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Wegen Corona: Massiver Personalmangel an Starnberger Klinikum ‒ „die Lage ist sehr angespannt“

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Von: Tobias Gmach

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Man lässt das Virus frei laufen, erwartet aber, dass die Kliniken coronafrei sind. Diese Doppelstrategie wird man nicht mehr lange durchhalten. Prof. Florian Krötz, Chefarzt am Starnberger Klinikum
„Man lässt das Virus frei laufen, erwartet aber, dass die Kliniken coronafrei sind. Diese Doppelstrategie wird man nicht mehr lange durchhalten“, sagt Prof. Florian Krötz, Chefarzt am Starnberger Klinikum. © SABINE JAKOBS

20 Prozent der Ärzte der Inneren Medizin am Klinikum Starnberg fallen wegen Corona aus. Laut Chefarzt Prof. Florian Krötz ist die Situation sehr angespannt.

Landkreis – Ganz zu schweigen von der Dunkelziffer, erreichte die Sieben-Tage-Inzidenz mit 2200 einen neuen Rekordwert in Bayern (der Kreis Starnberg lag mit 2353 sogar drüber). Und nicht nur die: Auch die Kliniken im Freistaat versorgten seit Beginn der Pandemie noch nie so viele corona-positive Patienten: rund 5100. Nur logisch also, dass derzeit auch enorm viele Ärzte und Pflegekräfte ausfallen.

Ein Paradebeispiel dafür ist in diesen Tagen das Klinikum Starnberg: In der Medizinischen Klinik, mit 113 Betten die größte Abteilung, fehlen regelmäßig 20 Prozent der Ärzte wegen Corona – also jeder fünfte. Das berichtet Pressesprecher Stefan Berger auf Nachfrage des Starnberger Merkur. Besorgniserregend klingt auch eine weitere Zahl: „Im Bereich der Pflege befinden sich seit etwa zwei Wochen immer rund 50 Mitarbeiter vorwiegend wegen Corona im Krankenstand“, meldet Berger.

Corona führt zu fehlendem Personal an Starnberger Klinikum: „Die Lage ist sehr angespannt“

Auch Prof. Florian Krötz, Chefarzt der Medizinischen Klinik, macht derzeit mehr Überstunden denn je, hilft in der Notaufnahme, nimmt Blut ab, übernimmt Erstuntersuchungen – Tätigkeiten, die normalerweise Assistenzärzte erledigen. Aushelfen und personelle Löcher stopfen ist im Klinikum keine Ausnahme mehr, sondern die Regel. „Wir sind voll funktionsfähig, betont Krötz, „aber die Lage ist sehr angespannt, es ist eine einzige Hin- und Herschieberei. Fast täglich kommen Corona-Krankmeldungen.“

Man lässt das Virus frei laufen, erwartet aber, dass die Kliniken coronafrei sind. Diese Doppelstrategie wird man nicht mehr lange durchhalten.

Prof. Florian Krötz

Politische Entscheidungen will der Chefarzt gar nicht so sehr kommentieren, mehr analysieren: „Man lässt das Virus frei laufen, erwartet aber, dass die Kliniken coronafrei sind. Diese Doppelstrategie wird man nicht mehr lange durchhalten.“ Mit „coronafrei“ verweist Krötz auf die 14 Infizierten, die gerade auf Normalstationen isoliert werden. Sie bringen den Klinik-Alltag ins Stocken, belegen Betten länger, weil sie größtenteils nicht wegen Corona da sind, aber wegen des positiven Tests nicht zu Untersuchungen gebracht werden.

Personalmangel an Starnberger Klinikum wegen Corona: „Ein Riesendruck entsteht“

Vor allem verweist Krötz aber auf den massiven Personalmangel: Erkrankte Ärzte dürfen sich zwar mittlerweile schon nach fünf Tagen freitesten. Voraussetzung für die Rückkehr ins Krankenhaus ist aber, dass sie seit 48 Stunden symptomfrei sind. „So einen Fall habe ich noch nicht einmal erlebt“, sagt der Chefarzt. „Die Leute sind de facto zehn Tage oder länger weg.“ Manchmal hätten infizierte Kollegen nur zwei bis drei Tage Symptome, ihre Tests seien aber 14 Tage lang positiv.

Krötz findet, die Politik könnte so langsam „ehrlich mit den Leuten sein“ und akzeptieren, dass auch in Krankenhäusern positiv getestete Kräfte arbeiten, wenn es nicht mehr anders geht. Er schlägt im Gespräch mit dem Merkur vor, Mitarbeiter nur noch bei Symptomen zu testen. „Ewig wird es so nicht mehr gehen. Andere machen viel mehr Überstunden. Ein Riesendruck entsteht.“ Seinen Ärzten will der Chefarzt keinen Druck machen. „Aber ich frage jeden Tag nach, wann ich wieder mit ihnen rechnen kann. Und ich habe auch schon Leute aus dem Urlaub zurückgeholt.“

Personal fehlt wegen Corona am Starnberger Klinikum: Betten werden gesperrt

Die Konsequenzen des Personalmangels zeigen sich derzeit im Starnberger Krankenhaus mal wieder eindrücklich: Einzelne Betten müssen gesperrt werden, die Klinik meldet sich immer wieder bei der Leitstelle von der Notfallversorgung ab. Deshalb wird in der Notaufnahme trotzdem kein Patient wieder heimgeschickt. Aber die Koordinatoren in Fürstenfeldbruck versuchen dann, etwa Unfallopfer woanders unterzubringen. Wenn es nicht klappt, kommt es zu „Zwangsbelegungen“. Nichts Außergewöhnliches mehr in der Pandemie.

Auch in anderen Kliniken im Landkreis ist die Personallage dieser Tage angespannt, wenn auch nicht so sehr wie in Starnberg. Die Lungenfachklinik in Gauting, die immer die meisten und derzeit fünf Corona-Patienten auf der Intensivstation versorgt, erfasst Fälle unter Mitarbeitern nicht systematisch. „Wir schätzen sechs Kollegen mit einer aktiven Covid-19-Infektion, vor zwei Wochen waren es circa 15“, berichtet Sprecherin Beatriz Parente Matschke. Sylke Will berichtet für das Tutzinger Benedictus-Krankenhaus recht allgemein: „Wir haben aktuell eine höhere Anzahl an Personalausfällen durch corona-positiv getestete Mitarbeiter in allen Berufsgruppen. Dies betrifft alle Bereiche unserer Klinik und schwankt täglich.“

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