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Auf die prekäre Situation der Fitness-Studios machte gestern V ormittag Elke Hladik (Mitte), Betreiberin des Centers Fitness Pur in Starnberg, auf dem Kirchplatz aufmerksam. Landrat Stefan Frey (l.) und Starnbergs Vizebürgermeisterin Angelika Kammerl (r.) hörten sich die Sorgen der Unternehmerin an und zeigten Verständnis für die Forderung, endlich wieder öffnen zu dürfen. 

Corona-Lockerungen

Fitness-Studios können aufatmen

  • Michael Baumgärtner
    vonMichael Baumgärtner
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Ministerpräsident Markus Söder hat am Dienstag weitere Lockerungen der Corona-Maßnahmen in Bayern verkündet. Und diesmal wurde auch eine schwer getroffene Branche berücksichtigt: die Fitness-Studios. Denen „steht das Wasser mittlerweile bis zum Hals“, sagt Elke Hladik, Betreiberin des Starnberger Centers Fitness Pur.

Starnberg– Am Vormittag hatten Elke Hladik und ihr Sohn Mischa mit ihren Mitarbeitern noch am Kirchplatz protestiert. Seit Wochen hatten die Betreiber des Starnberger Centers Fitness Pur darauf gewartet, dass sie wieder öffnen dürfen. Doch bislang hatten sie stets vergeblich auf grünes Licht aus der Staatskanzlei gewartet. Bis gestern Mittag. Da verkündete Ministerpräsident Markus Söder, dass Fitness-Studios ab Montag, 8. Juni, auch in Bayern wieder öffnen dürfen. In allen anderen Bundesländern ist dies längst der Fall – außer in Baden-Württemberg, wo die Sporttempel ab kommenden Montag wieder den Betrieb aufnehmen dürfen.

„Ich bin todfroh über die Entscheidung“, sagte Elke Hladik, nachdem sie die freudige Nachricht erfahren hatte. „Auch wenn wir die genauen Auflagen noch nicht kennen, wir sind bestens gerüstet“, verspricht die 56-Jährige. Sie habe mit ihrem Team ein sicheres Hygieneschutzprogramm erstellt, „das in Deutschland seinesgleichen sucht“, hatte sie am Vormittag am Kirchplatz gesagt. In ihrem Studio stünden beispielsweise 14 Quadratmeter für jeden Trainierenden zur Verfügung, während in Nordrhein-Westfalen nur sieben gefordert seien.

Hinter ihr und ihrer Familie liegen harte Zeiten. „Bei uns ging es um die Existenz. Wenn wir zumachen müssen, ist unser Haus weg“, sagte Hladik. Rund 90 000 Euro an Beiträgen muss sie ihren noch 700 Mitgliedern rückerstatten, die in den vergangenen zwei Monaten nicht trainieren durften. 100 Kunden haben ihre Mitgliedschaft gekündigt („Ich bin da keinem böse, da habe ich vollstes Verständnis“), Neuverträge konnten natürlich nicht abgeschlossen werden. „Aber wir haben noch Glück, denn über 50 Prozent unserer Mitglieder zahlen noch. Außerdem kann ich ihnen die Rückgewährung nach und nach erstatten, und manche verzichten darauf“, sagte Hladik erleichtert. Zwei ihrer sechs festangestellten Mitarbeiter sind in Kurzarbeit, „die anderen vier habe ich voll weiterbezahlt“. Und auch alle anderen Kosten „laufen ja weiter“. All diese Belastungen hatte sie bislang aus Rücklagen bestritten, die ursprünglich für den Umbau des Studios angespart wurden. Sie und ihr Mann hatten die ehemalige, mittlerweile schon 38 Jahre alte Fitness-Oase an der Münchner Straße erst vor eineinhalb Jahren erworben.

„Was uns gefehlt hat, war eine klare Perspektive, wann wir wieder öffnen dürfen“, sagt Elke Hladik. „Wenn du ein konkretes Datum hast, dann kannst du auch durchhalten.“ Aber von der Politik seien „null Signale“ gekommen. Bis endlich gestern vom bayerischen Kabinett der 8. Juni als Wiedereröffnungstermin genannt wurde.

Auch Landrat Stefan Frey hatte sich mehrmals bei der Staatsregierung für die Belange der Fitness-Studios eingesetzt. „Ich sehe die prekäre Lage der Branche“, sagte er gestern am Kirchplatz. Mehrmals habe er die Staatskanzlei diesbezüglich kontaktiert und den Studiobetreibern geraten, „richtig Druck zu machen oder gar zu klagen“. Offenbar hat es gefruchtet.

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