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Chor, Orchester, Solisten – beim Konzert der „Musica Starnberg“ am Sonntag in St. Maria stimmte jedes Detail. 

Musica Starnberg

Ein riesiges Erlebnis in St. Maria

„Stabat mater“ alla grande: Mit veritabler Grandezza setzte am Sonntag die „Musica Starnberg“ die Kirchenmusik von Antonín Dvorák in Szene.

Starnberg – In der Stadtpfarrkirche St. Maria wurde an nichts gespart; Orchester und Chor entsprachen bei der „Stabat mater“ dem Maßstab einer großen Oper – wenn auch Dvoráks Uraufführung noch mehr Mitwirkende gehabt hatte.

Wenn trotz eines dämmrig-kalten Novemberabends die Innenstadt hoffnungslos zugeparkt ist und in St. Maria die Bänke voll besetzt sind, dann hat offenbar der gute Ruf der „Musica Starnberg“ gelockt – heuer mit „Stabat mater dolorosa“, zu deutsch: es stand die schmerzensreiche Mutter. Das 139 Jahre alte Werk ließ sogleich aufhorchen, trägt es doch bereits zu Beginn Ähnlichkeiten mit einer großen Oper. Beinahe nämlich ähnelt der Auftakt einer Ouvertüre, und so ließ sich gleich die Dimension des Orchesters ermessen, worin allein schon vier Hornisten spielten. Unter dem Dirigat von Ulli Schäfer unternahm das Ensemble wuchtige Abstürze in trauernde Tiefen: dieser Dramatik lauschte man atemlos.

Der beinahe 60-köpfige Chor stand in seiner Intensität nicht zurück. Erst choralartig niedergeschlagen, dann im gewaltigen Forte des Nicht-Fassen-Könnens, erscholl die Themenzeile. Musikalisch nur zart, aber doch unverkennbar, setzten zwischendurch Querflöten einen Hoffnungsschimmer: Dvorák hat nicht nur Trauer, sondern auch Vorausdeutungen von Heil in seinem 90-Minuten-Werk angelegt.

Unter den Gesangssolisten überzeugten besonders die „fast-einheimischen“ Sänger: Tenor Nikolaus Pfannkuch, ein gebürtiger Penzberger, brachte ernste Prägnanz zu Gehör. Ihm zur Seite fand die klare, kristallene Stimme der gebürtigen Gräfelfinger Sopranistin Judith Spiesser höchste Geltungskraft. Altistin Regine Jurda ergänzte passenden dunklen Schimmer. Bassbariton Thomas Hamberger offenbarte sich stimmschön, allerdings mit gedrosselter Kraft – vielleicht ja nur edle Zurückhaltung.

Die Punkte holte die Inszenierung in der Gemeinschaftsleistung. Fesselnd war, wie die Stimmen von Chor und Solisten sich verwoben und teilweise das Gefühl einer musikalischen Brandung erzeugten. Das war dicht, inspiriert und durchwegs auf den Punkt. Dazu gelang dem Orchester eine teils wagnerianische Dynamik.

Umso staunenswerter ließen sich in den späteren Abschnitten immer häufiger Einflüsse böhmischer Romantik hören. Auch dabei hatte Schäfer eine innere Identifikation der Musiker mit dem Sujet gezaubert: Dvoráks Andeutungen von Tänzen ließen den Chor beinahe in leichtes Schunkeln geraten, so präsent geriet die musikalische Hinwegnahme des Gedrücktseins. Unter Konzertmeisterin Angelika Besch stand dazu jede Instrumentengruppe leuchtend klar im Raum.

Und das Finale! Kaskadierende Einsätze der Stimmgruppen schienen einem nachgesungenen Festgeläut ähnlich, dann ein kurzer gregorianischer Rückgriff und schließlich verschiedene, glanzvolle Staffelungen des „Amen“ – so treffsicher und klar hört man die vielfältigen musikalischen Farben selten heraus. Es war ein großer Trost, den Dvorák anlegte, und ein riesiges Erlebnis, das die „Musica Starnberg“ mit ihrer makellosen Interpretation erschuf. Ausdauernder Beifall! Andreas Bretting

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