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Starnberg hat eine neue Revierförsterin

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Von: Stefan Reich

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Erkundet mit Freude ihr neues Revier: Lisa Schubert hat in den vergangenen zwei Monaten einen Eindruck von den Besonderheiten der Starnberger Wälder bekommen.
Erkundet mit Freude ihr neues Revier: Lisa Schubert hat in den vergangenen zwei Monaten einen Eindruck von den Besonderheiten der Starnberger Wälder bekommen. © Tobias Haase

Seit wenigen Wochen ist Försterin Lisa Schubert (33) Ansprechpartnerin des Forstamtes für Waldbesitzer im südlichen Landkreis. Auch für die Bewirtschaftung der Wälder der Stadt Starnberg ist sie zuständig.

Starnberg – Familiär vorbelastet sei sie nicht, sagt Lisa Schubert. Mit Wald und Forst hatte sie als Jugendliche wenig zu tun. Sie wollte umwelteffizientes Planen und Bauen studieren. „Dann habe ich eine Vorlesung über Forstwissenschaft angehört und wusste sofort: Das will ich machen.“ Und jetzt, mit 33 Jahren, ist sie weiter überzeugt, dass das so richtig war.

Lisa Schubert ist die neue Leiterin des Forstreviers Starnberg. Für das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Weilheim betreut sie seit Juni die Wälder auf dem Gebiet der Stadt Starnberg und der Gemeinden Berg, Pöcking, Inning und Seefeld. Zuvor war sie sieben Jahre lang Revierleiterin im Landkreis Dachau. Ihre Hauptaufgabe ist die Beratung der Waldbesitzer. Und im Wald sei sie „sozusagen auch die Polizistin“. Forstbeamte dürfen unter bestimmten Umständen auch polizeiliche Maßnahmen durchführen, sofern sie dem Forstschutz dienen – beispielsweise, um Brandstiftung oder Umweltverschmutzung zu unterbinden. Die Waldbewirtschaftung selbst – also Bäume pflanzen, fällen und verkaufen – übernimmt Schubert für die 160 Hektar Wald der Stadt Starnberg.

In den vergangenen zwei Monaten hat sie schon einen Eindruck von den Besonderheiten ihres Reviers bekommen. „Die Erholungsfunktion des Waldes spielt hier natürlich eine besondere Rolle“, sagt sie. „Die Erwartungshaltung der Leute ist dabei sehr hoch.“ Nicht immer sei Verständnis da, wenn ein Weg wegen Baumfällarbeiten mal gesperrt sei. „Dabei gibt es viele Wege nur, weil der Wald bewirtschaftet wird.“

Der Kontakt mit den Waldbesitzern mache ihr große Freude, sagt sie. In ihrem neuen Revier sind es viele, mit meist kleinen Flächen. Zwei Hektar gehören ihnen im Durchschnitt. Kaum einer muss davon leben. Dennoch kümmerten sich die meisten mit Freude und Stolz um ihre Bäume, sagt Schubert. Auch von Schäden durch Stürme und Borkenkäfer ließen sie sich nicht entmutigen, auch nicht von den hohen Erwartungen, die an sie gestellt würden.

Begeistert ist die Försterin auch von der eiszeitlich geprägten Landschaft im Landkreis. „Die vielen kleinen Seen in den Toteislöchern sind wunderschön, fast jeden Tag entdecke ich neue Lieblingsplätze. Dann setzte ich mich auch mal fünf Minuten hin und genieße. Oder ich klappe meinen Laptop auf und erledige Arbeit, die ich sonst im Büro im Forstamt in Hausen machen würde.“

Den Wald nur als Idyll zu betrachten, den man möglichst sich selbst überlässt, liegt Schubert aber fern. Dass viele Menschen das anders sehen, stört sie. „Man will viele natürliche Produkte aus Holz, aber möglichst keine Bäume fällen“, sagt sie.

Fichtenplantagen sind aber auch nicht ihr Ideal. „Die entstanden in Nachkriegszeiten, als Geld und Arbeitskräfte fehlten, der Hunger nach Bauholz aber groß war. Dass wir diese Wälder jetzt mit Blick auf den Klimawandel zukunftsfest machen müssen, ist im Bewusstsein der meisten Waldbesitzer verankert.“ Schubert ist nicht nur Försterin, Jägerin und Nebenerwerbslandwirtin. Sie ist inzwischen auch selbst Waldbesitzerin. Nahe ihrem Wohnort Wessobrunn konnte sie ein paar Hektar erwerben. Sie plädiert für „naturnahe Waldbewirtschaftung“. Wenn sich an einem Standort von alleine die Buche ansame, helfe man eben ihr, zu wachsen. Das spare auch Zeit und Geld.

Und doch habe jeder Waldbesitzer eigene Ziele. „Hier helfe ich, Lösungen zu finden“, erklärt Schubert. „Einer ist Imker und will blühende Baumarten. Ein anderer wohnt weiter weg und will einen pflegeleichten Wald“ So schaffe die Keinteiligkeit des Waldbesitzes um Starnberg reizvolle Vielfalt.

Die Wälder überlebensfähig zu halten, wird in Zukunft eine Herausforderung, sagt Schubert. Gegen den Klimawandel aber einfach weniger Holz zu ernten, hält sie für eine falsche Rechnung. „In Deutschland wird weniger Holz geschlagen als wächst. Dafür importieren wir Lerche für Terassenmöbel. Unser CO2-Fußabdruck wird so nur ausgelagert.“ Bewusstsein für diese Themen zu schaffen, gehört für Schubert auch zu ihrer Arbeit. Für Interessierte bietet sie abendliche Waldspaziergänge an, etwa am Dienstag, 23. August, von 18 bis 20 Uhr unter dem Motto „Klimabretter sind Klimaretter“. Treffpunkt ist an der Mehrzweckhalle in Wangen.

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