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Das ist der Plan: Von einer Wiese im Landkreis Starnberg startet die kleine Raumkapsel mit einem Heliumballon, steigt auf eine Höhe von knapp 40000 Metern, platzt, und kommt dank eines Fallschirms wieder sicher zur Erde zurück.

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Von Söcking aus ins All

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Zum 50. Jahrestag der Mondlandung startet am Samstag in Söcking die Mission „Apollo 11 reloaded“. Ulrich Krzyminski will von einer Wiese aus einen Nachbau der Apollo-Kapsel in den Weltraum schießen – oder zumindest bis in die atemberaubende Höhe von 40 Kilometern.

Söcking Es ist ein Spaß, der einige Leute immerhin zu Spenden von knapp 1400 Euro bewogen hat. Ulrich Krzyminski (53) aus Kronberg (Hessen) hat eine Nachbildung der Apollo-11-Kapsel im Maßstab 1:10 gebaut und will nun das Ding zum Mond schießen. Oder zumindest grob in dessen Richtung: Bis auf rund 40 000 Meter Höhe will er es schaffen. Dafür warb er auf der Internet-Spendenplattform Kickstarter um Hilfe, fand 30 Unterstützer und bekam 1393 Euro Spenden. Am kommenden Samstag, auf den Tag genau 50 Jahre nach Landung des Moduls „Eagle“ auf dem Mond, soll die kleine Kapsel von einer Wiese im Landkreis Starnberg aus mit einem Heliumballon abheben.

Die Kapsel hat der Unternehmer, Erfinder und Maschinenbauingenieur Krzyminski selbst gebaut. „Sie ist aus Balsaholz, das ist ganz leicht“, erklärt er. Für den Transport der etwa zwei Kilogramm schweren Apollo-11-Reproduktion soll ein mit Helium gefüllter Wetterballon mit fünf Metern Durchmesser sorgen. Der genaue Startplatz steht noch nicht fest – das hängt von den Wetterbedingungen am Samstag ab. „Sicher ist nur, dass es im Landkreis sein wird, denn lediglich für dort haben wir eine Genehmigung des Luftamtes“, sagt Krzyminski.

Und warum Starnberg? „Weil viele unserer Unterstützer aus dem Raum München sind“, erklärt der 53-Jährige. Zu ihnen gehört Kurt Scheuer aus Söcking, mit dem Krzyminski vor 30 Jahren an der Technischen Universität München studiert hat. Starnberg sei aber auch bestens geeignet, weil die Seen und die Berge eine schöne Aussicht bieten. Geplant sei nämlich, eine Kamera in der Kapsel mitzuschicken und die Fotos später auszuwerten – wenn der ebenfalls mitgeschickte GPS-Sender funktioniert.

Die Mission-Teilnehmer hoffen, dass sie die Reste der Kapsel wiederfinden. Berechnungen zeigen, dass sie in einem Umkreis von rund 50 Kilometer landen dürfte. „Das könnte natürlich auch in einem der Seen sein – dann wassert sie halt, wie die echte Apollo 11“, sagt Krzyminski, „Sie ist wasserdicht, wir müssten sie dann nur noch bergen.“

Krzyminski hofft, dass es die Kapsel zumindest bis auf 38,4 Kilometer Höhe schafft. „Das entspricht einem Zehntausendstel des Abstandes zum Mond“, sagt er. Wieder so eine Zahl: ein Zehntausendstel des Mondabstandes, eine kleine Apollo 11 im Maßstab 1:10, ein 50. Jubiläum. Auf seiner Kickstarter-Seite im Internet berichtet Krzyminski von seinem Vorhaben mit dem nötigen Ernst und der erforderlichen Sorgfalt, aber auch mit viel Sinn für Humor und Gespür für die Größe des einmaligen Moments, als die US-Astronauten Neil Armstrong und Buzz Aldrin am 21. Juli schließlich den Mond betraten (kickstarter.de/projects/missioncontrol/apollo-11-reloaded). Unter anderem ist dort auch ein Film zu sehen, wie er die „Apollo 11 reloaded“ baut. Zu ihrer Stabilität trägt die Verpackung einer Whiskyflasche bei.

Im richtigen Leben ist Krzyminski Inhaber einer Firma, die für die Druckindustrie arbeitet. Luft- und Raumfahrt faszinieren ihn aber schon lange. Das Mondlandungsjubiläum hat ihn nun inspiriert – und rund 30 Menschen weltweit mit, die ihn unterstützt haben. Rund die Hälfte will am Samstag dabei sein, wenn der Countdown auf einer Wiese bei Söcking läuft.

Acht der Unterstützer haben mitfinanziert unter der Voraussetzung, dass sie etwas Kleines mit in den Orbit schicken dürfen. Die Stadt Bad Homburg gibt eine Hutnadel mit, ein befreundeter Chocolatier Pralinen. „Mal sehen, wie sie dann schmecken“, scherzt Krzyminski, der aktuell tüftelt, wie viel Gewicht er zuladen kann und der Kapsel den letzten Feinschliff verpasst. „Falls wir die Kapsel wiederfinden, gehen die Gegenstände an die Spender zurück, versehen mit einem Zertifikat, dass sie im All waren.“

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