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Der Segler und sein Sportgerät: In einer abenteuerlichen 30-stündigen Fahrt hat Micki Liebl das gebraucht gekaufte Boot von Barcelona nach Starnberg auf das Gelände des Münchner Yacht-Clubs gebracht, um es renntauglich zu machen.

Einhandsegeln

Micki Liebls Traum vom großen Segel-Abenteuer

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Rund einen Monat lang völlig auf sich allein gestellt auf hoher See: Micki Liebl vom Münchner Yacht-Club will sich dieser außergewöhnlichen Herausforderung stellen. Der 54 Jahre alte Unternehmer plant, 2023 an der Mini-Transat, einer Einhand-Regatta quer über den Atlantik von Frankreich bis nach Martinique zu segeln.

Starnberg – Seit seiner frühen Kindheit ist Michael „Micki“ Liebl leidenschaftlicher Segler. Der Teammanager der Bundesligamannschaft des Münchner Yacht-Clubs hat schon viele Regatten erfolgreich bestritten, unter anderem war er 2009 internationaler Deutscher Meister im H-Boot, auf dem er anschließend noch zweimal DM-Bronze holte. Aber er hat noch einen unerfüllten Traum: einmal ganz alleine auf einem Boot über den Ozean zu segeln. Diesen Traum möchte Liebl wahr werden lassen. 2023 will er an der Mini-Transat teilnehmen, einer Regatta für Einhandsegler von La Rochelle (Frankreich) bis zur Karibikinsel Martinique auf einem nur 6,50 Meter langen Boot.

In zwei Etappen von Frankreich nach Martinique

„Die größte Herausforderung ist das Mentale“, sagt Liebl. In zwei Etappen ist der Segler bei dieser weltweit größten Einhand-Transatlantikregatta auf offener See ganz auf sich alleine gestellt. Zunächst geht es in etwa sieben bis zehn Tagen 1350 Seemeilen von La Rochelle bis zur Zwischenstation Las Palmals auf Gran Canaria. Anschließend müssen die rund 90 Teilnehmer noch weitere 2700 Seemeilen bis nach Martinique bewältigen – und das komplett ohne Kontakt zur Außenwelt. Handy oder Funkgerät sind verboten. „Ich weiß noch nicht, ob ich dazu in der Lage sein werde. Aber wenn ich es nicht versuche, werde ich es nicht erfahren. Beim Einhand-Segeln musst du alle Situationen unabhängig voneinander managen, was diesen Sport zu einer extremen körperlichen und mentalen Herausforderung macht“, sagt Liebl.

Schlafen nur im 20-Minuten-Takt

Die größte Schwierigkeit wird wohl der ungewohnte Schlafrhythmus sein. „Wir schlafen im 20-Minuten-Takt“, erklärt Liebl. Heißt: Der Skipper kann es sich nicht leisten, länger als 20 Minuten am Stück die Augen zu schließen. „Dann muss man wieder raus und nachsehen, ob alles in Ordnung ist, und vor allem kontrollieren, ob der Kurs noch stimmt“, sagt der 54-jährige selbstständige Unternehmer. Während sich der Segler in der beengten Koje seine verdiente Erholung gönnt, übernimmt ein Autopilot die Steuerung des Bootes.

Körperliche Fitness ist Grundvoraussetzung für ein solches Abenteuer. Deshalb bringt sich Micki Liebl in einem Starnberger Fitnessstudio in Form.

Größte Gefahr: Über Bord gehen

Größte Gefahr bei diesem Abenteuer ist natürlich, über Bord zu gehen. „Das darf niemals passieren“, sagt Wolfgang Quix. „Denn dann ist es in der Regel vorbei.“ Der 82-Jährige, der zur Präsentation von Liebls Kampagne im Münchner Yacht-Club eingeladen war, war 1977 der erste Deutsche, der an der damals ersten Mini-Transat von Penzance (England) über Teneriffa nach Antigua teilgenommen hat. Von 29 Startern kamen nur 19 in Antigua an, unter anderem Quix. „Aber zwei Segler blieben für immer verschollen, das passiert immer wieder.“

Mit dem Lifebelt immer am Boot angeleint

Mittlerweile sind die Sicherheitsbestimmungen auf höchstem Niveau. Neben modernster technischer Ausstattung wie GPS-Tracker oder Seenot-Funkboje muss Liebl immer einen so genannten Lifebelt tragen, ein Gurtgeschirr mit integrierter Schwimmweste. Damit ist er – egal ob bei stürmischer See oder bei Flaute – immer am Boot angeleint. „Sicherheit ist das A und O“, weiß auch Liebl. Schließlich hat er seiner Frau und seiner 24-jährigen Tochter versprochen: „Die See kriegt mich nicht.“

Und auch körperliche Fitness ist für ein möglichst sicheres Bewegen, Arbeiten und Manövrieren auf dem Boot eine unabdingbare Voraussetzung. Deswegen trainiert Liebl seit zwei Jahren regelmäßig in einem Starnberger Fitnessstudio, um die notwendige Physis für sein geplantes Abenteuer zu erlangen.

