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Eingang in den Central-Wan Chai Bypass: Der kürzlich eröffnete Tunnel in Hongkong ist fast vier Kilometer lang.

Beteiligt an Milliardenprojekt

So säubert eine Starnberger Firma die Luft Hongkongs

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Die leistungsstärkste Luftreinigungsanlage der Welt hat eine Starnberger Firma gebaut – in einem sechsspurigen Tunnel in Hongkong. Seit wenigen Tagen filtert sie Feinstaub und Stickoxide aus dem Central-Wan Chai Bypass. Das Unternehmen hatte sich auch über den Starnberger B 2-Tunnel erkundigt.

Starnberg – Dr. Karl Dickels hat sein Büro dort, wo früher im Starnberger Stadtteil Percha ein Einrichtungshaus war. Im Untergeschoss dieses verwinkelten Gebäudes an der Enzianstraße sitzt die Firma Filtrontec. Sie spielt eine entscheidende Rolle bei einem Milliarden-Projekt in Hongkong. Dickels ist als einer der Geschäftsführer alleine hier, der Rest des kleinen Unternehmens arbeitet in Sachsen-Anhalt. Nach der Gründung im Jahr 2000 verlagerte Filtrontecdie Technikabteilung in den Chemie-Park Bitterfeld-Wolfen. „Wir haben dort mehr Platz, niedrigere Mieten und qualifizierteres Personal vorgefunden. Hier werden viele gute Leute ja von BMW oder MAN abgesaugt“, sagt Dickels.

Absaugen und filtern, damit kennt sich Dickels’ Firma aus. Soeben hat sie die leistungsstärkste Luftreinigungsanlage der Welt installiert – laut offiziellen Angaben der Regierung von Hongkong. Dort ist seit 20. Januar der Central-Wan Chai Bypass für den Verkehr freigegeben: ein sechsspuriger, fast vier Kilometer langer Tunnel auf Hongkong Island. Vor einem Jahrzehnt genehmigt, kostet das Projekt nun wohl rund 4,6 Milliarden US-Dollar.

Feinstoffpartikel-Filter im Bauzustand: Einblick in den Untergrund von Hongkong Island.

„Saubere Luft durch neue Verbindung“: So bewirbt die Regierung den Tunnel auf dem offiziellen News-Kanal im Internet. Mehr als fünf Millionen Kubikmeter an Abgasen würden pro Stunde aus den beiden Röhren gefiltert. Und hier kommt Filtrontec ins Spiel: Deren acht Filteranlagen sind auf drei Gebäude verteilt. „Die Abluftfilter scheiden 90 Prozent des Feinstaubs und 80 Prozent des Stickstoffdioxids ab. Die Luft, die dann nach draußen abgelassen wird, ist sauberer als die in der Umgebung“, sagt Dickels.

Für den Starnberger ist es das bisher größte Projekt seit der Firmengründung vor 19 Jahren. Und weitere Aufträge in dieser Liga sind laut dem Geschäftsführer in China greifbar. Auch in Sydney und Madrid war das Unternehmen bereits in großen Röhren tätig.

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Eine solche ist bekanntlich auch unter Starnberg geplant. Ein Filtersystem ist für den B 2-Tunnel aber nicht vorgesehen. Die abgesaugte Luft soll über einen zehn Meter hohen Abluftkamin am Schlossberg ohne vorherige Reinigung entsorgt werden. Karl Dickel stört das: „Der Dreck kommt ja wieder runter“, sagt er.

Er wird „unschädlich verdünnt“: So formuliert es Herwig Ludwig, Projektleiter beim Staatlichen Bauamt Weilheim. Der Kamin blase die Luft 70 bis 100 Meter in die Höhe. „Westwinde tragen sie dann aus dem Stadtgebiet.“ Die Partikel würden weiträumig verteilt und lägen somit in wesentlich geringerer Konzentration vor. Davon abgesehen bestehe kein Bedarf. „Die Abgasgrenzwerte werden auch ohne eine Filteranlage unterschritten“, sagt Ludwig.

Mit Filtrontec war das Straßenbauamt mehrmals im Gespräch. Es habe sich aber herausgestellt, dass der Betrieb der Anlagen sehr teuer sei. Geschäftsführer Dickel möchte öffentlich nicht über Geldsummen sprechen. Hundertprozentig ausgeschlossen sind Filter im Starnberger Tunnel aber nicht. Im Kamin ist Platz für eine eventuelle Nachrüstung vorgesehen.

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