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Corona-Sommerwelle im Anrollen

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Von: Michael Stürzer

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Corona-Tests sind nur noch bis Ende Juni kostenfrei
Die Corona-Fallzahlen steigen wieder. © Felix Schlikis / IMAGO

Die Corona-Fallzahlen steigen, nicht nur in den Daten des Robert-Koch-Instituts, sondern auch in den Kliniken im Landkreis. Zwar sind die Intensivstationen fast leer, verschwunden ist SARS-CoV-2 aber nicht – im Gegenteil, die nächste Welle rollt heran.

Landkreis – Eine Null ist positiv – für einen Fußballtorwart ebenso wie in der Corona-Pandemie für eine Intensivstation oder ein Gesundheitsamt. Zwar sank diese Woche die Zahl der Intensivpatienten tageweise auf null, doch trügt das – das Coronavirus ist alles andere als verschwunden. Die Fallzahlen steigen wieder, und das, obwohl sehr viel weniger getestet wird als noch vor einigen Wochen.

Die Lage allgemein

Dass die Fallzahlen steigen, ist jeden Tag beim RKI abzulesen – bundesweit, aber auch im Landkreis (die aktuellen Zahlen für den Landkreis finden Sie links in der Leiste). Gesundheitsamtsleiter Dr. Lorenz Schröfl sieht eine sechste Welle kommen, eine Sommerwelle – voriges Jahr gab es die nicht. Im Landkreis sei der Trend bisher verhaltener, aber „das kann nächste Woche schon ganz anders sein. Hoffen wir, dass die Welle nicht zu hoch ausfällt.“

Die Gründe liegen auf der Hand: Die Maßnahmen sind gelockert worden, es wird erheblich weniger getestet – das erhöht die Dunkelziffer und damit das Infektionsrisiko. So sieht es auch Prof. Florian Krötz, Chefarzt der Medizinischen Klinik in Starnberg. Schröfl erkennt Ursachen auch in den neuen Omikron-Subtypen BA4 und BA5, die ansteckender sind, aber offenbar nicht kranker machen. Das könnte, ausdrücklich könnte, ein Indiz sein, dass SARS-CoV-2 sich abschwächt und die Lage endemisch und nicht mehr pandemisch wird. Ob und wann das sein wird, weiß niemand.

Die Schwere der Erkrankungen nimmt im Grunde ab, was auf Impfungen und die hohe Zahl der Genesenen zurückgeführt wird. Schröfl bleibt vorsichtig, zu denken gibt ihm das Auftreten einer Sommerwelle. Er ist aber guter Dinge, dass man die Lage im Griff behalten und der Herbst nicht so schlimm wird, wie manche befürchten.

Nach wie vor sei jedem geraten, sich zu schützen und die vulnerablen Gruppen wie Senioren oder Säuglinge. Schröfl etwa trägt weiterhin FFP2-Masken beim Einkaufen oder bei Veranstaltungen. Manche trauten sich das aber nicht mehr. Impfen schützt nach wie vor, und „jede Impfung zählt“. Wann auf Omikron angepasste Impfstoffe verfügbar sind, ist aber weiterhin offen.

Lage in den Kliniken

Entspannt trifft es nicht ganz, auch wenn die Patientenzahl mit Covid-19, der Krankheit durch das Coronavirus, eher überschaubar ist. In den Starnberger Kliniken sind es etwa ein halbes Dutzend Patienten, bei Asklepios in Gauting als Schwerpunktklinik waren es Mitte der Woche zwei, von denen einer bald entlassen werden soll. Teils kommen die Patienten wegen Corona ins Krankenhaus, teils mit – und teils, weil die Infektion eine Versorgung etwa in Einrichtungen unmöglich macht. Am Freitag gab es einen Intensivpatienten – zu Hochzeiten der Pandemie waren es im Landkreis 22 (etwa im Januar 2021, Anfang 2022 waren es etwas weniger). Für die Krankenhäuser ist und bleibt Corona eine außerordentliche Belastung, wie etwa Prof. Florian Krötz betont.

Nach wie vor wird jeder Patient getestet, das Personal sowieso. Dabei stellt Krötz fest, dass die Fallzahlen wieder etwas ansteigen. Der Aufwand für die Isolierung positiv Getesteter ist hoch, auch wenn es derzeit keine ausgewiesene Corona-Station gibt, sondern Isolation in Zimmern. Das kann das Klinikum – wie jedes Krankenhaus – bei einem weiteren Ansteigen der Einweisungen auch jederzeit wieder ändern – man ist vorbereitet. Die zweite Notaufnahme, ein Container vor dem Klinikum, steht zwar noch, wird aber mangels Personal nicht betrieben.

Generell ist das Personal die Achillesferse: Auf Intensivstationen, sagt Krötz im Gespräch mit dem Starnberger Merkur, können 30 Prozent der vorhandenen Betten mangels Personal nicht betrieben werden. Auf Normalstation ist die Lage nicht ganz so dramatisch, weil man mit Hilfskräften und Leiharbeitern Lücken füllen kann. Krötz stellt sehr wohl fest, dass vor allem auf Stationen, die stark durch die Pandemie belastet waren, Personal abwandert: „Das machen die Leute irgendwann nicht mehr mit.“ Der Personalmangel führt weiterhin auch dazu, dass OP-Säle leer bleiben und Betten nicht belegt werden können. Der Mehraufwand durch Corona kommt aber in der Krankenhaus-Finanzierung nicht vor – das müsse aber die Politik klären.

In der Asklepios-Klinik Gauting ist man zum Regelprogramm zurückgekehrt. Operationen müssen nicht verschoben werden. Man hält aber Kapazitäten frei. Sprecherin Beatriz Parente Matschke: „Unsere Taskforce beobachtet das Geschehen weiterhin, sollte sich die Situation wieder zuspitzen, können wir flexibel und schnell zurück zum Plan von 2021 kehren. Von den strukturellen, hygienischen und materialtechnischen Anforderungen her sind wir vorbereitet. Die Personalsituation ist das entscheidende, aber auch schlechter planbare Kriterium.“ Das Personal reiche für die Planbetten, weitere Mitarbeiter seien zur Entlastung gesucht. Vor allem für Intensivstationen und OP-Pflege sei das schwierig.

Ähnlich ist es in den Benedictus-Krankenhäusern. Sprecherin Sylke Will erklärt: „Die personelle Situation ist, wie in anderen Branchen auch, herausfordernd. Wir können die medizinische und pflegerische Versorgung unserer Patienten jedoch vollumfänglich gewährleisten, sind also absolut betriebsbereit und aufnahmefähig. Darüber hinaus halten wir weiterhin Kapazitäten für Covid-Patienten vor. Aktuell kommen – in unterschiedlichem Ausmaß – immer mal wieder Patienten auf die Normalstation und vereinzelt auf die Intensivstation.“

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