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In einem Schilfboot segelt Dominique Görlitz Anfang Juni über den Starnberger See. Foto: 

Bayerischer Yacht-Club

Experimentierfloß schippert über den See

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Der Archäologe Dominique Görlitz testet für eine Expedition im Schwarzen Meer ein Schilfboot. 

Starnberg – Wer demnächst ein großes Schilfboot auf dem Starnberger See segeln sieht, darf seinen Augen ruhig trauen. Denn am 6. und 7. Juni führt der Archäologe Dr. Dominique Görlitz (51) mit seinem Schilfboot „Dilmun S“ Segelexperimente auf dem See durch. Zwei Tage lang lädt der Wissenschaftler gemeinsam mit dem Bayerischen Yacht-Club (BYC) und Robert Stark von der Firma Marinepool Mitglieder und Gäste des BYC, sowie mögliche Projekt-Sponsoren zu den beiden Testfahrten ein. Die „Dilmun S“ wird am Mittwoch, 6. Juni, außerdem bei der Ausfahrt zur Mittwochsregatta an den Start gehen.

„Wir werden mit diesem Boot draußen sein. Die Passagiere sollen das Gefühl haben, in die Antike zurückzugehen“, sagt Stark, der mit seiner Firma Segelbekleidung entwirft. Zwei Vorträge des Archäologen Görlitz über seine Forschung runden die Veranstaltung ab.

Mit seiner Expedition „Abora“ will Görlitz beweisen, dass Menschen lange vor der Zivilisation des Altertums Ozeane als Handelswege nutzten. Dafür entwickelte er bereits drei Schilfboote, die nach dem Vorbild vorägyptischer Felsbilder gebaut wurden. Auch das Experimentierfloß „Dilmun S“ weist alle Fahreigenschaften eines vorzeitlichen Papyrusfloßes auf.

Görlitz erste große Schilfexpedition fand 1999 mit der „Abora I“ statt. Drei Jahre später startete der Forscher seine zweite Seereise mit einem Rundtörn im östlichen Mittelmeer. Mit der „Abora II“ konnte Görlitz erstmals in der Neuzeit dokumentieren, dass Schilfflöße sogar „kreuzen“, also quer und leicht gegen den Wind segeln können. Im Jahr 2007 startete Görlitz mit der „Abora III“ die erste Überquerung des Nordatlantiks. Die Seereise musst jedoch etwa 500 Seemeilen vor den Azoren wegen technischer Probleme beendet werden.

Mit seinem vierten Schilfboot, „Abora IV“, macht sich Görlitz ab Juni 2019 fünf Monate lang auf die Reise durch das Schwarze Meer. Bis dahin gibt es aber noch viel zu tun: Von August bis November dieses Jahres erntet Görlitz mit seiner Mannschaft Schilf in Bolivien. Wenn das Schilf geerntet ist, muss es trocknen, bevor es für den Schiffsbau verwendet werden kann. Den Schiffsrumpf und einige Aufbauten errichtet Görlitz in Bolivien. Im März nächsten Jahres wird das Floß nach Russland transportiert und dort fertiggestellt, damit es im Juni in See stechen kann. Von Sotschi aus geht es über Istanbul und Athen nach Kreta. Mit der Expedition will Görlitz beweisen, dass der Handel auch am Schwarzen Meer mittels Schilfbooten bereits zu prähistorischen Zeiten möglich war.

Die Versuchsfahrten mit der „Dilmun S“ vorab auf dem Starnberger See sind für das Projekt wichtig. Ziel der Versuche ist außerdem, Sponsoren für die Expedition zu finden. Bis Juli diesen Jahres ist Görlitz deshalb in ganz Deutschland unterwegs, um potenziellen Unterstützern das Projekt vorzustellen.

cia

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