14 Jahrhunderte Starnberger Geschichte in einer Stunde: Dr. Christian Later (l.) erzählte während einer Führung zum Tag des offenen Denkmals Interessierten die Geschichte der ersten Starnberger Kirche.
+
14 Jahrhunderte Starnberger Geschichte in einer Stunde: Dr. Christian Later (l.) erzählte während einer Führung zum Tag des offenen Denkmals Interessierten die Geschichte der ersten Starnberger Kirche.

Tag des offenen Denkmals

Starnbergs erste Kirche - Führung durch die Überreste von St. Benedikt

  • Laura Forster
    VonLaura Forster
    schließen

Zum Tag des offenen Denkmals hatten gestern rund ein Dutzend Schlösser, Museen und Kirchen ihre Pforten geöffnet. Darunter auch die ehemalige Pfarrkirche St. Benedikt. Eine einmalige Chance für die Bürger mehr über die Geschichte der Stadt Starnberg zu erfahren.

Starnberg – Das diesjährige Motto „Sein & Schein“ beim Tag des offenen Denkmals, der gestern stattfand, ist laut Dr. Christian Later vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in der Archäologie eher schwer umsetzbar. „Bei der ehemaligen Pfarrkirche St. Benedikt in Starnberg passt das Motto aber gar nicht so schlecht“, sagte er. „Die ganzen Überreste der Kirchenmauer und Gräber sind nämlich mehr Schein als Sein. Es sind keine Originale, sondern Rekonstruktionen“, sagte Later und deutete auf die Steine am Boden. Rund acht Besucher lauschten während der Führung durch die ehemalige Kirche gespannt dem Vortrag des Archäologen.

2007 wurden die Überreste der ersten Kirche Starnbergs bei Bauarbeiten zufällig entdeckt. „Hier sollte ein Mehrfamilienhaus mit Tiefgarage gebaut werden“, erzählte Later. Der Bau wurde sofort gestoppt, es fand eine Notgrabung mit 15 Archäologen statt – darunter auch Christian Later. Was die Forscher fanden, war unglaublich. Vom 7. Jahrhundert bis zum Bau der St.-Josefs-Kirche 1764 befand sich auf dem Grundstück an der Possenhofener Straße die Pfarrkirche St. Benedikt. „Neben den Mauerüberresten haben wir 350 Gräber aus verschiedenen Jahrhunderten gefunden“, so der Archäologe. „Es war gar nicht so einfach die Skelette einer Zeit zuzuordnen, da viele Gräber beigabenlos waren. Mithilfe naturwissenschaftlicher Datierungsmethoden konnten wir feststellen, dass die ersten Personen um 700 bestattet wurden.“

Kirche wurde für bajuwarischen Adelsfamilie erbaut

Zu dieser Zeit wurde auch die schlichte Saalkirche als Eigenkirche einer bajuwarischen Adelsfamilie erbaut. Im 8. Jahrhundert ging die Kirche in den Besitz des Klosters Benediktbeuern über und wurde dem heiligen Benedikt geweiht. Zwei Jahrhunderte später wurden so viele Bestattungen durchgeführt, dass eine neue Kirche gebaut werden musste. „Die Toten wurden damals in recht kurzen Abschnitten übereinander begraben“, sagte Later. „Das ist aus unserer Sicht unorthodox und unappetitlich, aber das war damals gang und gäbe.“

Die Gemeindekirche, die um 1000 erbaut wurde, wurde im späten 14. Jahrhundert gegen einen Kirche im gotischen Stil ersetzt – mit einem Kirchturm und einer Seitenkapelle für Adlige. Sie existierte und war Starnbergs einzige Kirche bis die St.-Josefs-Kirche im 18. Jahrhundert gebaut wurde. „Die Neuzeit ist nicht so gut erfasst, da beim Bau einer Pension auf der anderen Straßenseite viel zerstört wurde“, weiß Later.

Rund eine Stunde gab der Archäologe sein Wissen über Starnbergs älteste Kirche preis, danach machten sich die interessierten Bürger auf den Weg zu weiteren Denkmälern im Landkreis. „Ich will mir noch das Mausoleum des Prinzen Karl von Bayern in Söcking anschauen“, sagte etwa die Starnbergerin Christina Argus. lf

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare