Nach acht Stunden Fahrt erwarteten neun Helfer des Roten Kreuzes Goran Strbac (2.v.l.) und die anderen Fahrer in Majur. Hauptorganisator Ante Ledic (Mitte) reiste von Zagreb an. Fotos: Goran Strbac
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Nach acht Stunden Fahrt erwarteten neun Helfer des Roten Kreuzes Goran Strbac (2.v.l.) und die anderen Fahrer in Majur. Hauptorganisator Ante Ledic (Mitte) reiste von Zagreb an.

Erdbebenhilfe für Kroatien

Tränen des Glücks nach dem Schrecken des Erdbebens

Keine fünf Tage ist es her, dass Goran Strbac (32) losfuhr, um Spenden in seine vom Erdbeben erschütterte Heimat Kroatien zu bringen. Am Wochenende kehrte er nach Starnberg zurück und berichtete dem Starnberger Merkur von seinem Aufenthalt im Erdbebengebiet.

Starnberg/Majur – An Silvester hatte der Gasthof in der Au eine Spendenaktion gestartet: 3000 Liter Wasser, 6000 Masken, Kleidung, Nahrung und Pflegeprodukte kamen zusammen (wir berichteten). Mit Kleintransportern fuhren Strbac und weitere Fahrer die Güter an Neujahr nach Majur, einem kleinen Ort nahe seiner Heimatstadt Sisak. Dort erwarteten sie Helfer des Roten Kreuzes. „Sie waren glücklich und überwältigt. Manche sind in Tränen ausgebrochen“, berichtet Goran Strbac.

In Kroatien gibt es derzeit weder eine Test- noch eine Quarantänepflicht, dennoch musste Strbac jeden Transporter mit Namen und Nummernschild anmelden. Dies erlaubte ihm einen Aufenthalt von 72 Stunden in Kroatien. Bis zum Abend halfen alle zusammen, um die Spenden am Sammelpunkt auszuladen. Auch Anwohner gliederten sich in die Kette ein. „Es war schön zu sehen, wie sehr sie sich über kleine Dinge freuen“, erzählt Strbac. „Da sieht man mal, wie gut es uns allen geht.“

So sieht es in Goran Strbacs Heimatstadt Sisak aus: Die Trümmer eines durch das Erdbeben eingestürzten Hauses bedecken ein Fahrzeug, das an einer Straße steht.

Die Nacht verbrachte er in einem Hotel in der Nähe von Majur. Wegen der Pandemie seien alle Hotels geschlossen, deshalb sei dort Platz für Helfer und Menschen ohne Zuhause. „Es ist überwältigend, wie viele zusammenhelfen“, erzählt Strbac. Während sich die Fahrer aus Deutschland ausruhten, begannen die kroatischen Ehrenamtlichen bereits in der Nacht, die Spenden zu sortieren. „Ich denke, unsere Güter helfen mindestens 100 Familien weiter“, sagt Strbac. Am Folgetag fuhr der Kroate zurück nach Starnberg. Das Rote Kreuz verteilte die Spenden.

Erste Hilfsgüter: Wasser, Masken, Kleidung, Nahrung und Pflegeprodukte.

Auch wenn es ihn glücklich macht, helfen zu können, ist Strbac geschockt von den Bildern aus seiner Heimat. „Die Leute sind psychisch belastet“, sagt er. „Zum Beispiel hat ein Kollege beim Ausladen die Tür stärker zugeschlagen und ein Ehepaar ist zusammengezuckt.“ Andere würden ständig weinen. „Aber es gibt auch die, die schnell wieder Fuß fassen wollen, die helfen und schon wieder bauen.“

Bis zum Abend schafften es die insgesamt 25 Helfer, alle Spenden auszuladen.

Damit zerstörte Häuser schnellstmöglich wiederaufgebaut werden können, bittet Strbac erneut um Hilfe. Bis Sonntag könne man Spenden zum Gasthof in der Au (Josef-Jägerhuber-Straße 15) bringen, nächste Woche will er wieder ins Krisengebiet fahren. Kleidung werde nicht mehr benötigt, dafür Baumaterial und Werkzeug: „Alles, womit man ein Haus flicken kann.“ Außerdem seien Taschenlampen, Zelte, Schlafsäcke, Stromaggregate sowie Dosen, Decken, Babynahrung und Windeln wichtig.  

Vanessa Lange

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