Seit dieser Saison fährt Laura-Marie Geissler für Lechner Racing im Porsche-Cup. Ihr großer Durchbruch als Rennfahrerin.
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Seit dieser Saison fährt Laura-Marie Geissler für Lechner Racing im Porsche-Cup. Ihr großer Durchbruch als Rennfahrerin.

Motorsport

Laura-Marie Geissler fährt den Männern auf und davon

  • Laura Forster
    VonLaura Forster
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Laura-Marie Geissler aus Starnberg liebt den Adrenalinkick. Regelmäßig brettert sie mit 230 km/h in die Kurven großer Rennstrecken. Als Frau in der von Männern dominierten Szene ernst genommen zu werden, ist nicht einfach. Doch das ist nicht die einzige Hürde, die die 23-Jährige nehmen muss.

Starnberg – Ihre Nägel schimmern türkisblau, die grünen Augen sind perfekt geschminkt, um ihren Hals hängt eine glitzernde Kette, die blonden Haare hat Laura-Marie Geissler zu einem Dutt gebunden. Nur ein Tattoo auf ihrem rechten Handgelenk verrät ihre Begeisterung für den Motorsport: eine filigran gestochene Gangschaltung ziert ihre Haut. „Das habe ich mir machen lassen, als klar war, dass ich all meine Energie in den Rennsport stecken will“, sagt Laura-Marie Geissler.

Fünf Jahre hat es gedauert, bis die 23-Jährige Fuß in der Szene gefasst hat. Diese Saison fährt sie das erste Mal beim Porsche-Cup mit, einer Rennserie mit Starts in ganz Europa – als einzige Frau. Bei ihrem ersten Rennen im österreichischen Spielberg Anfang Juni gewann sie die Sprintserie, in der Langstrecke fuhr sie auf Rang drei. „Am Anfang finden die Männer noch cool, was ich mache“, sagt Geissler. „Wenn sie jedoch gegen mich verlieren, kommen oft Sprüche wie: ,Dein Auto war schneller‘ oder ,Du hattest bessere Reifen‘. Da sind einige in ihrem Stolz gekränkt.“

Nicht nur mit dem gekränkten Stolz einiger Rennfahrer muss sich die Psychologiestudentin herumschlagen, ein großes Problem ist auch die Sponsorensuche. Alleine könnte sie ihren Traum nicht finanzieren. Der 430 PS starke und 200 000 Euro teure Porsche 718 Cayman GT4, den die 23-Jährige derzeit fährt, gehört ihren Unterstützern. Trainings finden nur in ihrem Zimmer am Rennsimulator statt, für Probefahrten auf der Rennbahn reicht das Geld nicht. „Nach dem letzten Start mussten 50 000 Euro in den Wagen investiert werden.“

Geld ist das A und O im Motorsport. Deshalb sind Netzwerke wie die Stiftung See-Salon so wichtig, die sich diese Woche auch mit Laura-Marie Geissler der Öffentlichkeit präsentierte (wir berichteten). „Am Anfang bin ich jedes Wochenende mit meinem Privatauto auf die Nordschleife gefahren, nur um Kontakte zu knüpfen“, sagt Geissler.

Erstes Rennen, erster Platz: Mit ihrem Porsche 718 Cayman GT4 (l.) siegte Geissler in der Sprintserie. 

Das erste Mal saß sie mit zehn Jahren in einem Kart. Seitdem gibt es für sie keinen schöneren Ort als hinter dem Lenkrad. Während der zurückliegenden Jahre konnte die Starnbergerin auf die Unterstützung ihrer Eltern zählen. „Auch wenn meine Mama immer die Augen schließt, wenn ich in den Rennwagen steige.“

Deutschlands jüngste Helikopterpilotin will Laura-Marie Geissler auch werden. Noch fehlen ihr 30 Flugstunden. 

Dass der Sport nicht ganz ungefährlich ist, musste sie auch schon erfahren. „Ich habe mir schon mehrmals die Schulter ausgekugelt und auch schon ein paar Rippen gebrochen“, sagt sie. „Angst habe ich während einem Rennen nie, da bin ich wie im Tunnel.“ Das flaue Gefühl im Magen kommt erst, wenn sie die Sirenen des Rettungswagens hört und denkt: Der könnte auch wegen mir kommen. „Es ist halt doch ein Extremsport, aber ich liebe den Kick, das Freiheitsgefühl.“

Bald rast Laura-Marie Geissler nicht nur über den Boden, sondern auch durch die Luft. Gerade ist sie dabei, Deutschlands jüngste Helikopterpilotin zu werden. 30 Flugstunden fehlen ihr noch bis zum Schein. „Ich mag es einfach, bis an meine Grenzen zu gehen.“ Geisslers Ziel ist es nicht, einmal in der Formel 1 zu fahren. Sie will Frauen den Weg in den Motorsport ebnen. „Noch ist es als Frau schwer“, sagt sie. Selbst den Rennanzug muss sie sich maßanfertigen lassen, ihre Größe wird von den Herstellern nicht produziert. Ein Unding, findet Geissler, denn: „Motorsport ist der einzige Sport, in dem Frauen und Männer die gleichen Chancen haben.“

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