Ausgangspunkt für die Stadtführungen ist immer am Starnberger Dampfersteg. Bei der diesjährigen Premiere begleiteten Stadtführer Martin Blütgen (l.) acht wetterfeste und interessierte Spaziergänger.
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Ausgangspunkt für die Stadtführungen ist immer am Starnberger Dampfersteg. Bei der diesjährigen Premiere begleiteten Stadtführer Martin Blütgen (l.) acht wetterfeste und interessierte Spaziergänger.

Tourismusverband Starnberg

Die erste Stadtführung der Saison

  • vonAstrid Amelungse-Kurth
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Der Starnberger Tourismusverband startet jetzt wieder mit Stadtführungen durch. Statt Sonnenschein und Bergblick gab es zum Saisonauftakt am Sonntag allerdings viel Regen und nasses Grau in Grau.

Starnberg – Sonntag vormittag, 11 Uhr. Am Seeufer warten sieben Unerschrockene unter bunten Regenschirmen am Treffpunkt Dampfersteg: Melanie und Philipp, zwei Studenten aus München, die Familie von Sascha Meyer-Dautrich aus Pöcking mit ihrem sechsjährigen Sohn David, Julian und Antonia Bader-Lang aus München, die bei Radio TOP FM Tickets gewonnen haben und als einzige Auswärtige und damit „richtige“ Touristin Beate Truck aus dem pfälzischen 5000-Seelen-Ort Freinsheim. Sie verbringt hier gerade ihren Urlaub. Buchheim-Museum, Andechs, Roseninsel, Ostufer-Erkundung, gutes Essen stehen auf dem Programm, vielleicht auch noch ein Tag in München und ein Besuch im Museum Starnberger See. Beate Truck ist trotz schlechten Wetters bester Stimmung und hat die ersten Tage sichtlich genossen.

Die acht Teilnehmer haben sich wetterfest angezogen und schauen entspannt aufs Wasser. „Eigentlich kann man von hier aus die Roseninsel und die Bergkette mit der Zugspitze sehen“, beginnt Stadtführer Martin Blütgen und erzählt vom Adel und den vielen Künstlern, die sich hier rund um den See niedergelassen haben und herrliche Villen erbauten, und von denen, die hier immer noch leben.

Schon ist die Gruppe am historischen Bahnhofsgebäude angelangt, das, wie erklärt wird, „im Maximilianstil“ gebaut wurde. „Der schöne alte Bahnhof! Den muss man doch pflegen!“, entfährt es der Pfälzerin, während alle durch die Fenster hindurch den königlichen Wartesaal bestaunen, oder das, was sie davon erhaschen können. Dass es ein Kabinett für den König, eines für die Königin und eines für Bedienstete und auch ein Türmchen am Bahnhofsgebäude gab, wird kommentarlos zur Kenntnis genommen, man wundert sich eher über Knochenberge im Inneren der Räume, bevor man erfährt, dass es sich dabei um eine Kunstinstallation handelt, weil die Räumlichkeiten von der Stadt als Kunstausstellungsfläche genutzt werden.

Dann geht es durch die Maximilianstraße. Die blühenden Kastanien werden einhellig bewundert, auch die vielen hübschen Details an den alten Villen. Balkone mit kunstvoll geschmiedeten Gittern oder Lüftlmalerei, hübsche Dachfirste und dann begegnet man auch noch dem Schuhmacher und Dichter Hans Sachs, der in seinen Wanderjahren durch Starnberg gekommen sein soll, dem Froschkönig in einem Jugendstilfenster des Schindlerhauses und etwas später beim Rundgang dem Wetterfrosch Jägerhuber in der ehemaligen Druckerei. Am Bayerischen Hof, dem ältesten Hotel Starnbergs erfährt man, dass Sisi hier auf den Anschluss nach Possenhofen gewartet hat und im Achheimviertel lenkt Martin Blütgen den Blick auf Kastenfenster, die als Kühlschrank dienten, die heiligen Katharina und den heiligen Johannes an Hausecken, auf verbaute historische Ofenkacheln an einer Fassade.

Auch in der St-Josefs-Kirche ist es nicht der Adel, über den hier erzählt wird, sondern eher Unspektakuläres. Stadtführer Blütgen begeistert die Gäste mit einem Fingerzeig auf ein verbrettertes Loch in der Kirchendecke, durch die der Heilige Geist auf die Kirchengemeinde kommen soll. Auch der Friedhof wird besucht, von dem man ebenso wie vom Schlossgarten wunderbar auf den See hinunterschauen kann. „Mei, is des schee“, ruft eine Teilnehmerin spontan aus beim Blick über die Dächer Starnbergs bis zum See.

Zum Schluss geht es durch den Burggraben durch Starnberg bis zum Kirchplatz mit St. Maria, dem Martin Blütgen als „reinem Zweckbau“ wenig Begeisterung abgewinnen kann. Dann ist die Gruppe schon wieder am Ausgangspunkt angelangt. Alle sind zufrieden und haben es genossen. Der Regen war überhaupt kein Thema.

Die Stadtführungen finden jeweils am 1. und 3. Sonntag von Mai bis Oktober statt. Treffpunkt immer um 11 Uhr an der Info-Stele am Dampfersteg. Dauer 1,5 bis 2 Stunden, Kosten 4 Euro für Erwachsene, 2 Euro für Kinder ab 10 Jahre, Kinder unter 10 Jahre sind frei. Keine Voranmeldung erforderlich.

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