Massenkarambolage mit 17 Autos - 18 Menschen verletzt

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Nicht auf der Spur von Pokemons, sondern von akustischen Eindrücken: Die Teilnehmerinnen des Geräuschspaziergangs mit Regisseurin Sandra Trostel (2.v.l.).

Fünf-Seen-Filmfestival

Starnberg klingt eigentlich ganz nett

Starnberg - Es ist eine Premiere. Und sie ist irgendwie schräg und schön gleichermaßen: In Starnberg fand gestern ein Geräuschspaziergang statt. Was das ist? Wir wussten es auch nicht – und sind mitgegangen.

Treffpunkt ist um 11 Uhr im Kino Breitwand in Starnberg. Die Veranstaltung zählt zu den Randterminen des Fünf-Seen-Filmfestivals. Sandra Trostel kommt aus Hamburg, sie hat am Abend zuvor ihren Film „Everybody’s Cage“ über den Musiker John Milton Cage jr. (1912-1992) vorgestellt, im ausverkauften Kino. Ihren anschließenden „Sound Walk“ hat sie schon in New York, in Barcelona und in Linz veranstaltet, überall dort, wo sie ihren Film gezeigt hat. In Linz hat auch Festivalleiter Matthias Helwig ihr Projekt entdeckt – und sie sofort zum Festival eingeladen.

15 Teilnehmer können mitgehen, wir sind an diesem sonnigen Vormittag nur fünf. Kein Problem. Wir duzen uns gleich, Nachnamen interessieren nicht, „Heute hören wir uns Starnberg an“, sagt die 40-jährige Regisseurin, die in ihrem Jumpsuit ausschaut wie 30. Über den Zufall legen wir eine Route mit insgesamt fünf Standorten fest. Von jedem wollen wir etwas mitnehmen: Tonaufnahmen, Fotos, Filme. Aus dem gesammelten Material erstellt Sandra Trostel dann eine digitale Karte, die als Teil einer Online-Ausstellung im Netz zu sehen sein wird. Wir sind gespannt.

Am glitzernden See, neben der Strandbar, ist die erste Station. Wir lauschen. Bässe wummern, das Wasser plätschert, die S-Bahn dröhnt, Passanten murmeln. „Wenn wir uns aufs Hören konzentrieren, finden wir eine andere Wahrnehmung von uns selbst und unserer Umgebung“, sagt Trostel. Es geht im Sinne Cages um Zufall, um die völlige Absichtslosigkeit des eigenen Tuns. Herrje, wer gönnt sich sowas heute noch? Wir stellen außerdem fest: Geplagt vom Lärm haben wir das Hören ausgeblendet. Dabei klingt Starnberg eigentlich ganz nett irgendwie.

B2 dröhnt, Schaukel quietscht

Der Zufall will es, das eine von uns, Eva, genau an diesem ersten Punkt einst ihren Mann kennengelernt hat. Das gefällt uns natürlich. Wo mag uns der Zufall noch hintreiben? Vom Undosa aus wandern wir über den Almeidaweg hinauf und landen beim Montessori-Kinderhaus am Heimstättenweg. In der Nähe dröhnt der Verkehr auf der B 2, eine Schaukel quietscht. Wir hören Kinderstimmen.

Wir kreuzen die B 2, erreichen über den schnöden Aldi-Parkplatz den idyllischen Siebenquellenweg.Wir hören immer noch Starnbergs Verkehr, lauter noch Wasserplätschern, das Blubbern der Fischteiche und das Summen der Mücken. Es folgen Lauschpausen beim Hirschanger, in der Wassersportsiedlung und erneut am See. Der Zufall hat dem Grüppchen einen Spaziergang zu Starbergs schönsten Ecken beschert.

Vier Stunden hat Sandra Trostel ausgegeben für ihren „Sound Walk“. Auf dem Weg macht sich Entspannung breit. Was für ein Luxus: am helllichten Tag vom Zufall geführt durch eine Stadt schlendern und lauschen. Ein bisschen mehr steckt dann aber doch dahinter. Die Buddhisten bezeichnen den Geist als restless monkey, also rastlosen Affen. „Ich hoffe, Euer „restless monkey“ kommt zur Ruhe“, sagt Sandra Trostel, und hat selbst längst die Ruhe weg. Hanna von Prittwitz

Mehr Infos: www.sandratrostel.de

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