Polizeibeamte werden zweimal am Hauptbahnhof brutal angegriffen - Zeugen wählen Notruf

Polizeibeamte werden zweimal am Hauptbahnhof brutal angegriffen - Zeugen wählen Notruf
+
Im Autohaus Czasny in Herrsching absolvieren Christian Ludwig und Dominik Pflug (v.l.) ihre Ausbildung. Sie werden von Werkstattmeister Adrian Heinrich angeleitet.  

Mehr als 100 unbesetzte Lehrstellen

Wirtschaft gehen weiter die Lehrlinge aus

  • schließen
  • Alicia Schmidbauer
    Alicia Schmidbauer
    schließen

Wenn am 1. September das neue Ausbildungsjahr beginnt, drohen im Landkreis Starnberg mehr als 100 Lehrstellen unbesetzt zu bleiben. Der Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses Starnberg, Martin Eickelschulte, spricht von einem Dilemma für die Betriebe: „Der Arbeitsmarkt ist wie leergefegt.“

Landkreis – Die Betriebe im Landkreis stehen vor einer Herausforderung: Viele Unternehmen in Handel, Industrie, Dienstleistung und Handwerk können ihre Ausbildungsstellen nicht besetzen. Laut Statistik der Agentur für Arbeit waren zu Beginn der Ferien, also einen Monat vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres, 274 Lehrstellen noch unbesetzt. Ihnen standen 154 unversorgte Schulabgänger gegenüber. Das macht eine Lücke von 120 fehlenden Bewerbern, teilt die Industrie- und Handelskammer (IHK) mit.

Besonders groß ist das Wehklagen in manchen Handwerk-Sparten. Oliver Lutz würde gerne drei Ausbildungsstellen in seiner Metzgerei besetzen – zwei im Verkauf, eine in der Fleischverarbeitung. „Bis heute habe ich noch keinen unterschriebenen Ausbildungsvertrag, sagte der Obermeister der Metzger-Innung Anfang der Woche. Ein Interessent schnuppere aktuell hinein in den Beruf. „Mit diesen Problemen haben wir seit Jahren zu tun“, sagt Lutz. Was den Verkauf angeht, kann der Pöckinger Metzgermeister das sogar nachvollziehen. „Das ist ein typischer Frauenberuf, und da bieten sich den jungen Frauen anderswo attraktivere Chancen“, weiß Lutz. Erschüttert ist Lutz über das mangelnde Interesse der jungen Leute, sich über Ausbildungsberufe zu informieren: „Ich habe einige Ausbildungsmessen und Mittelschulen besucht, die Zahl der Interessenten ließ sich an ein, zwei Händen locker abbilden.“

Leopold Göring: „Azubis sind schwer zu finden“

Für Leopold Göring, Obermeister der Zimmerer-Innung, ist die Situation noch keine Katastrophe: „Wir sind derzeit gut besetzt, allerdings können wir nicht mehr aus dem Vollen schöpfen.“ Auch wenn er die Zahl der unbesetzten Lehrstellen in den Innungsbetrieben nicht kennt, weiß Göring: „Azubis sind schwer zu finden.“ Er selbst hat in seinem Betrieb für die nächsten drei Jahre mit Auszubildenden ausgesorgt: „Aber was dann kommt, weiß ich auch noch nicht.“

Auch Rupert Pfisterer, Obermeister der Schreiner-Innung, blickt nicht gerade optimistisch in die Zukunft. Zwar bezeichnet er das Verhältnis von Lehrstellen und Bewerbern im Schreiner-Bereich immer noch als ausgeglichen. Er selbst bekomme jedes Jahr etwa vier bis fünf Bewerbungen für eine Lehrstelle. Derzeit beschäftigt der Schreinermeister drei Auszubildende. „Wir können sehr zufrieden sein, dass immer noch so viel Interesse am Schreinerberuf besteht“, sagt er. Jedoch sei es zum Problem geworden, dass jeder meine, er müsse studieren, und Eltern ihre Kinder lieber in akademischen als in Handwerksberufen sehen würden. „Das ist ein unguter Trend.“

Praktika und ein Tag der Offenen Tür machen den Betrieb bekannt

Wie können die Unternehmen dieser Entwicklung entgegensteuern? „Um sich ihren Fachkräftenachwuchs zu sichern, setzen die Betriebe im Landkreis mehr denn je auf die duale Berufsausbildung. Mit knapp 500 gemeldeten Ausbildungsplätzen ist das Angebot wieder sehr groß“, erklärt Martin Eickelschulte vom IHK-Regionalausschuss. Damit junge Menschen dieses Angebot auch wahrnehmen, hat Pfisterer ein paar Tipps für die Betriebe parat: Wichtig sei es, sich auf der eigenen Internetseite als Ausbildungsbetrieb kenntlich zu machen. Auch Aktionen wie ein Tag der offenen Tür hätten sich bewährt. Handwerksbetrieben rät er außerdem, früh anzufangen, interessierte Schüler zu einem Schnupperpraktikum einzuladen.

Das macht auch Franz Czasny vom gleichnamigen Herrschinger Autohaus. „Wir bieten seit Jahren Praktika für Schüler ab der achten Klasse an“, sagt er und bezeichnet dieses Angebot als „Erfolgsmodell“. Viele der Schülerpraktikanten würden sich für eine Ausbildung bewerben. Auch seine drei Lehrstellen für September hat der Herrschinger bereits besetzt. „Die Bewerbungen sind schon vor einem Jahr eingetroffen“, sagt er.

Schüler sollten sich früh über die Chancen einer Berufsausbildung informieren

Eickelschulte empfiehlt Eltern und Schülern, sich frühzeitig über Chancen zu informieren, die eine Berufsausbildung bietet. „Mit einer erfolgreichen Ausbildung in der Tasche stehen der beruflichen Zukunft alle Wege offen. Es ist noch nicht zu spät, um im September mit einer Ausbildung zu beginnen,“ sagt er.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Petersbrunner Straße: Ab Montag ändert sich was
Der Ausbau der Petersbrunner Straße in Starnberg macht Fortschritte. Ab Montag wird die Baustelle auf das Teilstück zwischen Gautinger und Moosstraße ausgedehnt. Die …
Petersbrunner Straße: Ab Montag ändert sich was
Zehn „Dicke“ zwischendurch
„Alles vorwärts. Los!“ Susi Bela ist über Lautsprecher auch hinten laut und deutlich zu verstehen. Sie ist in diesem Jahr Steuerfrau im Damen-Achter des TSV Herrsching. …
Zehn „Dicke“ zwischendurch
Nach „Snowden“-Dreh:Free-TV-Premiere
Manchem Tutzinger werden Szenen aus dem „Snowden“-Film von Oliver Stone bekannt vorkommen - sie wurden in Tutzing gedreht. Am Sonntag läuft der Film erstmals im frei …
Nach „Snowden“-Dreh:Free-TV-Premiere
Bahnhof See bald wieder im Stadtrat
Seit Jahren liegt der historische Bahnhof See in einer Art Dornröschenschlaf. Ein Grund dafür war die Seeanbindung, deren ungewisser Ausgang eine Sanierung bremste. …
Bahnhof See bald wieder im Stadtrat

Kommentare