Gestalten das Kino zum Verkaufsraum um (v.l.): Schreiner Stephan Huber, Stephanie Pietsch (Mode & Kunst), Dorien Meima (Startups & More), Kunstschmied Jörg Euteneuer und Petra Brüderl (Kulturarbeit Stadt Starnberg). Foto: A. Jaksch
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Gestalten das Kino zum Verkaufsraum um (v.l.): Schreiner Stephan Huber, Stephanie Pietsch (Mode & Kunst), Dorien Meima (Startups & More), Kunstschmied Jörg Euteneuer und Petra Brüderl (Kulturarbeit Stadt Starnberg).

Kino Breitwand als Verkaufsfläche

„Pop-Up statt Popcorn“

  • Katja Brenner
    vonKatja Brenner
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Im vorübergehend geschlossenen Starnberger Kino Breitwand entsteht ein so genannter Pop-UP-Store - ein Laden, in dem Künstler ihre Werke verkaufen können. Wegen des Lockdown kann das Geschäft aber erst im Januar öffnen.

Starnberg – Die Schaufenster sind dekoriert, drinnen laufen die letzten Vorbereitungen. Zwischendurch klopft es immer mal wieder an der Scheibe, Passanten wollen wissen, was im wegen der Corona-Pandemie geschlossenen Kino Breitwand denn gerade so vor sich geht. Die Erklärung hat Petra Brüderl, Leiterin des Starnberger Kulturreferates, parat, die im Foyer selbst mit Hand anlegt. Das vorübergehend geschlossene Kino wird unter dem Motto „Pop-Up statt Popcorn“ zum Pop-Up-Store. Wie lange? Voraussichtlich bis zu dem Zeitpunkt, an dem kulturelle Einrichtungen wieder öffnen dürfen.

Normalerweise entstehen Pop-Up-Stores in Läden, die ohnehin leerstehen. Für die temporäre Nutzung des Kinos hat sich Brüderl direkt an dessen Betreiber Matthias Helwig gewandt. Tische und Stühle im Kinofoyer sind einem sieben Meter langen Tisch gewichen, der als Ausstellungsfläche dienen soll. Gebaut hat den bewusst und passend zum Gesamtkonzept als Provisorium gestalteten Holztisch der Starnberger Schreiner und Projektplaner Stephan Huber, der zusammen mit seinem Produktdesigner-Kollegen Toni Baumann unter dem Namen „Astreinhochzwei“ eine Werkstatt an der Hanfelderstraße betreibt. „Er hat den Raum für uns nutzbar gemacht“, sagt Jörg Euteneuer, Schmied aus Unterbrunn, der sich mit Huber um die Umbauten im Kino kümmert. Das war gar nicht so einfach, denn Huber kannte manche der Mitaussteller und deren Arbeiten nicht. Dritter im Bunde bei der Umgestaltung: Tom Lugo, mit seiner Band Jamaram Kulturpreisträger des Landkreises, der die künstlerische Beschriftung der Schaufenster übernimmt. In dem neuen Pop-Up-Store sind Arbeiten von insgesamt zehn Ausstellern zu sehen.

Huber und Euteneuer halfen nicht nur bei der Verwandlung des Kinofoyers zum Pop-Up-Store, sie stellen wie Lugo dort auch aus. Das, was sie verkaufen, passt gut zusammen, obwohl die beiden sich nicht abgesprochen haben. Euteneuer präsentiert mit seinen handgeschmiedeten Eisenpfannen „alles rund um Braten, Kochen, Essen“, vom „Astreinhochzwei“-Team gibt es unter anderem stylishe Kochlöffel und Pfeffermühlen. Die Herrschinger Holzbildhauerin Katharina Haebler ist froh, das Kinofoyer als Verkaufsfläche zu haben. „Wenigstens klappt das“, sagt sie, die ihre geschnitzten Figuren normalerweise auf Christkindlmärken verkauft. Das Weihnachtsgeschäft sei jedes Jahr sehr wichtig für sie.

Der Pop-Up-Store ist nicht nur Teil der Standortförderung der Stadt, mit dem gleichzeitig die Kulturbranche unterstützt wird, er soll auch „Mut machen für das nächste Jahr“, sagt Kulturreferentin Brüderl. Der Standort sei optimal. „Das Kino ist ein wichtiger Kulturraum in der Stadt und hat eine gute Anbindung.“ Brüderl hofft, dass das Beispiel an so zentraler Stelle Schule macht. Es soll „Hemmschwellen abbauen“, sagt sie, sodass sich mehr Inhaber leer stehender oder zeitweise geschlossener Einrichtungen trauen, „eine Zwischennutzung für zwei, drei Wochen anzugehen“. Wer Interesse hat, kann sich per E-Mail unter standortfoerderung@starnberg.de bei der Stadtverwaltung melden.

Welche anderen Orte als Pop-Up-Stores ihr vorschweben, möchte Brüderl nicht in der Zeitung lesen, um die Betroffenen nicht unter Zugzwang zu setzen. „Wir haben einiges im Kopf“, sagt Brüderl. Wir, das ist in diesem Fall sie und ihre Kollegin Sarah Buckel, im Rathaus zuständig für die Standortförderung. Gerade im Bereich der derzeit ebenfalls geschlossenen Gastronomie sei einiges möglich.

Eigentlich sollte der Pop-Up-Store schon dieser Tage öffnen. Wegen der aktuellen Entwicklungen und dem am gestrigen Sonntag von der Politik verkündeten harten Lockdown (ab Mittwoch müssen sämtliche Geschäfte bis 10. Januar schließen) soll der Shop-Betrieb jedoch erst im Januar aufgenommen werden. Es gibt aber schon jetzt die Möglichkeit, die Waren zu kaufen. Alle ausstellenden Künstler und Kunsthandwerker präsentieren ihre Werke im Schaufenster, samt ihrer Kontaktdaten. Zum Teil sind die ausgestellten Produkte mit QR-Codes versehen. Dass für den Verkauf noch nicht geöffnet werden kann, stellt auch die Gestalter des Raums vor neue Herausforderungen. „Jetzt müssen wir uns auf die Außenwirkung beschränken“, so Schmied Euteneuer.

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