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Franz Heidinger hat gut lachen: Sein Starnberger Bratwurst-Standl an der Moosstraße sei in den ersten sieben Monaten gut angelaufen, sagt er. Im ersten vollen Jahr heuer will er richtig durchstarten.

Imbissbude im Gewerbegebiet

Bürgerbüro mit Currywurst - wie ein Stadtrat zum Bratwurst-Standl kommt

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Seit über einem halben Jahr betreibt BLS-Stadtrat Franz Heidinger einen Imbiss im Gewerbegebiet. Das „Starnberger Bratwurst-Standl“ ist seitdem nicht nur beliebte Anlaufstelle zum Mittagessen geworden, sondern auch eine Art Bürgerbüro.

Starnberg – Ob mild oder gewürzt, die Currywurst mit Pommes ist der Renner. Kenner schwören dagegen auf das selbstgemachte Sauerkraut. Es soll sogar einen Polizisten in Starnberg geben, der extra dafür regelmäßig an dem Imbiss in der Moosstraße vorbeikommt. Und donnerstags, da gibt’s immer Schweinebraten. Franz Heidinger kann sich derzeit beruflich nichts Schöneres vorstellen als sein „Starnberger Bratwurst-Standl“. Im vergangenen Juli hat der 54 Jahre alte Stadtrat und Vorsitzende der Bürgerliste (BLS) die Imbissbude aufgemacht – und auch wenn sich einige Erwartungen nicht erfüllt haben, so fällt seine persönliche Zwischenbilanz dennoch rundweg positiv aus.

Mit dem Einstieg in die Gastronomie hat Heidinger die Passion zum Beruf gemacht – wenn auch nicht ganz freiwillig. Passion deshalb, weil er schon immer gern mitgeholfen und organisiert hat, wenn irgendwo etwas zu tun war oder gegrillt wurde. Unvergessen ist beispielsweise die Maifeier 2010 in Hanfeld mit 3500 Besuchern, die Heidinger mit seinen Mitstreitern vom Brauchtumsverein und der Feuerwehr zu verköstigen hatte. „Der Franz ist der geborene Wirt“, sagt sein Spezl Gerhard Völkl, der lange Jahre die Seestubn in Percha betrieben hat.

Nicht ganz freiwillig, weil Heidinger nach einer schweren Krankheit vor drei Jahren nicht mehr so weitermachen konnte wie er wollte. 20 Jahre lang war er als Schlossermeister selbstständig. Seine Werkstatt in Hanfeld, das Wohnhaus – alles hat er mit eigenen Händen aufgebaut. Aber das Pensum war fortan nicht mehr zu leisten. Also sattelte Heidinger um – und pachtete von seinem BLS-Kollegen Michael Mignoli auf dessen Werkstattgelände die Imbissbude, die zuvor einige Monate leergestanden hatte.

„Es ist ein bayerischer Imbiss“, sagt Heidinger. Burger, Döner oder Sushi gibt’s bei ihm nicht, dafür Würstl, Leberkäse und Fleischpflanzerl, abwechselnd auch mal Kartoffelsuppe oder andere Tagesgerichte. Fleisch und Wurst bezieht er von der Metzgerei Ludwig Schelkopf aus Sendling. „Den kenne ich auch schon seit dreißig Jahren.“ Das ist übrigens auch der Grund dafür, warum die Bratwurst am Starnberger Standl „Sendlinger“ heißt. Alkohol schenkt Heidinger nicht aus. „Wir sind ein Sportkiosk“, sagt er lachend – der Grund liegt aber darin, dass er ansonsten Toiletten nachweisen müsste. Ein bayerischer Imbiss – so etwas habe es seit den Zeiten der alten Mimi an der Wittelsbacherstraße nicht mehr gegeben. „Deren Currywurstsauce war legendär“, schwelgt Heidinger in Erinnerungen.

Mit seiner Entscheidung für den Imbiss hat er nach eigenem Bekunden alles richtig gemacht – „auch wenn es ein hartes Geschäft ist“, wie er sagt. Am Anfang machte er bereits um 7 Uhr morgens auf – Frühstück oder Brotzeit liefen aber nicht. „Das war früher anders“, sagt Heidinger. Mittlerweile öffnet er montags bis freitags erst um 10 Uhr. „Es ist ein reines Mittagsgeschäft.“

Was ihm vor allem Spaß macht: der Kontakt zu den Menschen. Hier ein Ratsch, da eine politische Diskussion – der 54-Jährige will das nicht mehr missen. „Das ist eine Art Bürgerbüro“, sagt er. Es wird über die neuen Markierungen auf der Hanfelder Straße diskutiert und über die Arbeit im Stadtrat, es kommen Fragen zu Anträgen oder Ansprechpartnern im Rathaus. Und natürlich schauen auch einige Stadtratskollegen mal vorbei: Vizebürgermeister Dr. Klaus Rieskamp etwa, Anton Wiesböck oder Angelika Kammerl. Selbst Bürgermeisterin Eva John sei ganz am Anfang mal vorbeigekommen, erinnert sich Heidinger.

Und wie läuft das Geschäft? „Millionär wirst du mit so einem Standl nicht“, sagt Franz Heidinger. Aber das will er ja auch gar nicht. Was sind schon acht Wochen Seychellen gegen den Starnberger See quasi vor der Haustür?

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