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Noch ist die Tanne schmächtig, doch sie wird bis zu 50 Meter wachsen. Adalbert Stürzer, Martin Fink, Jörg Heinzler und Anton Bernhard (v.l.) zeigen bei einer Waldbegehung, welche Baumarten es im Riedener Forst gibt. 

Auch im Forstbetrieb Gut Rieden

Starnberger Waldbesitzervereinigung setzt auf Mischwald gegen den Klimawandel

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Klimaerwärmung, Borkenkäfer, Unwetter - die Wälder im Landkreis müssen immer mehr Herausforderungen standhalten. Die Vertreter der örtlichen Waldbesitzervereinigung wollen die Forste nun durch gezielte Umbaumaßnahmen robuster gestalten.

Starnberg/Landkreis – Lärchen, Douglasien, Buchen und Eichen – wo sich vor einigen Jahrzehnten im Forstbetrieb Gut Rieden im Norden Starnbergs noch eine Fichte an die nächste reihte, steht mittlerweile eine breit gefächerte Mischung aus unterschiedlichen Baumarten. Das ist kein Zufall, sondern Teil der von langer Hand geplanten Waldumbaumaßnahmen, mit denen die Vertreter der Starnberger Waldbesitzervereinigung (WBV) die Forstflächen im Landkreis klimaresistent gestalten wollen.

Mischwald statt Monokultur – so lautet dabei die Devise der Starnberger WBV, die für etwa 8000 der insgesamt zirka 17 000 Hektar Wald im Fünfseenland zuständig ist. „Wenn dann eine Baumart ausfällt, ist nicht gleich der ganze Wald kaputt“, erklärt Jörg Heinzler, Forstwirt und Beisitzer bei der WBV. Gründe für den Ausfall, also das Absterben einer kompletten Baumart, gibt es mittlerweile einige: Neben Temperaturextremen, der Klimaerwärmung und wenig Niederschlag machen auch natürliche Feinde wie der Borkenkäfer oder der Eichenprozessionsspinner bestimmten Baumarten besonders zu schaffen. Damit Ausfälle durch andere Bäume ausgeglichen werden können, müssen Waldbesitzer also auf einen ausgewogenen Mischwald setzen. Doch Martin Fink, Vorsitzender der WBV, betont auch: „Der Wald ist nicht eine Summe von Bäumen, sondern in sich eine komplexe Einheit mit Biodiversität.“

Die Umbaumaßnahmen erstrecken sich über Jahrzehnte

Zwar habe die WBV waldbauliche Ziele im Auge, die sie mit verschiedenen Umbaumaßnahmen erreichen möchten. „Aber diese Maßnahmen erstrecken sich über mehrere Jahrzehnte“, sagt Fink. „Schließlich brauchen Bäume oft zwischen 80 und 100 Jahre, bis sie ausgewachsen sind.“ Der Wald könne daher nicht auf die Schnelle auf Klimaveränderungen, die sich innerhalb weniger Jahre abspielen, reagieren.

Die Forste so zu bewirtschaften, dass sie den Herausforderungen der Umwelt standhalten können, ist dennoch das Ziel von Heinzler und den anderen Mitarbeitern der WBV. Sie betreuen einige Wälder der insgesamt etwa 900 Vereinsmitglieder im Rahmen von Waldpflegeverträgen. So auch den Forstbetrieb Gut Rieden von Waldbesitzer Adalbert Stürzer. Am Beispiel des 89 Hektar großen Waldes zeigten Heinzler, Stürzer, Fink und WBV-Geschäftsführer Anton Bernhard bei einer Waldbegehung, wie sie den Forst nach und nach gezielt verändern. Der gesamte Wald besteht derzeit aus etwa 55 Prozent Laubholz wie Buche, Esche und Eiche sowie 45 Prozent Nadelholz, zum Beispiel Fichte, Lärche und Tanne.

Ein Teilstück des Waldes wird bereits seit 30 Jahren umgebaut. Auf dieser etwa sechs Hektar großen Fläche waren vor Beginn des Umbaus 90 Prozent Fichten und zehn Prozent Buchen gepflanzt. „Aktuell haben wir 50 Prozent Fichte, 30 Prozent Buche und 20 Prozent andere Baumarten wie Douglasien, Tannen, Lärche und Schwarzkiefer“, berichtet Heinzler. Ziel sei es, den Fichtenbestand auf 30 Prozent zu reduzieren, weiterhin 30 Prozent Buchenbestand zu erhalten und insgesamt 40 Prozent der Waldfläche mit anderen Baumarten zu bepflanzen. Rotbuchen, Douglasien und Waldkiefern siedeln die WBV-Mitarbeiter im Riedener Forst vor allem an, weil sie wärmere Temperaturen, wie sie zum Beispiel im mediterranen Raum vorherrschen, gut aushalten. „Wir werden ein mediterranes Klima bekommen“, prophezeit Fink angesichts der globalen Erwärmung.

