Der bislang größte Erfolg für Julius Thole (l.) und Clemens Wickler war der Gewinn der WM-Silbermedaille 2019. Bei ihren ersten Olympischen Spielen würden sie gerne wieder Edelmetall holen.
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Der bislang größte Erfolg für Julius Thole (l.) und Clemens Wickler war der Gewinn der WM-Silbermedaille 2019. Bei ihren ersten Olympischen Spielen würden sie gerne wieder Edelmetall holen.

Olympische Spiele in Tokio

Wicklers Vorfreude auf den Kindheitstraum

  • Michael Baumgärtner
    VonMichael Baumgärtner
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In fünf Tagen geht es ab nach Japan. Am Sonntag fliegt Beachvolleyballer Clemens Wickler mit seinem Partner Julius Thole nach Tokio. Genau eine Woche später beginnt für das deutsche Nationalteam das olympische Turnier. Der 26-Jährige aus Hanfeld geht die Aufgabe locker an – trotz einiger Schwierigkeiten im Vorfeld.

Hanfeld – Mit der Teilnahme an den Olympischen Spielen in Tokio (23. Juli bis 8. August) erfüllt sich für Clemens Wickler „ein Lebenstraum, ein Kindheitstraum“, wie er gestern auf der virtuellen Abschluss-Pressekonferenz vor dem Abflug nach Japan sagte. „Die Vorfreude ist auch unter den gegebenen Umständen riesig.“ Wickler, der seit 2018 mit Julius Thole (24) zusammenspielt und mit dem Hamburger neben zwei Deutschen Meisterschaften 2019 Vize-Weltmeister wurde, sieht dem olympischen Turnier gelassen entgegen.

Auf ein festes Ziel oder gar eine Medaille wollen sich Thole/Wickler nicht festlegen. „Unser Ziel ist es, jedes Spiel so gut wie möglich zu spielen“, sagt der Hanfelder. „Mehr wäre vermessen. Um eine Medaille zu gewinnen, muss sehr viel zusammenkommen“, so Wickler. Erstens sei die Konkurrenz enorm stark und ausgeglichen („18 bis 20 der 24 Teams haben das Zeug, eine Medaille zu holen“), und zweitens liege hinter den beiden Deutschen „eine absolute Katastrophen-Saison“.

Damit verweist Wickler neben den corona-bedingten Einschränkungen, die allen Athleten seit eineinhalb Jahren zu schaffen machen, das Verletzungspech des deutschen Duos. Ende März war der 26-Jährige während des Trainingslagers auf Fuerteventura mit starken Bauchschmerzen ins Krankenhaus eingeliefert worden – Diagnose: Blinddarmentzündung. Er musste sofort operiert werden. Und dann zog sich sein Partner Julius Thole vor sechs Wochen in Sotschi (Russland) einen Bänderriss im Sprunggelenk des linken Fußes zu und musste pausieren. Erst vor drei Wochen stieg er wieder in den Sand. Die Generalprobe für Olympia fiel dann auch entsprechend aus: Beim Vier-Sterne-Turnier vergangene Woche in Gstaad (Schweiz) scheiterte das Beach-Duo bereits im Achtelfinale (1:2 gegen die Niederländer Boermans/de Groot). Zuvor hatte es in Kloten (Schweiz) das Finale gegen die Eidgenossen Breer/Krattiger ebenfalls mit 1:2 verloren. Doch Wickler ist dennoch optimistisch: „Uns fehlt noch etwas die Konstanz, aber ich bin sehr positiv, dass wir bis zum Turnierstart an den richtigen Stellschrauben drehen können. Wir gehören auf jeden Fall auch zu dem Kreis, der eine Medaille holen kann.“

Mehr Kopfzerbrechen als die sportlichen Angelegenheiten bereitet ihm, wie er die Zeit zwischen Trainings und Wettkampf verbringen soll. Schließlich wird es kaum Kontakt zu den anderen Athleten geben, die sich nur in ihren persönlichen Blasen bewegen dürfen. „Das ist natürlich bedauerlich, und wird eine sehr schwierige Aufgabe, denn wir müssen dort sehr isoliert leben.“ Vorsichtshalber wird Wickler ein paar Bücher, Gesellschaftsspiele, Karten und natürlich seine Playstation mit im Gepäck haben. „Drei Wochen lang hat Clemens organisiert, dass wir einen Fernseher mit aufs Zimmer nehmen können“, erzählt Thole. „Ich hätte lieber einen Kühlschrank gehabt, aber Clemens hat sich durchgesetzt“, scherzt der 24-Jährige.

Etwas traurig sind die beiden besten deutschen Beachvolleyballer, dass sie vor leeren Rängen spielen müssen. „Wir werden zwar die einzigartige Stimmung vermissen. Und normalerweise beflügelt uns das Publikum auch immer“, sagen sie. Aber das sollte kein Nachteil für sie sein, denn: „Wir sind die Geisterspiele ja nun seit eineinhalb Jahren gewöhnt.“ Wickler ist es für die Erfüllung seines Kindheitstraumes ohnehin egal, wie und wo er bei Olympia, „das Größte, was es für einen Beachvolleyballer gibt“, spielt: „Selbst wenn das Spielfeld am Stadtrand von Tokyo wäre, wir hätten es sogar selber aufgebaut.“

Das einzige deutsche Herrenteam in Japan bekommt es ab Sonntag, 25. Juli, in der Vorrundengruppe F mit folgenden Gegnern zu tun: Ishijima Gottsu/Katsuhiro Shiratori (Japan), Paolo Nicolai/Daniele Lupo (Italien), Piotr Kantor/Bartosz Losiak (Polen).

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