Fürs Buch hat Dr. Benno Gantner Porträts bekannter Künstler zusammenmontiert, unter anderem Carl Maria von Weber.
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Fürs Buch hat Dr. Benno Gantner Porträts bekannter Künstler zusammenmontiert, unter anderem Carl Maria von Weber.

„Blauer Himmel blaue Wogen“

Wenn die Musik am Starnberger See spielt

  • vonAstrid Amelungse-Kurth
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Es ist ein überfälliges Buch, das der in Starnberg lebende Musikwissenschaftler Dr. Christian Lehmann, Dozent an den Universitäten Regensburg und München und selbst Sänger, im Perchaer Apelles Verlag von Dr. Benno Gantner veröffentlicht hat.

Starnberg – „Blauer Himmel blaue Wogen“, so lautet der Titel des reich bebilderten Taschenbuchs, das der in Starnberg lebende Musikwissenschaftler Dr. Christian Lehmann veröffentlicht hat. Es widmet sich der Musikgeschichte am Starnberger See – ein Thema, das Christian Lehmann voriges Jahr mit seinen Studenten zur Vorbereitung einer Ausstellung beackert hatte.

„Großes Echo“ habe die Ausstellung im Haus Buchenried gefunden, so groß, dass gleich klar war, dass daraus noch ein Buch entstehen würde, erzählt Lehmann. Kein Wunder: Der Starnberger See kann auch in der Musikgeschichte mit bedeutenden Namen punkten. Und dass Christian Lehmann ein profunder Kenner der Materie ist, das bewies schon sein vor zwei Jahren erschienenes Buch über den Hofsänger Leoni.

Die Geschichten hat der Musikwissenschaftler Dr. Christian Lehmann recherchiert.

Das musikalische Leben am Starnberger See fängt schon in der Renaissance an. Mit keinem geringeren als Orlando di Lasso, der maßgeblich unter der Regentschaft Albrechts IV. das Musikleben in München und am Starnberger See prägte. Orlando di Lasso komponierte für den Hof Messen, Kammer-, Tafel- und Huldigungsmusik. Hundert Jahre später wurde der Starnberger See zu einem Hauptschauplatz barocker Eventkultur. Im Schloss wurde gefeiert, im Schlossgarten getanzt und gespielt, auf dem Wasser kreuzten Lustschiffe. Das schwimmende Jagdschloss Bucentaur und die prunkvollen Seefeste waren über die Landesgrenzen hinaus legendär.

Natürlich ging das nicht ohne Musik. Zu dieser Zeit galt Johann Caspar Kerll als „Orpheus seiner Zeit“. Er war der Hofkapellmeister des Kurfürsten Ferdinand Maria, zugleich auch der Gesangslehrer von Kurfürstin Adelaide und dirigierte vermutlich auch die Kapelle auf dem Oberdeck des Bucentaur, auf dem 24 Musiker Platz hatten. Seine eigenen Kompositionen sind allerdings zum Großteil verschollen. Auch in den nachfolgenden Jahrhunderten spielte für viele Komponisten die Musik am Starnberger See. Carl Maria von Weber, Max Joseph in Bayern, Franz Graf von Pocci, Richard Wagner, Johannes Brahms, Franz Lachner, Engelbert Humperdinck, Richard Strauss, der bei seinem Onkel Georg Pschorr in Feldafing gerne Ferien machte, Leos Janácek, Eugen d’Albert, Max Reger, Arnold Schönberg, Alexander László, Karl Amadeus Hartmann, Philippine Schick – sie alle lebten und arbeiteten dort und werden in dem mit kurzweiligen Anekdoten unterhaltend geschriebenen Band wieder zum Leben erweckt.

Selbst Hans Posegga fehlt nicht, der Komponist der Titelmusik zur „Sendung mit der Maus“. Seit 1970 lebte er bis zu seinem Tod 2002 in Ammerland und betonte stets, dass er nicht wegen der Landschaft dorthin gezogen sei, sondern, weil er Tag und Nacht Klavier spielte und niemanden belästigen wollte.

Christian Lehmann porträtiert auch drei Komponistinnen: Josephine Lang, die bei Felix Mendelssohn Bartholdy Kompositionsunterricht genommen hatte, Luise Adolpha Le Beau, die, wie es heißt, „eine nicht unwesentliche Rolle für die Geschichte der Gleichberechtigung der Frau im Musikleben gespielt hat“, und Philippine Schick, „wohl die bekannteste deutsche Komponistin“. Hat der Autor bei seinen Recherchen auch etwas entdeckt, was für ihn überraschend war? „Ja, dass Max Reger nicht, wie bisher angenommen, in der kleinen Villa Rikoff gelebt hat“, antwortet der Musikwissenschaftler. „Die gab es nämlich gar nicht, wie ich im Katasterauszug festgestellt habe. Reger lebte im Wohnhaus der Hufschmiede in Berg, die erst vor einem Jahr abgerissen wurde.“

Das Buch hat vieles zu bieten. Besonders schön ist die Idee, das Thema multimedial und geradezu ganzheitlich aufzubereiten. Neben zahlreichen Abbildungen in Farbe und schwarz-weiß kommt der Leser über einen abgedruckten QR-Code oder einen Link zum Onlinedienst Spotify und damit zum Musikgenuss. Hinter jedem Kapitel weist ein Notensymbol auf die Kompositionen hin, die am Starnberger See entstanden sind und die auf Spotify in der Liste „Blauer Himmel blaue Wogen“ oder auf der Homepage des Verlages abrufbar sind. Für die, die das Buch darüber hinaus auch noch als Wanderführer nutzen wollen, gibt es auch eine Landkarte im Anhang.

Infos auch auch unter www.apellesverlag.com. Das Buch ist im Buchhandel oder direkt beim Verlag für 12,80 Euro erhältlich.

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