Mithilfe einer Standortkartierung lässt sich feststellen, welche Bäume wo gut wachsen

Um herauszufinden, auf welchem Boden welche Baumart besonders gut wächst, ließ die WBV vor einigen Jahren eine Standortkartierung durchführen. „Dazu wurden im ganzen Landkreis etwa alle 40 Meter Bodenproben entnommen“, erzählt Fink. „Diese Daten werden nun durch neue Klimadaten ergänzt.“ Damit ist es der WBV möglich, Baumarten zu pflanzen, die an das Klima und die jeweilige Bodenbeschaffenheit angepasst sind. Eine weitere Maßnahme ist die Naturverjüngung. „Man muss junge, nachwachsende Bäume fördern, indem man den Altbestand oben auflockert“, erklärt Anton Bernhard das Vorgehen. Sind die Baumkronen des alten Baumbestandes weniger dicht, kann Sonneneinstrahlung leichter zum Waldboden vordringen und dort die jungen Baumknospen beim Wachsen unterstützen.

Neben den waldbaulichen Zielen von WBV und Forstbesitzern spielen jedoch auch die Bürger eine Rolle für die zukünftige Entwicklung der Waldflächen. „Es gibt einen hohen Freizeitdruck auf unsere Wälder“, sagt Bernhard. Der erste Jogger komme um 3 Uhr morgens, der letzte Mountainbiker um 22 Uhr abends. Auch freilaufende Hunde seien ein Problem. An welche Regeln sich Waldbesucher halten sollten, erklärt Stürzer: „Ab einer Stunde nach Sonnenuntergang bis eine Stunde vor Sonnenaufgang soll der Wald nicht betreten werden“, sagt er. „Und Hunde müssen an die Leine.“

Auch Bernhard richtet zum Schluss der Waldbegehung mahnende Worte an die Bevölkerung: „Der Wald ist mit am meisten vom Klimawandel betroffen“, sagt er. „Wir Waldbesitzer stellen uns der Verantwortung und bauen um, obwohl das teuer ist. Aber auch der Freizeitdruck muss in einem vernünftigen Maß bleiben.“

Zum Hintergrund: Typische Merkmale der häufigsten Bäume

Fichte: Charakteristische Merkmale der Gemeinen Fichte sind stechende Nadeln, bräunliche herabhängende Zapfen, die zehn bis 15 Zentimeter lang sind und ein gerader, säulenförmiger Stamm. Der Baum wird etwa 40 Meter hoch, die Rinde ist hellbraun und wird mit dem Alter rötlichgrau bis rotbraun. 

Buche: Auch Buchen erreichen eine Höhe von bis zu 30 Metern. Die Rinde des Baumstamms ist grau und glatt. Kennzeichnend sind außerdem lange, elliptische Blätter und glänzend dunkelbraune Nussfrüchte, die Bucheckern, die sich in einer stacheligen Hülle befinden. 

Douglasie: Die Gewöhnliche Douglasie hat grün bis blaugrüne Nadeln, die einen zitronenartigen Geruch verströmen, wenn man sie zerreibt. Die Zapfen haben eine hängende Form und runde, lang herausragende dreizipfelige Schuppen, die etwa fünf bis zehn Zentimeter lang sind. Der Baum wird etwa 60 Meter hoch, seine Rinde ist im jungen Alter graugrün, später dunkel und rissig.

Weißtanne: Der immergrüne Nadelbaum besitzt eine weißgraue Rinde, die bei jungen Exemplaren glatt, bei älteren Bäumen aufgeplatzt und rau ist. Weißtannen werden in der Regel zwischen 30 und 50 Meter hoch. Ihre Nadeln sind an der Oberseite glänzend dunkelgrün, an der Unterseite haben sie zwei weiße bis blauweiße Bänder. Die Knospen der Weißtanne sind eiförmig und von heller rotbrauner Farbe.

Lärche: Die Lärche ist der einzige heimische Nadelbaum, dessen Nadeln sich im Herbst goldgelb färben und dann abfallen. Der Baum wird bis zu 40 Meter groß und besitzt aufrecht stehende hellbraune Zapfen, die eiförmig sind. Die Blätter der Lärche sind weich, abgeflacht, vorne stumpf und zugespitzt. 

Schwarzkiefer: Dieser Baum wird bis zu 30 Meter groß und trägt eilängliche hängende Zapfen. Die Nadeln haben eine blaugrüne Farbe. Die weiblichen Blüten der Pflanze sind rötlich, etwa einen Zentimeter lang und am Ende der Kurztriebe stehend. Aus ihnen bilden sich die Zapfen. Männliche Blüten sehen „würstchenartig“ aus und haben, wenn sie reif sind, eine rotbraune Farbe.

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