Vor jeder Fahrstunde muss Thomas Schubert alles desinfizieren, was die Schüler anfassen. Foto: Andrea Jaksch
+
Vor jeder Fahrstunde muss Thomas Schubert alles desinfizieren, was die Schüler anfassen.

Fahrschulen in der Corona-Pandemie

Ohne Maske keine Fahrstunde

  • Michael Baumgärtner
    vonMichael Baumgärtner
    schließen

Corona beeinflusst auch den Betrieb der Fahrschulen massiv. Der Starnberger Fahrlehrer Thomas Schubert muss jede Menge Hygienemaßnahmen treffen.

Starnberg – „Ohne Mundschutz kommt mir keiner ins Auto“, sagt Thomas Schubert. Der Betreiber einer Starnberger Fahrschule kennt da kein Pardon. „Während der Fahrstunde im Auto können ja die eineinhalb Meter Abstand nicht eingehalten werden.“ Einmal musste Schubert einem Schüler sogar die Fahrstunde verweigern, weil der ein ärztliches Attest vorzeigte, das ihn angeblich aus gesundheitlichen Gründen vom Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes befreite.

Corona beeinflusst auch den Betrieb der Fahrschulen massiv. „Wir halten uns akribisch an alle Hygieneauflagen“, sagt Thomas Schubert. Der Vorsitzende der Fahrlehrer im Landkreis zählt eine ganze Latte an Maßnahmen auf, die er seit Ende des ersten Lockdowns im Mai treffen musste. Vor und nach jeder Schulfahrt werden im Fahrzeug sämtliche Gegenstände desinfiziert, die der Schüler anfassen muss. „Lenkrad, Blinkerhebel, Schalthebel, Türgriffe und so weiter. Da wirst gar nicht mehr fertig“, sagt Schubert. Auch Mund-Nase-Masken hält er stets für seine Kunden bereit, denn „es kommt immer wieder mal vor, dass einer seine Maske vergisst oder sie kaputt geht“. Außer Fahrlehrern, Prüfern und dem Schüler darf sich keine weitere Person mehr im Auto aufhalten. Es ist also – wie früher üblich – nicht mehr möglich, dass ein Fahrschüler auf seiner Übungsfahrt „einen anderen Schüler nach Hause fährt“, bedauert Schubert.

In seinem kleinen Schulungsraum an der Theresienstraße in Starnberg herrschen ebenso strenge Regeln. Normalerweise kann Schubert dort zwölf bis 20 Schüler unterrichten, „jetzt sind es nur noch maximal sechs“. Zu jeder Unterrichtsstunde müssen sich die Teilnehmer vorher online registrieren. Nach 45 Minuten Unterricht wird einmal kräftig durchgelüftet. Und wie bei der praktischen Fahrstunde müssen sich die Schüler vor jeder Theoriestunde mit den bereitgestellten Desinfektionsmitteln die Hände desinfizieren – auch Einmalhandschuhe stellt Schubert bei Bedarf zur Verfügung. Das alles verursacht natürlich zusätzliche Kosten, „so etwa 50 bis 80 Euro pro Monat“, schätzt Schubert, der mit fünf Autos, vier Motorrädern und einem Mofa schult. Für die Motorradausbildung benötigen die Fahrschüler einen eigenen Helm und eigene Schutzbekleidung.

Schubert kann nur an alle Fahrschüler appellieren, sich wie er „rigoros an die Regeln zu halten“. Von einem Kollegen weiß er beispielsweise, dass der für 14 Tage in Quarantäne musste und somit nicht arbeiten konnte, weil ein wissentlich infizierter Schüler trotz Quarantänepflicht seine Prüfungsfahrt absolviert hatte.

Unabhängig von Corona haben Schubert und seine Kollegen aber mit einem ganz anderen Problem zu kämpfen. „Wir Fahrschulen haben einen extremen Zulauf, und das deutschlandweit“, sagt Schubert. In seinem Unternehmen werden derzeit rund 200 Fahranfänger geschult, und das mit nur vier Fahrlehrern – „das funktioniert einfach nicht mehr“, meint der 49-Jährige. Allein als er beim ersten Lockdown, bei dem er zwei Monate lang überhaupt nicht schulen durfte, auf seiner Homepage ein Online-Anmeldesystem installiert hat, „sind 80 Leute dazugekommen“, erzählt Schubert. Und auch jetzt noch habe er wöchentlich rund 15 Anfragen. „Aber ich kann nicht mehr alle aufnehmen, wir arbeiten jetzt schon komplett durch“, sagt Schubert. Unter Umständen könne es mittlerweile ein Jahr dauern, bis man seinen Führerschein in der Tasche hat.

Woran liegt dieser Run auf die Fahrschulen? „Keine Ahnung, ich kann mir das nicht erklären“, sagt Schubert. Klar ist aber, dass es viel zu wenig Prüfungskapazitäten gibt. „Der TÜV hat einfach nicht genug Prüfer“, weiß Schubert. Die Wartezeiten werden immer länger, bis man einen Termin erhält. Und im nächsten Jahr wird sich laut Schubert dieser Zustand noch verschärfen, wenn die Prüfungsfahrten von 45 auf 55 Minuten verlängert werden. Das heißt automatisch: „Es gibt weniger Prüfplätze.“ Bei solchen Aussichten ist es nur das kleinere Problem, wenn man ohne Maske nicht ins Auto steigen darf.

Auch interessant

Kommentare