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Ende der Galerie Unartig - Weiteres Starnberger Geschäft schließt

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Von: Laura Forster

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Frech und erotisch beschreibt Heidi Roschat die Bilder und Skulpturen, die sie in ihrer Galerie Unartig ausstellt. Bis Ende April muss der Laden jedoch geräumt sein. Die Starnbergerin kann sich die Miete nicht mehr leisten.
Frech und erotisch beschreibt Heidi Roschat die Bilder und Skulpturen, die sie in ihrer Galerie Unartig ausstellt. Bis Ende April muss der Laden jedoch geräumt sein. Die Starnbergerin kann sich die Miete nicht mehr leisten. © Andrea jaksch

Nun hat es den nächsten Laden in Starnberg getroffen: Heidi Roschat muss Ende April ihre Kunstgalerie Unartig an der Hanfelder Straße schließen. Die Mieterhöhung um 500 Euro ist für die 67-Jährige nicht mehr bezahlbar. Corona hat sie ausbeutelt.

Starnberg – Noch ist jede Ecke der Galerie Unartig im Pavillon an der Hanfelder Straße in Starnberg mit Bildern, Skulpturen und kleinen Geschenken vollgestellt. Ein hautfarbener Stuhl mit Frauenbeinen und High Heels steht vor dem Fenster, gezeichnete Bilder mit nackten Körpern hängen an der Wand und im Regal stehen verschiedene Bronzeskulpturen. In wenigen Wochen müssen die Schätze jedoch weg sein – entweder verkauft, eingelagert oder in einem neuen Laden aufgestellt. Heidi Roschat (67), Inhaberin der Galerie, muss ihr Herzensprojekt aufgeben. Die Miete, die der neue Hauseigentümer verlangt, kann sich die 67-Jährige nicht mehr leisten.

„Das ist einfach nur grausam“, sagt Roschat, die die Galerie vor vier Jahren eröffnet hat. „Im August haben meine Vermieter die Pavillons an einen Investor verkauft. Kurz darauf flatterte ein Brief bei mir ins Haus.“ Der Inhalt: Roschats Vertag laufe Ende April aus, sie könne jedoch einen neuen Vertag unterschreiben. Dieser sei jedoch an Bedingungen geknüpft, außerdem steige die monatliche Miete um 500 Euro. „Ich hätte den Pavillon renovieren, die Markisen erneuern und die Fenster streichen müssen. Da sind schnell 10 000 bis 15 000 Euro weg“, sagt die Starnbergerin. Geld, dass sie derzeit nicht hat. Außerdem verlange der neue Eigentümer die Begleichung von rund 7000 Euro Mietschulden. „Während Corona haben mir die vorherigen Vermieter einen Mieterlass gegeben“, sagt Roschat. „Ich habe ja einige Monate gar keinen Umsatz gemacht. Diese Kosten verlangt der Investor jetzt wohl von mir.“

Galerie-Inhaberin Heidi Roschat erinnert sich noch an Anfangszeit im Pavillon

Mehrere Male hat Heidi Roschat versucht, mit dem neuen Eigentümer Kontakt aufzunehmen, ihn in ihre Galerie eingeladen und um ein Entgegenkommen gebeten. „Es ist weder jemand vorbeikommen, noch wurde versucht, eine Lösung zu finden. 200 bis 300 Euro mehr Miete im Monat hätte ich noch irgendwie stemmen können, aber 500 Euro sind nicht möglich. Es ist wichtig, dass ich mich finanziell nicht übernehme und extra einen Kredit aufnehme.“

Gerne hätte die 67-Jährige die Galerie noch ein paar Jahre weiter geführt. „Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich eröffnet habe“, sagt sie. Sie hatte gerade ihre Karriere als Psychotherapeutin beendet und wollte etwas Künstlerisches und Kreatives machen. „Mein Ruhestand sollte nicht auch von Problemen anderer Leute behaftet sein. Ich habe mich schon immer für Kunst interessiert und durch meinen ehemaligen Lebensgefährten, einen Galerist in München, tiefere Einblicke bekommen.“

Anfangs seien die Starnberger etwas spektisch gegenüber den ausgestellten Skulpturen und Bildern gewesen. „Es war einigen zu frech und erotisch“, sagt Roschat. Mit der Zeit sei das Interesse an der kleinen Galerie jedoch gestiegen. „Ich habe einige Stammkunden, die sogar aus Weilheim und von weiter weg kommen“, sagt die 67-Jährige, die auch Werke von Künstlern aus der Region ausstellt. „Immer, wenn Leute in meinen Laden kommen oder ins Schaufenster schauen und schmunzeln, geht mein Herz auf.“ Vor allem das Fachsimpeln mit Kunden und Kunstliebhabern wird Heidi Roschat fehlen. „Ich liebe den Austausch mit anderen.“

Roschat wünscht sich Nachfolger für Galerie Unartig in Starnberg

Wie genau es nun weitergeht, da ist sich die Starnbergerin noch nicht sicher. Fest steht jedoch, sie kann die Galerie im Pavillon nicht halten. „Entweder ich finde bezahlbare Räume, was eher unwahrscheinlich ist, oder ich beginne nun mit dem Ausverkauf und lagere den Rest ein.“ Eine dritte Möglichkeit, die ihr am liebsten wäre, ist ein neuer Mieter, der die Galerie weiterführt. „Wenn ein begeisterter Kunstfan das Geschäft übernehmen würde, wäre das toll.“ Vor allem im Hinblick auf das Ladensterben in Starnberg.

Nach dem Familienunternehmen Schuh Linse und der Galerie Schwarzmann wäre das Unartig das dritte Geschäft innerhalb kurzer Zeit, das schließt. „Es ist schade, dass in Starnberg so viel leer steht“, sagt Heidi Roschat. „Das ist nicht attraktiv und gibt keinen Reiz zum Einkaufen.“ Sie wünscht sich, dass die Stadt sich ein Beispiel an Weilheim nimmt. „Da gibt es viele kleine Cafés und Boutiquen.“  lf

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