Gebrauchtes Boot für 40000 Euro gekauft

Aber wie seine körperliche Kondition ist auch sein Boot noch nicht komplett auf Regattamodus getrimmt. „Da muss ich noch einiges reinstecken“, sagt Liebl. Im Sommer hat er in Barcelona einem Briten ein gebrauchtes Boot Typ RG 650 abgekauft und es in einer 30-stündigen, zum Teil mit vielen nervenaufreibenden Hindernissen verbundenen Fahrt auf einem eigens gebauten Trailer von Spanien nach Starnberg gebracht.

Es wurde 2014 gebaut und ist, wie vom Mini-Reglement gefordert, 6,50 Meter lang, drei Meter breit und knapp eine Tonne schwer. Rund 40 000 Euro hat Liebl dafür hingelegt, in etwa noch mal so viel muss er investieren.

Micki Liebl ist im Gegensatz zu den meisten Teilnehmern reiner Amateur

Mit Unterstützung des Münchner Yacht-Clubs und zusammen mit lokalen Bootsbauern wird die RG 650 nun optimiert und auf Wettkampfniveau gebracht. Insgesamt rechnet Liebl für das Projekt mit Kosten von rund 200 000 Euro. Und da er im Gegensatz zu den führenden Mini-Seglern aus Frankreich oder Spanien, die meist Profis sind, reiner Amateur ist, befindet er sich auch noch auf der Suche nach Sponsoren.

Vier Qualifikations-Level

Kosten verursachen auch seine geplanten Trainingseinheiten im Mittelmeer und vor allem die notwendigen Qualifikationen. Denn: Um überhaupt bei der Mini-Transat zugelassen zu werden, müssen die Segler mehrere Qualifikationsschritte vorweisen. „Der Zeitplan steht noch nicht hundertprozentig“, sagt Liebl, aber zumindest die ersten zwei Levels D und C will er im kommenden Jahr hinter sich bringen. In Frankreich wird er eine 24-Stunden-Regatta segeln, anschließend in Barcelona an einer Regatta über 100 Seemeilen und danach in Genua über 222 Seemeilen teilnehmen.

Danach bleibt die „Rapscallion“ (englisch, Gauner, Anm. d. Red.), wie seine LG 650 heißt, in Genua liegen, wo Liebl dann regelmäßig trainieren will. „Das lässt sich am besten mit meinem Beruf vereinbaren, da komme ich von hier gut mit dem Auto hin“, sagt der Kunststofftechniker, dessen Firma Event-Equipment mit Schwerpunkt Promotion-Zelte anbietet.

Level B, das heißt eine Regatta mit mehr als 300 Seemeilen, will Liebl dann Anfang 2021 in Angriff nehmen. Zu guter Letzt muss er noch einen 1000-Meilen-Törn bewältigen. Erst dann kann er sich zur Mini-Transat 2023 anmelden. Und dann könnte endlich der langersehnte Traum von Micki Liebl in Erfüllung gehen.

Weitere Informationen auf www.one2sail.de und www.classemini.com

Bootsklasse Mini und die Regatta Mini-Transat

Die Mini-Transat ist eine seit 1977 alle zwei Jahre stattfindende Einhand- Transatlantikregatta von Ost nach West auf einem nur 6,50 Meter langen Segelboot. Sie wurde vom Briten Bob Salmon geschaffen, nachdem andere Transatlantikrennen für viele Interessenten zu teuer geworden waren. Insgesamt sind die Teilnehmer von Frankreich in die Karibik mit nur einem Stopp auf den Kanaren rund 30 Tage unterwegs. Es gibt zwei Wertungen: die Prototypen und die Serienbauten, wobei die Serienbauten den strengeren Regeln unterliegen. Für die Zulassung zur Mini-Transat müssen die Segler in den fünf Jahren vor dem Start mit dem teilnehmenden Schiff an Regatten mit insgesamt wenigstens 1500 Seemeilen bei Mini-Events teilnehmen, wovon mindestens eine Regatta mehr als 500 Seemeilen haben muss. Bei der kürzlich zu Ende gegangenen Mini-Transat 2019 belegte der Deutsche Morten Bogacki (Kieler Yacht-Club) in der Proto-Wertung Rang drei. Der Mini ist eine Konstruktionsklasse, die im Rahmen gewisser Grenzwerte (beispielsweise Bootslänge, maximaler Tiefgang) den Designern einigen Gestaltungsspielraum lässt, um die technische Weiterentwicklung des Yachtbaus zu fördern. Seit 1994 wird sie von einer eigenen Klassenvereinigung betreut, nachdem die Klassenregeln vorher von der Organisation der Mini-Transat-Regatta definiert wurden. Minis gelten bei den Konstrukteuren als hochgeschätzte kostengünstige Testfahrzeuge für Innovationen im Hightech-Yachtbau. So wurden Kippkiele erstmals auf Minis eingesetzt.

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