Gesundheitlichen und ästhetischen Ansprüchen soll die Filteranlage der Firma Filtrontec gerecht werden, sagt Geschäftsführer Dr. Karl Dickels.  Fotos: Filtrontec GmbH
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Filtrontec-Geschäftsführer Dr. Karl Dickels.

Starnberger Firma bringt Filteranlage auf den Markt

Designerstück gegen Aerosole

  • Stephan Müller-Wendlandt
    vonStephan Müller-Wendlandt
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Die Starnberger Firma Filtrontec bringt eine Filteranlage auf den Markt, die Virenverbreitung in größeren Räumen stoppen soll.

Starnberg – Die Gefahr lauert in der Luft: Die derzeit größte Bedrohung für die Gesundheit der Menschheit weltweit ist das Coronavirus. Es wird vor allem durch Aerosole übertragen, in der Luft schwebende Partikel und Tröpfchen. Dazu gehört auch der Feinstaub. Das Unternehmen Filtrontec mit Sitz in Starnberg entwickelt seit mehr als 20 Jahren Filtersysteme zur Luftreinhaltung in Straßentunneln und anderen großen Bauwerken. Jetzt bringt es einen Luftfilter auf den Markt, der die Menschen in geschlossenen Räumen vor dem gefährlichen Virus schützen soll.

„amficab FV20“ heißt die Filteranlage, die Feinstaub sowie Viren und Bakterien aus der Raumluft im Umluftverfahren entfernt. Vorbestellungen nimmt Filtrontec seit Freitag, entgegen. Die ersten Anlagen sollen Mitte Februar ausgeliefert werden, bestätigt Geschäftsführer Dr. Karl Dickels (83). Das Starnberger Unternehmen hat den Umluftraumfilter gemeinsam mit der Gear7-Agentur und der Firma Vierhaus entwickelt. Der Raumluftfilter „amficab FV20“ ist ein 2,30 Meter hohes Möbel mit einer Grundfläche von knapp 60 Zentimetern. Die Raumluft durchströmt mehrere Filterstufen, in denen mittels Elektrostatik und UV-C-Licht Viren und Bakterien sowie andere Feinstaubpartikel beseitigt werden. In der abschließenden dritten Kammer bindet ein Aktivkohlefilter schlechte Gerüche und schädliche Gase aus der Raumluft. Eingesetzt werden sollen die Geräte in Firmen- und Hotel-Foyers, Geschäften, Arztpraxen, Versammlungs- und Sitzungsräumen, Großraumbüros, Klassenzimmern, Kantinen und Mensen und anderen geschlossen Räumen, wo Menschen sich treffen oder zufällig zusammenkommen. Der Starnberger Merkur sprach mit dem Filtrontec-Geschäftsführer.

Herr Dr. Dickels, Ihr Unternehmen hat sich auf die Entwicklung von gewaltigen Luftreinhaltungssystemen spezialisiert und damit den Weltmarkt erobert. Wer kam auf die Idee, sich mit, erlauben Sie den saloppen Ausdruck, „kleineren Brötchen“ zu beschäftigen?

Unsere Forschungs- und Entwicklungsabteilung beschäftigt sich seit Langem mit Filtern für andere Einsatzbereiche, und daraus ergab sich auch die aktuelle Anwendung. Weitere revolutionäre Produkte sind in Vorbereitung, worüber wir gerne zu gegebener Zeit noch mal ausführlich sprechen können. Da wir wussten, dass unsere Filter neben Gasen und Feinstaub auch Viren und Bakterien filtern können, setzten wir uns intensiver mit dem Thema auseinander. Ziel war es, einen hocheffizienten Filter in einem ansprechenden Design zu schaffen, kurzum ein Möbel zu entwerfen, das nicht sofort als Filter wahrgenommen wird und sich durch Ästhetik und Design in jeden Raum integrieren lässt und technisch den höchsten Ansprüchen an Filtertechnik genügt. Durch individuell gestaltbare Fronten passt sich unser Filter jeder Umgebung an.

Wann haben Sie und Ihre Partner mit der Entwicklung des Umluftraumfilters begonnen? Und war das Coronavirus der Auslöser?

Mit der Entwicklung des Prototyps haben wir im November 2020 begonnen und konnten mit Hilfe unserer Partner, Vierhaus und Gear 7, schnell Fortschritte erzielen. Dabei konnten wir auf die bewährten Grundlagen unserer großtechnischen Luftfilter zurückgreifen.

Gesundheitlichen und ästhetischen Ansprüchen soll die Filteranlage der Firma Filtrontec gerecht werden.

Wie hoch ist der Wirkungsgrad der Filteranlage?

Tests haben bereits stattgefunden und einen Gesamtwirkungsgrad von mehr als 99 Prozent bestätigt. Aufgrund unserer langjährigen Expertise im Bereich Filtertechnologie sind wir überzeugt, dass der „amficab FV20“ die ideale Wahl ist, wenn es um saubere Luft und Design geht. Durch die fünf Filterstufen des „amficab“ eliminieren wir nicht nur Feinstäube, sondern auch Aerosole, Krankheitserreger und gesundheitsschädliche Gase.

Ist der Wirkungsgrad im Labor getestet worden oder auch in der Praxis?

Unsere Raumluftfilter werden in unseren Büroräumen in Wolfen eingesetzt und auch bei einigen regionalen Gewerbetreibenden wie Zahnarztpraxen und Restaurants.

Wo wird der amficab hergestellt?

Die Raumfilter werden in Deutschland gefertigt. Mit der Firma Vierhaus haben wir einen starken Partner an unserer Seite, der mehr als 100 Jahre Erfahrung besitzt und in Deutschland fertigt, in Rees am Niederrhein. Das gebündelte Know-how unserer Partner und unsere Expertise im Bereich Filtertechnik stellen sicher, dass ein leistungsfähiger Filter angeboten wird, der effizient und wartungsarm ist und sich auch im ästhetischen Bereich deutlich von dem abhebt, was zurzeit auf dem Markt verfügbar ist.

Sie nennen als Einsatzorte für das Gerät geschlossene Räume, in denen sich größere Menschengruppen aufhalten. Wäre ein Einsatz der Filteranlage, vielleicht in abgespeckter Form, auch in privaten Häusern und Wohnungen denkbar und sinnvoll?

Natürlich kann der „amficab FV20“ auch in privaten Haushalten eingesetzt werden, um Gerüche, Feinstäube und Bakterien zu beseitigen, aber dafür gibt es andere Marktbegleiter, die sich auf diesem Gebiet spezialisiert haben. Wir sehen unseren Raumfilter eher in größeren öffentlichen Räumen und Einrichtungen, wie Sie auch schon selbst erwähnt haben, in denen größere Ansammlungen von einander fremden Personen stattfinden und auf Design Wert gelegt wird.

Was muss ein Kunde investieren, wenn er sich einen „amficab FV20“ anschaffen möchte?

Zur Markteinführung müssen etwa 6000 Euro pro Gerät investiert werden, wobei die jeweiligen Bundesländer und der Bund Förderprogramme für Raumluftfilter aufgelegt haben, die einen Teil der Kosten abdecken werden. Aufgrund der Langlebigkeit unseres Filters und der individuellen Gestaltbarkeit ist es eine einmalige Anschaffung.

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