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Hunde sollen außerhalb von Ortschaften an die Leine - fordern die Starnberger Jäger (Symbolbild). 

Zum Schutz der Wildtiere

Mehrere Fälle gerissener Rehe - Jäger fordern: Hunde sollen außerhalb von Ortschaften an die Leine

Die Kreisjägerschaft Starnberg fordert einen Leinenzwang für Hunde in der freien Natur während des Frühjahrs. Denn: In der jüngeren Vergangenheit haben Hunde immer wieder Rehe gerissen.

Landkreis – Zwischen 1. April und 15. Juli sollen Hunde außerhalb geschlossener Ortschaften künftig an der Leine laufen müssen. Das fordert Hartwig Görtler, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Starnberg. Ein solcher Leinenzwang wäre „realer Naturschutz, der keinen Cent kostet“. Hintergrund ist die so genannte Brut- und Setzzeit, in der Bodenbrüter ihre Gelege auf Wiesen und Feldern besetzen, Rehe ihre Kitze aufziehen, Hasen heranwachsen – und das Volksbegehren zum Artenschutz, das genau in dieser Zeit Landwirten teilweise verbietet, die Wiesen zu mähen und walzen. Mithin diene der Leinenzwang nur dem Schutz dieser Tiere, die unter laufenden Störungen leiden.

Hunde sollen an die Leine: „Es heißt auch Hundehalter und nicht Hunde-Loslasser“

Görtler hält es für „vollkommen absurd“, dass Landwirte eingeschränkt werden sollen, Hundehalter, Mountainbiker und andere aber nicht. Deswegen sei der Leinenzwang außerhalb geschlossener Ortschaften nötig, sagte er bei der Hegeschau am Samstag auf Gut Rieden unter Beifall der Jäger. Das verfassungsmäßige Recht, die Natur zu nutzen, gelte für Menschen, nicht automatisch für Hunde oder Pferde. Der Mensch sei nicht das Problem, da Spaziergänger kaum die Wege verließen. „Es heißt auch Hundehalter und nicht Hunde-Loslasser“, sagte er. Die Jäger sind seit Jahren nicht gut zu sprechen auf manche Hundehalter, zumal gerade in jüngerer Zeit mehrfach Rehe durch frei laufende Hunde gerissen worden waren. Die Jäger haben alle selbst Hunde, die jedoch entsprechend ausgebildet sind und folgen. Manch normaler Hundehalter unterschätzt Görtlers Ansicht nach die Urtriebe des Tieres für die Jagd.

Stärkere Kooperation: Imker Hubert Dietrich mit Markus Ortner, Kreisjägerschaftschef Hartwig Görtler und Jäger Peter Karl (mit einem Keilergebiss, v.l.).

Einen solchen Leinenzwang können die Gemeinden für ihr Gebiet erlassen, der Landkreis oder die Regierung von Oberbayern. Bisher war die Bereitschaft der Gemeinden dazu eher gering, im Landratsamt war es nie Thema. Görtler kann sich das erklären: „Das kostet Wählerstimmen.“ Aber durch das Volksbegehren Bienenschutz sei die Bevölkerung sensibilisiert wie noch nie. Andere Bundesländer haben den Leinenzwang in dieser Zeit per Gesetz verhängt.

Das Volksbegehren allerdings finden die Jäger und viele Landwirte nicht so toll. Görtler glaubt, viele hätten nur die Überschriften gelesen und nicht realisiert, dass die nun anstehenden Regelungen auch „Garten und Hecken betreffen“, also das direkte Umfeld. Jeder Eigentümer sei in der Pflicht, nicht nur Landwirte und Waldbesitzer. Es sei aber auffällig, dass viele große SUV zu den Eintragungszeiten vor den Rathäusern gestanden hätten, gab Görtler die Einschätzung einer Bürgermeisterin wieder.

Neue Initiative beim Schwarzwild

Die Jäger hingegen praktizierten schon immer Naturschutz. Streuobstwiesen gebe es und Blühwiesen, zusammen mehrere hundert Hektar im Landkreis. Verstärkt hat die Kreisjägerschaft ihre Zusammenarbeit mit Imkern – Bio-Imker Hubert Dietrich hatte eigens Utensilien mitgebracht. Görtler rief einen Wettbewerb aus: Wer Beispiele seiner Aktivitäten der Jägerschaft zusende, können Blühwiesen-Saatgut gewinnen.

Vizelandrat Georg Scheitz nutzte die Hegeschau, um eine Initiative in Sachen Schwarzwildbekämpfung zu starten: Noch vor der Sommerpause will er einen Runden Tisch zum Wildschwein-Problem einberufen. „Wir müssen uns auf eine Richtung einigen“, sagte er in Richtung Landwirte und Jäger, die sich über die Wege zur Bestandsreduzierung – unter anderem wegen der Afrikanischen Schweinepest (ASP) – nicht einig sind. Die Landwirte fordern weiter eine verstärkte Jagd. 2018/2019 wurden im Landkreis 666 Wildschweine erlegt oder überfahren – deutlich weniger als im Jagdjahr davor. Die genauen Gründe sind unklar, Schwankungen normal.

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