit leben möchte.“

„Wir haben uns schon sehr intensiv mit dem Gebäude beschäftigt“, sagt Stefanie Fritz. Mit im Boot ist der Architekt Benedikt Sunder-Plassmann, der unter anderem die preisgekrönte Sanierung des Feldafinger Bahnhofs geplant und betreut hat. „Man muss die Arbeiten konzeptionell so angehen, dass der Charakter des Gebäudes nicht zerstört wird“, sagt er.

Geplant ist eine Menge: unter anderem der Einbau eines funktionierenden Aufzugs, die Herstellung einer behindertengerechten Toilette, die Sanierung der Sanitäranlagen und der Akustik, die Schaffung zusätzlicher Unterrichtsräume im Dach- und im Untergeschoss, der Einbau einer Brandmeldezentrale, die Herstellung von Fluchtwegen, die Erneuerung der Elektrik und die Sanierung der Heizungsrohre. Dazu kommen Rohbau- und Malerarbeiten. Im Anschluss kann eine Verschönerung des Innenhofs in Angriff genommen werden, mit Schaffung eines Atriums für Konzerte, dem Bau von Fahrradständern und der Neuordnung der Stellplätze. Kalkulierte Kosten für alles: 4,45 Millionen Euro – Stand jetzt.

Das Konzept ist im vergangenen Jahr im Bauamt erarbeitet und bereits an die Regierung von Oberbayern verschickt worden. Mit Erfolg, wie John stolz berichtet. Aus dem Investitionspakt „Soziale Integration im Quartier“ würden eine Million Euro fließen – ein Topf, aus dem auch der Umbau der Gilchinger Musikschule gefördert werde, erklärt John. Darüber hinaus seien weitere Fördermittel in sechsstelliger Höhe möglich. „Nichtsdestotrotz ist es ein großer Teil, den die Stadt selbst tragen muss.“

Wenn es nach John geht, sollen heuer die Planungsleistungen vergeben und erbracht werden. Die Bauarbeiten würden 2020/21 folgen. Nach einem zwischenzeitlichen Umzug der Musikschule an mehrere Ausweichquartiere könnte dann im Jahr 2022 eine neue Ära an der Mühlbergstraße beginnen.

Die Reaktion im Bauausschuss ist zweigeteilt. So zeigt sich Angelika Kammerl (Parteifreie) zwar „hoch erfreut über das Engagement für die Musikschule“, gleichzeitig aber „entsetzt“ darüber, dass beim Bahnhof See und beim Bayerischen Hof nichts vorangehe. Allerdings scheitert sie mit ihrem Antrag, das Projekt Musikschule zu verschieben. Auch andere Stadträte sind überrascht vom Konzept aus dem Rathaus. „Von einer Sanierung war im letzten Herbst noch keine Rede“, sagt Annette von Czettritz (Grüne). Gleichwohl ziehe sie die Sanierung der Musikschule dem Bayerischen Hof vor. „Wir erfahren das jetzt aus Sitzungsunterlagen“, wundert sich auch Gerd Weger (CSU). Allerdings sei eine Sanierung in einem Zug „im Interesse der Kinder und Lehrer – und das ist das A und O“. Franz Heidinger (BLS) würde das Projekt lieber schieben und erst andere Sachen abarbeiten. Die Begehung habe allen die Augen geöffnet, entgegnet Josef Pfister (BMS) – und dann erst der Millionen-Zuschuss. „Unverhofft kommt oft“, sagt Pfister.

Gegen die Stimmen von Kammerl und Heidinger gibt der Ausschuss schließlich grünes Licht für die Vergabe der Planungsleistungen. „Vor der Umsetzung müssen wir aber schauen, ob wir es uns finanziell und von den Kapazitäten her leisten können“, mahnt Patrick Janik (UWG).

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