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Bars und Clubs im Landkreis dürfen wieder öffnen

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Von: Tobias Gmach

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Freuen sich, dass es endlich wieder losgehen kann: Gerlinde Vogl (l.) und ihre Tochter Jenny Wrobel von der Diskothek Point im Gilchinger Gewerbegebiet Nord.
Freuen sich, dass es endlich wieder losgehen kann: Gerlinde Vogl (l.) und ihre Tochter Jenny Wrobel von der Diskothek Point im Gilchinger Gewerbegebiet Nord. © Andrea Jaksch

Von diesem Wochenende an dürfen die coronageplagten Discos, Clubs und Tanz-Bars wieder öffnen. Im Landkreis Starnberg muss man sie aber mit der Lupe suchen – nicht erst seit der Pandemie, sondern auch schon vorher. Und die, die man findet, konzentrieren sich vor allem auf private Feierlichkeiten und singuläre Events.

Landkreis – Eine öffentliche Party im Monat organisieren: Das hat sich Gerlinde Vogl, die Betreiberin des „Point“ an der Carl-Benz Straße in Gilching, nun vorgenommen. Auftakt ist am Samstag in einer Woche, 9. Oktober. Das Musikprogramm laut Facebook-Veranstaltung: „Kunterbunt, von ABBA bis ZAPPA, alles aus den 80ern bis zu den aktuellen Charts.“ Vogl sagt: „Wir sind froh, dass es wieder losgeht.“ Gestern hat die Staatskanzlei mitgeteilt, dass vom heutigen Freitag an in Clubs und Diskotheken wieder ohne Abstand und Maske getanzt werden darf. Allerdings gilt für Besucher und Beschäftigte mit Kundenkontakt die 3G-Regel. Einlass bekommen also nur Geimpfte und Genesene – oder sie legen einen negativen PCR-Test vor.

Ein paar Privatpartys gab es zuletzt schon im Point. „Die Leute haben gefeiert, als wären sie aus dem Knast entlassen worden“, sagt Gerlinde Vogl. „Sie sind hungrig. Wir werden andauernd angesprochen, wann wieder was los ist.“ Warum an so wenigen Orten im Landkreis nachts was los ist? Die Antwort von einem, der hierzulande noch die glorreichen Zeiten miterlebt hat: „Die Nähe zu München war schon immer das Problem“, sagt Max Hippius.

Er betrieb von 1988 bis 2004 die „Gifthütte“ in Steinebach am Wörthsee. Noch heute wohnt er über der ehemaligen Rockparty-Institution. Mittlerweile firmiert der Laden unter dem Namen „Buddha Club“. Hippius und seine Mitstreiter ließen ihn umbauen und sprechen heute von einer „Mietlocation“. Öffentliche Partys finden dort fast gar nicht mehr statt.

Die Leute haben gefeiert, als wären sie aus dem Knast entlassen worden.

Gerlinde Vogl

„Wir machen zu 90 Prozent private Veranstaltungen“, sagt der Betreiber. Jubiläen, Geburtstage, Abschlussfeiern – der Gastronom bietet dazu Caterings an, das geht viel besser als reine Tanzveranstaltungen, die vom Getränkeumsatz leben. Für Oktober hat Hippius ein paar private Anfragen bekommen. Das grüne Licht der bayerischen Regierung spielt dafür keine Rolle, feiern in geschlossener Gesellschaft ist schon seit Längerem wieder erlaubt. Ein paar wenige öffentliche Abende könnten noch dazu kommen, sagt er. Manchmal hätten DJs im Buddha Club Cosmic-Sound aufgelegt. Und Radio-Moderatoren mieteten sich ein und spielten ihre Musik. „Ich würde mich selbst in einem Club, der komplett voll ist, noch nicht wieder wohlfühlen“, sagt Hippius. Er tendiere zur 2G-Regel, also dazu, nur Geimpfte und Genesene reinzulassen.

Mathias Scheffel von „H’ugo’s BeachClub“ an der Starnberger Seepromenade sieht das anders. Er findet es nicht sinnvoll, „jemanden auszugrenzen“. Groß darüber auslassen will er sich aber nicht: „Wir sind ja froh, dass wir überhaupt wieder etwas machen dürfen“, sagt er. Im „H’ugo’s“ gab es immer mal wieder zum Beispiel Ü30-Partys. Aktuell hat Scheffel noch keine Clubnächte geplant. Das gehe ja nur mit einem gewissen Vorlauf. Er kann sich durchaus vorstellen, noch etwas auf die Beine zu stellen. Den regelmäßigen Clubbetrieb wird es aber auch bei ihm nicht geben.

Etwas Hoffnung dürften Feierfreunden die Pläne im Forsthaus Mühlthal zwischen Starnberg und Gauting machen. Stefan Walter, einer der Betreiber, sagt, man bemühe sich um eine dauerhafte Genehmigung, um eines Tages öffentliche Partys, auch für junge Leute, anzubieten. Das hat er allerdings auch schon im Februar 2019 gesagt (wir berichteten). Doch während der Pandemie sei man dann mit anderem beschäftigt gewesen (Walter: „Wir haben sie bisher mit Ach und Krach und dank Corona-Hilfen überstanden“). Und zuletzt habe es wieder einen Termin mit dem Landratsamt wegen der nötigen Konzessionsänderung gegeben.

„Es ist schade, dass es so wenige Angebote im Landkreis gibt. Der Bedarf ist meiner Ansicht nach schon da“, sagt Walter. Der ehemalige Waldkeller im Mühltal heißt mittlerweile „U-124“. Dort und in den anderen Räumlichkeiten bleibt es aber vorerst noch bei privaten Feiern. Das gilt auch für die Stufenpartys der Schulen, die in geschlossenem Rahmen stattfinden würden.

Für Milan Kovac, Inhaber des Restaurants „Hazienda“ in Seefeld, waren die Partys vor Corona ein nettes Zubrot – auf das er sich nun wieder freut. Donnerstags kommen also bald wieder Gogo-Tänzerinnen und DJs für die Stammgäste. Am ersten Samstag im Monat soll es ab November wieder Mottopartys geben. Aber auch Kovac betont: „Wir sind noch unsicher, was wir dürfen und was nicht.“

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