Derbysieger: Richard Mamajewski (unten links) jubelte im Oktober 1983 nach dem 4:2 der SpVgg Starnberg gegen den Stadtrivalen FT 09.
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Derbysieger: Richard Mamajewski (unten links) jubelte im Oktober 1983 nach dem 4:2 der SpVgg Starnberg gegen den Stadtrivalen FT 09.

Fußball

Ex-Profi Richard Mamajewski heute Golflehrer und Griechenland-Fan

Er spielte Fußball beim FC Bayern, bei den Münchner Löwen und bei der SpVgg Unterhaching, später auch bei der SpVgg Starnberg. Heute ist Richard Mamajewski Golflehrer.

Starnberg – Es war schon eine kleine Sensation, als er im Sommer 1983 von Bayernligist SC Fürstenfeldbruck zum damaligen Fußball-Bezirksligisten SpVgg Starnberg kam. Schließlich hatte Richard Mamajewski (heute 65) in seiner Vita den FC Bayern, 1860 München und die SpVgg Unterhaching stehen. Er hatte unter Trainer-Legenden wie Dettmar Cramer und Udo Latteck gearbeitet und als Bayern-Profi mit Stars wie Franz Beckenbauer und Karl-Heinz Rummenigge trainiert, elfmal für die deutsche Jugend-Nationalmannschaft und auch beim belgischen Erstligisten SK Lierse gespielt. Heute ist er Golflehrer in Pähl und betreibt immer noch eine kleine Fensterreinigungsfirma in Söcking, wo er nach seinem SpVgg-Gastspiel fünf Jahre als Spielertrainer tätig war.

Zurück in den Sommer 1983. Da rüstete die SpVgg ordentlich auf – alles für den Aufstieg in die Landesliga. Mit Rudi Zeiser, dem Meister-Löwen von 1966 (im Februar 1993 tödlich auf dem Bahngleis verunglückt), wurde ein erfahrener Ex-Profi als Trainer geholt, der Sturm mit dem Allacher Torjäger Joe Schuster und die Defensive mit dem gebürtigen Söckinger Mamajewski verstärkt. Mäzen Horst Manger, der Sohn des Olympiasiegers von 1936 im Gewichtheben, Josef Manger, war es, der „Mama“ mithilfe von Manager Dieter Königbauer und Präsident Dr. Gerd Wernekke zur SpVgg holte. „Ich hatte nach 69 Zweitligaspielen für den MTV Ingolstadt und dem Dreivierteljahr in Lierse mit 26 meine Profikarriere beendet, bevor ich noch ein paar Monate unter Peter Grosser für Haching und dann unter Trainer Horst Pohl für Fürstenfeldbruck spielte“, sagt Mamajewski.

Danach ging’s zurück in die Heimat zur SpVgg: „Wir waren immer auf dem Sprung in die Landesliga, aber am Ende hat es knapp nicht gereicht“, erinnert sich der Ex-Profi (wurde er mit 18), der schon als Zehnjähriger mehrmals die Woche allein mit dem Zug von Söcking an die Säbener Straße zum Bayern-Training fuhr und auf jede Menge Spiele im Grünwalder Stadion zurückblicken kann: „Dort haben wir regelmäßig mit den D-Schülern das Vorspiel der Bundesliga-Mannschaft bestritten und später auch im Olympiastadion vor den Europacup-Spielen gespielt.“

Dass er selbst, immer tatkräftig von Vater Hans unterstützt, den ganz großen Durchbruch in die Bundesliga nicht schaffte, lag zum einen an der übermächtigen Konkurrenz mit vielen Nationalspielern und Weltstars im Team der Bayern, aber auch immer wieder an Verletzungen zur Unzeit. Die schlimmste: Der Schien- und Wadenbeinbruch im August 1976 beim Freundschaftsspiel in Nördlingen und damit Saisonende nach nur drei Zweitligaspielen für 1860. Bundesliga-Aufstieg verpasst und dann unter Heinz Lucas im Oberhaus nicht mehr zum Zug gekommen: „Eine blöde Zeit.“

Mit seiner Frau Evelyn geht Richard Mamajewski gerne in die Berge und fährt jedes Jahr nach Griechenland.

