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Hohe Fallzahl im Landkreis Starnberg: Not im Gesundheitsamt

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Von: Tobias Gmach

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Computer-Illustration von Corona-Viren.
Das Coronavirus breitet sich im Landkreis wieder aus. © Science Photo Library via www.imago-images.de

Wegen der steigenden Corona-Zahlen herrscht Personalnot im Starnberger Gesundheitsamt. Das Landratsamt bittet die Regierung von Oberbayern und die Bundeswehr um Hilfe. Jede Menge Arbeit machen gerade die vielen Neuinfektionen in Schulen und Kindergärten, die sich in Familien fortsetzen.

Landkreis – „Die rödeln ordentlich“, sagte Landratsamtssprecher Stefan Diebl gestern, konfrontiert mit einer Anfrage des Starnberger Merkurs. Er meinte die Mitarbeiter des Gesundheitsamts. Wegen der vielen Covid-Neuinfektionen brauche es zusätzliche personelle Unterstützung. „Die Mitarbeiter können das auf Dauer nicht weiter leisten“, so Diebl. Und da im Gegensatz zu den früheren Lockdowns das reguläre Tagesgeschäft im Landratsamt vollumfänglich bedient werden müsse, „bestehen intern keine weitere Ressourcen zur Verstärkung der Kontaktpersonennachverfolgung und der Unterstützung unserer Corona-Hotline“. Erschwerend komme hinzu, dass auch einige weitere Stellen im Gesundheitsamt noch unbesetzt sind. Deshalb versucht der Landkreis, über die Regierung von Oberbayern eine Aufstockung des Personals zu erreichen. „Darüber hinaus befinden wir uns im Austausch mit weiteren Behörden, wie beispielsweise der Bundeswehr, um im Wege der Amtshilfe um Unterstützung zu bitten“, ließ Diebl wissen. Vor ziemlich genau einem Jahr hatten Bundeswehr und Polizei schon mal ausgeholfen.

Innerhalb von nicht einmal zwei Wochen hat sich die Inzidenz im Landkreis mehr als verdoppelt. Gefragt nach den Ansteckungswegen sagt der Amtssprecher: „Infektionen in Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen wie Kindergarten, Krippe oder Hort haben einen erheblichen Anteil am allgemeinen Infektionsgeschehen.“ Besonders betroffen seien die Altersklassen, für die noch keine Impfung zugelassen ist – also die unter Zwölfjährigen. Diebl weiter: „Die Infektionskette setzt sich von dort in den Familien fort – nicht selten sind ganze Familienverbände betroffen.“ Darüber hinaus lägen keine Kenntnisse über besondere Ansteckungswege vor.

Impfquote im Landkreis Starnberg bei 70 Prozent

Ob der Infizierte geimpft ist oder nicht, wird bei der Kontaktverfolgung abgefragt. Aber: „Eine kontinuierliche statistische Auswertung kann derzeit personell bei gestiegenen Fallzahlen nicht geleistet werden“, sagt Diebl. Das gelte auch für die Schwere der Krankheitsverläufe. Diese unbefriedigenden Infos für die Öffentlichkeit kann man als weiteren Hinweis auf die Personalnot im Gesundheitsamt interpretieren.

Die Impfquote im Landkreis (basierend auf der Einwohnerzahl) liegt derzeit bei rund 70 Prozent. Etwa 3650 Menschen haben bereits die dritte Spritze bekommen, 1100 vom BRK-Impfzentrum und seinen mobilen Teams, der Rest von den Hausärzten. Das BRK hält sich an Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) und führt die Auffrischungsimpfungen erst sechs Monate nach Erhalt der Zweitimpfung durch. Dem Vernehmen nach impfen manche Ärzte aber schon mal etwas früher. Dr. Bernhard Junge-Hülsing, Ärztlicher Koordinator des Landkreises, findet das nicht problematisch: „Wenn nur fünf Monate vergangen sind, halte ich das für vollkommen vertretbar nach Aufklärung und in gemeinsamer Entscheidung mit dem Impfwilligen“, sagt er.

Grundsätzlich sei eine Immunantwort immer besser, wenn man eine dritte Impfung habe. „Wir haben auch keinen Impfstoffmangel mehr“, betont Junge-Hülsing. Die Impfung könne übrigens sehr gut mit der Grippeimpfung verabreicht werden. Wie die Stiko empfiehlt der Arzt besonders vulnerablen Gruppen, über 70-Jährigen, Vorerkrankten, Menschen in Pflege, mit viel Patienten- oder Kundenkontakt und Lehrkräften die sogenannte Booster-Impfung. Landratsamtssprecher Diebl ergänzt noch „Personen mit einer Immundefizienz“ – also Menschen, bei denen der Impfstoff kaum wirkt oder die Wirkung besonders schnell nachlässt. Sie können die Auffrischung schon nach vier Wochen bekommen – genau wie jene, die eine Dosis des Janssen- beziehungsweise Johnson & Johnson-Impfstoffes erhalten haben.

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