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Tuppertante Herta (Carolin Brunner l.) bringt Agnes (Yvonne Widmann) und die Bewohner der Irrenanstalt völlig aus dem Konzept. Sie landet als Leiche unterm Teppich. Weitere Mitwirkende (v.l.): Manfred Greifoner als Willi, Claudia Liebhart als Desirée Doldas, Gabi Hansen als Marianne, Christian Herold als Hans. 

Theatergruppe Söcking

Ein Tollhaus voller Typen mit Marotten

Mit Spielwitz und kreativen Regieeinfällen begeisterte die Söckinger Theatergruppe bei dem Stück „Neurosige Zeiten“ sein Publikum. Im November sind noch vier weitere Vorstellungen geplant.

Söcking– Winnie Abel ist eine der beliebtesten Autorinnen für Amateurtheater. Eine mit Lachgarantie, wie es heißt. Ihr Stück „Neurosige Zeiten“ wurde nach Erscheinen innerhalb kürzester Zeit an zig Laienbühnen gespielt. Jetzt hat sich die Theatergruppe Söcking an diese wahnwitzige Verwechslungskomödie gewagt, die im Irrenhaus spielt.

Handlung braucht es da kaum, weil ja jeder so seine Marotten hat. Da reicht es, wenn Mutter Adolon sich ankündigt, von Martina Sattler überzeugend spitzmäulig als Ich-bin-was-besseres-Etepetete-Dame gespielt. Sie glaubt, dass ihre Tochter Agnes in einer noblen Villa in Starnberg residiert und nicht in der Klapse. Agnes aber beglückt heimlich in ihren freien Minuten am Telefon so manchen Mann. Yvonne Widmann spielt den scharfen Feger im roten Seidenfähnchen so neurotisch-erotisch, dass sie auch schon mal den Dildo in die Blumenvase pfeffert.

Putzteufel, Nerd und Möchtegern-Picasso in einer WG vereint

Wenn Mutter kommt, müssen eben alle als ganz normale WG-Bewohner auftreten. Damit ist das Tollhaus perfekt. Da ist nämlich Hans mit seinem unglaublich bescheuerten Putztick, trippelschrittschrullig gespielt vom korrekt gescheitelten Christian Herold mit Nerd-Brille und Rautenpulli. Da ist Desirée Doldas, ein Möchtegern-Picasso, locker flockig hingewirbelt von Claudia Liebhard, als sei sie grade aus ihrem Hobbykünstleratelier entfleucht. Da ist der grundehrliche Stotterer Willi, den der Söckinger Star Manfred Greifoner dermaßen konsequent von Anfang bis Ende verhaspelt, dass man nur den Hut ziehen kann.

Dann gibt es noch die unglaublich verliebte Marianne mit Sprachfehler, statt „sch“ kommt immer nur ein „sss“ raus, was Gabi Hansen grandios hinzischt. Herta dagegen spricht fränkisch, Carolin Brunner, ein Neuzugang, schnoddert das „Duhnfischhäpple“ und ihr „Allmächt!“ aus dem tiefsten Innersten hin. Herrlich auch der zweite Neue in der Truppe: Hans Bannat spielt den Beschäftigungstherapeuten Rolf als betulichen Kümmerer, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Sein Outfit ist grandios. Rosa Hemd, weiße Jogginghose mit Gummibündchen, Stricksocken und Sandalen, in der Hand ein Bastelkörbchen. Was für eine Mutti!

Thomas Rami glänzt in der Rolle der Grinsebacke

Irgendwann tritt noch Harald Hammer auf. Ein Frauenheld, der seine „Sternschnuppen“ überall aufsammelt. Die Grinsebacke spielt Thomas Rami als Hansi-Hinterseer-Verschnitt fernsehreif. Dazu noch Bettina Stich als gestrenge Irrenärztin und Michael Loeber als sächselnder Fotograf. Die Besetzung ist einfach nur perfekt, die Spielfreude immens und die Talente reich gesät.

Bettina Schiestl stand trotzdem als Regisseurin ziemlich unter Strom. Denn die Truppe hatte nur 22 Probentage. Aber wenn man so in die Rollen reinschlüpft wie diese Mannschaft, dann lebt man einfach, was man spielt. Und an guten Regieeinfällen hat es auch nicht gemangelt. Leichen werden einfach unter den Teppich gekehrt.

von Astrid Amelungse-Kurth

Weitere Vorstellungen

Freitag/Samstag, 1./2. November, Freitag/Samstag, 8./9. November. Beginn jeweils um 20 Uhr, Freitag, 1. November, um 17 Uhr, in der Franz-Dietrich-Halle in Söcking. Karten bei Lotto Schmid, Luitpoldstraße 1, Söcking oder an der Abendkasse.

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