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Stolz auf die Fertigstellung des Projekts: der Vorstand der Wohnungsgenossenschaft mit (v.l.) Rudolf Bördlein, August Mehr, Günther Weikl, Frank Reuber, Geschäftsführer Patrick Manoppo und Hannelore Hartmann im Garten der neuen Wohnanlage.

Wohnungsgenossenschaft Starnberger See

Wohnen zu märchenhaften Preisen

  • Peter Schiebel
    vonPeter Schiebel
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Die neue Wohnanlage der Wohnungsgenossenschaft Starnberger See an der Himbselstraße ist fertig. Die ersten Bewohner sind schon eingezogen. Derweil blickt der Vorstand voller Stolz auf das Projekt.

Starnberg – Dieses Projekt ist etwas ganz Besonderes für die Wohnungsgenossenschaft Starnberger See. Nicht nur, dass es mit 40 Wohnungen der größte Neubau seit mehr als 30 Jahren ist. „Hier ist unsere Keimzelle“, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Franz Reuber. Das Grundstück an der Himbselstraße sei das erste gewesen, das die Genossenschaft nach ihrer Gründung im Jahr 1921 erworben habe. Nun, 99 Jahre später, ist dort eine Anlage entstanden, die Vorstandschef August Mehr bei der Pressevorstellung gestern als „sehr gefällig und gelungen“ bezeichnete. „Wir können sie mit Stolz präsentieren“, betonte er.

Die Anlage ist seniorengerecht gebaut, also ohne Barrieren, dafür aber mit ausreichend Platz für Rollstuhlfahrer oder Menschen mit Rollatoren. 40 bis 70 Quadratmeter sind die Wohnungen groß, wobei die Zweizimmerappartements in der Überzahl sind. Zehn Wohnungen sind frei finanziert, die anderen 30 öffentlich gefördert. Das heißt: Wer dort einziehen will, darf bestimmte Einkommensgrenzen nicht überschreiten.

Der Mietpreis klingt märchenhaft: 12,50 Euro pro Quadratmeter, wobei die Mieter der geförderten Wohnungen Zuschüsse zwischen 4,50 und 6,50 Euro erhalten. Wer sich jetzt noch dafür interessiert, kommt allerdings in den meisten Fällen zu spät. Bis auf vier Einheiten sind alle Wohnungen bereits vergeben – und diese vier fallen in die sogenannte Einkommensstufe III, bei der ein Zwei-Personen-Haushalt nicht mehr als 45 000 Euro im Jahr verdienen darf.

So stolz die Wohnungsgenossenschaft auf das Erreichte ist, so steinig war auch der Weg. Vorstandschef Mehr sprach von einer „abenteuerlichen und arbeitsreichen Zeit“, die hinter den Beteiligten liege. Vor allem der Tiefbau hatte den Bauherren Sorge bereitet. Bekanntlich war kurz nach Baubeginn im Herbst 2017 ein massives Wasser-Problem aufgetreten. Die Baugrube war nicht tief genug abgedichtet. Erst durch den Einsatz eines Düsenstrahlverfahrens gelang es, das Problem zu beheben.

Von den Mehrkosten von rund einer Million Euro will sich die Genossenschaft 800 000 Euro von zwei Planungsbüros zurückholen. Die Schadenersatzklage werde eingereicht, sagte Mehr. Nach Auffassung der Genossenschaft hätten die Büros „bei besserer Sorgfalt“ feststellen müssen, dass die Bohrungen für die Spundwände nicht tief genug waren. Eine „unverhoffte Kontamination“ des Bodens habe zu weiteren 500 000 Euro Mehrkosten geführt. Darüber hinaus hatte das „Tiefbau-Debakel“ zur Folge, dass das Projekt rund ein Dreivierteljahr später fertig wurde als ursprünglich gedacht.

Am Ende hat die Genossenschaft an der Himbselstraße 14,2 Millionen Euro investiert – ohne Grundstück, weil das ja schon im Besitz war. „Da müssen wir unseren Vorfahren dankbar sein“, sagte Reuber. Den Grundstückswert gab Vorstandsmitglied Günther Weikl mit 2,8 Millionen Euro an. Von der Gesamtsumme stammen 2,9 Millionen Euro aus dem Eigenkapital der Genossenschaft. Weitere 600 000 Euro sind ein städtischer Zuschuss, über den einst lange gerungen wurde. Im Herbst 2016 beantragt, ging die zweite Tranche erst im November 2019 ein – Grund war „die sperrige Haltung der damaligen Stadtspitze“, wie Mehr es nannte.

Gut zwei Millionen Euro hat allein die Tiefgarage mit ihren 65 Stellplätzen gekostet – eine Summe, die Mehr gestern nachdenklich stimmte. Zwar sei es vernünftig, Stellplätze unter die Erde zu packen, die hohen Kosten kürzten jedoch an anderer Stelle die Möglichkeiten eines Sozialbauträgers, sagte er. „Wir sind ja nicht für Tiefgaragen da, sondern für günstigen Wohnbau.“ Apropos Mobilität: Zusammen mit der Energiegenossenschaft Fünfseenland hat die Wohnungsgenossenschaft eine Car-Sharing-Station angelegt. Den Mietern der Himbselstraße steht dadurch ein elektrisch betriebener Renault Zoe zur Verfügung.

Nachhaltigkeit ist auch beim Thema Energie angesagt. Als KfW-55-Haus verbrauche die Anlage 45 Prozent weniger Energie als vorgeschrieben, erläuterte Vorstandsmitglied Rudolf Bördlein. Geheizt wird mit einer Grundwasserwärmepumpe, das Warmwasser wird mit einer Gastherme aufbereitet.

Neben dem Car-Sharing-Modell gibt es noch zwei weitere Gemeinschaftseinrichtungen, die nach Angaben Mehr „über dem Standard“ liegen: ein Gemeinschaftsraum mit Küche für Geburtstage, Feiern und dergleichen – und ein Besucherappartement, das Mieter anmieten können.

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