Bei der SpVgg Starnberg war nach knapp zwei Jahren Schluss. Das Ende: ein mords Knall. „Mama mag nicht mehr“, schrieb Reporter-Legende August E. Mehr Anfang Mai 1985 im Starnberger Merkur. Was war passiert? Trainer Lothar Böhm, der Nachfolger des wegen vereinsschädigender Äußerungen („Die Verantwortlichen verstehen nichts vom Fußball“) nach zwei Spieltagen der Saison 1984/85 gefeuerten Rudi Zeiser, wollte Mamajewski im vorentscheidenden Spiel um Platz zwei in Milbertshofen auf die Ersatzbank setzen, gab dem jungen Peter Nippert (heißt heute Peter Krumm) den Vorzug. „Ich habe zu Böhm gesagt: Das sehe ich nicht ein, ich habe gut trainiert. Dann habe ich sofort die Segel gestrichen und mich anschließend voll auf mein Sport-Studium konzentriert“, erzählt der spätere Physiotherapeut, der nach kurzer Fußball-Pause noch ein halbes Jahr bei Gartenstadt Trudering in der Landesliga aushalf. Trainer Bernd Patzke hatte ihn zu diesem Comeback überredet.

Ich glaube, die ganz große Zeit des Amateurfußballs ist vorbei. Kein Geld, keine Zuschauer, kein Nachwuchs.

Richard Mamajewski

Im Dezember 1986 bot ihm dann B-Klassist SV Söcking einen Job als Spielertrainer an. Mamajewski sagte zu und blieb fünf Jahre, bis zum November 1991. Da erfolgte eine Trennung im beiderseitigen Einvernehmen. „Im Nachhinein betrachtet hab ich’s übertrieben“, gibt er heute zu. „Dreimal Training war für einen B-Klassisten einfach zu viel verlangt.“ Bis 1995 kickte er noch in der AH, dann war endgültig Schluss mit Fußball (und Tennis): „Mama“ tauschte den großen mit dem kleinen, weißen Ball, spielt seither nur noch Golf. Heute ist er staatlich geprüfter Sportlehrer, der Golfunterricht (Jugendkurse, Schnuppertraining, Einzelunterricht) im GC Hohenpähl erteilt.

Richard Mamajewski arbeitet als Golflehrer im GC Hohenpähl.

Er putzt bei „Mamas Fensterrreinigung“ selbst, ist Fan jeglicher Wasser-Sportart, fährt mit seiner Frau Evelyn, mit der er seit 41 Jahren zusammen ist, gerne in die Berge zum Mountainbiken oder mit einer seiner drei Ducati-Motorräder durchs Oberland. „Ich kann mir meine Zeit selbst einteilen und genieße meine Freiheit“ verrät Mamajewski, der seit dem Studium schon Griechenland-Fan ist. Seit vielen Jahren geht’s in den Wintermonaten (außer in diesem Corona-Jahr) mit Wohnmobil, Bikes, Surfbrett und Gelände-Motorrad zu den Hellenen, seit zehn Jahren auf die Peloponnes „nachdem wir alle Inseln abgeklappert haben“.

Was die Zukunft des „kleinen“ Fußballs betrifft, malt der ehemalige Profi übrigens ein ziemlich düsteres Bild. Und das gar nicht mal in erster Linie wegen Corona: „Ich glaube, die ganz große Zeit des Amateurfußballs ist vorbei. Kein Geld, keine Zuschauer, kein Nachwuchs – und kaum noch Idealisten, die Zeit und Geld in ihre Vereine investieren. So, wie es einst Rudi Hack in Starnberg gemacht hat.“

Thomas Ernstberger

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