Neues Zuhause in Starnberg: Bundestagsabgeordnete Carmen Wegge (3.v.r.) eröffnete ihr Wahlkreisbüro mit (v.l.) Büroleiterin Julia Lex und den SPD-Kolleginnen und -kollegen Christiane Falk, Oliver Meyer, Angelika Wenisch und Elisabeth Fuchsenberger. F.: DR
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Neues Zuhause in Starnberg: Bundestagsabgeordnete Carmen Wegge (3.v.r.) eröffnete ihr Wahlkreisbüro mit (v.l.) Büroleiterin Julia Lex und den SPD-Kolleginnen und -kollegen Christiane Falk, Oliver Meyer, Angelika Wenisch und Elisabeth Fuchsenberger.

Neues SPD-Wahlkreisbüro

Viel Spaß und ein bitterer Moment

  • Tobias Gmach
    VonTobias Gmach
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Die SPD-Bundestagsabgeordnete Carmen Wegge hat in Starnberg ihr Wahlkreisbüro eröffnet und zieht eine erste Bilanz über ihr Wirken in Berlin.

Starnberg – Das alte Mauerwerk ist gut erkennbar, die kleine Couch aus Holzpaletten, eine Glühbirnen-Kette und historische sozialdemokratische Plakate zieren die Wände: Carmen Wegges Starnberger Wahlkreisbüro im ehemaligen Polizeigebäude an der Hauptstraße 22 hat etwas Rustikales und strahlt eine gewisse Untergrund-Gemütlichkeit aus. Coronabedingt hat die SPD-Bundestagsabgeordnete die Räumlichkeiten, die SPD Orts- und Kreisverband nutzen dürfen, erst jetzt offiziell eröffnet. Eines ist sicher: Laufkundschaft haben Wegge und Co. dort jede Menge – beziehungsweise die Fahrkundschaft der vielen Autos, die sich auf der Ortsdurchfahrt stauen. „Darum ging es uns auch: Wir wollen sichtbar sein“, sagt die 32-Jährige.

Die Büro-Einweihung ist ein guter Anlass für eine erste Zwischenbilanz. Über die SPD-Liste schaffte es Wegge im September nach Berlin. Dort ging es nicht nur für sie von null auf hundert: „Man kann sich einfachere Einstiege in eine Legislaturperiode vorstellen“, findet Wegge. „Die Impfpflicht, der Ukraine-Krieg: Das sind zwei dicke Bretter. Da hat man schnell gemerkt, in welcher Verantwortung man ist.“ Mit der „Impfpflicht für alle“ positionierte sie sich klar, hielt dazu auch eine Rede im Bundestag. Danach bekam sie alleine an einem Wochenende 1000 E-Mails von Impfgegnern – und Morddrohungen. „So etwas darf man nicht akzeptieren, auch nicht als Gesellschaft“, sagt Wegge heute. Damals zeigte sie die Fälle bei der Bundestagspolizei an. Die allgemeine Impfpflicht scheiterte bekanntlich. Wegge: „Das ist tragisch, das war schon ein bitterer Moment.“

Insgesamt mache ihr die Arbeit aber „unfassbar viel Spaß“. Auch, weil sie das Gefühl hat, mit vielen anderen jungen, hoch motivierten Politikern etwas erreichen zu können. „49ers“ („Forty-Niners“) nennt sich die Gruppe der 49 unter 35-jährigen SPD-Abgeordneten. Wegge gehört zum Orga-Team, sie organisiert die Klausur, die im September wohl in Dresden stattfinden soll. „Wir wollen an langen, politischen Linien für die Partei arbeiten.“

Wegge will aber auch den Kontakt zu den Bürgermeistern im Landkreis pflegen. So habe sie ihnen genau zugehört, welche Herausforderungen die Flüchtlinge aus der Ukraine mit sich bringen. Aus den Gesprächen mit den Lokalpolitikern hat sie bisher mitgenommen, dass jene besonders drei Themen bewegen: bezahlbarer Wohnraum, der Breitbandausbau und der Rechtsanspruch auf Ganztagesbetreuung von Grundschülern ab 2026. Ihr Büro werde einen Newsletter an die Bürgermeister herausgeben, speziell was die Berliner Entscheidungen und Debatten zu den genannten Themen angeht. In die umgekehrte Richtung, vom Wahlkreis nach Berlin, trägt die Abgeordnete zum Beispiel die Anliegen hiesiger Bündnisse gegen Rechtsextremismus. Wegge ist stellvertretende Sprecherin einer Arbeitsgruppe ihrer Partei zum Thema.

Ein „gemeinsames Projekt“ plane sie mit dem ehemaligen Justizminister und Parteikollegen Heiko Maas: die Reformierung des Mordparagrafen. Sie persönlich will unter anderem die geschlechtsbezogene Gewalt – und damit vor allem die Gewalt von Männern gegen Frauen – ins Gesetz aufnehmen. „Das ist ein strukturelles Problem“, sagt sie.

Nicht nur ihre große Verantwortung, auch die gewisse Macht als Abgeordnete hat Wegge in ihren ersten Monaten kennengelernt. „Wenn der Bundesadler auf einem Brief ist, scheucht das die Behörden auf. Da gehen manche Dinge schneller.“

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