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Von Auge zu Auge: Auch dieses Beispiel seiner Bearbeitungen technischer Zeichnungen wird Dr. Günter Steck ab Freitag im Starnberger Seniorentreff ausstellen.

Projekt Ruhestand

Mit Fantasie das Gehirn entrümpelt

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Braucht es 580 nüchterne, weil schmucklose technische Zeichnungen, um den Abschied aus dem Berufsleben geschmeidiger zu gestalten? Dr. Günter Steck hat es geholfen. Warum? Das erzählt und zeigt er ab Freitag im Starnberger Seniorentreff. Projekt Ruhestand.

von Stephan
Müller-Wendlandt

Starnberg– Dr. Günter Steck ist – er würde heute eher sagen: war – Bauingenieur, Schwerpunkt Holzbau. Er betrieb ein Ein-Mann-Büro und hatte einen Lehrauftrag an der Fachhochschule München in dieser Disziplin. Vor zehn Jahren wurde der Professor in den Ruhestand verabschiedet. Nach 40 Jahren Arbeitsleben machte der Starnberger damals einen kompromisslosen Schnitt: Mit dem Ingenieurwesen wollte er nichts mehr am Hut haben, keine Gutachteraufträge, die viele seiner pensionierten Berufskollegen annehmen. Wichtig waren und sind dem noch 71-Jährigen die Familie, die Enkel, gemeinsame Reisen mit seiner Frau und Sport – vor allem das Rudern mit Gleichgesinnten in aller Früh auf dem noch ruhigen Starnberger See.

Dann fielen ihm 580 DIN-A-4-Blätter in die Hand. Es sind technische Zeichnungen. Sie bildeten das Grundgerüst für zwei Lehrbücher zum Holzbau, die Steck mit herausgegeben hatte. Kollegen aus ganz Europa, von Skandinavien bis aus den Mittelmeerländern, hatte er damals angeschrieben und aufgefordert, Beiträge für die Lehrbücher zu liefern. Das hat geklappt.

An dem technischen Bezug dieser Blätter hatte Steck kein Interesse, als er sie zu Beginn seines Ruhestandsdaseins wieder in die Hand nahm. Aber die einfachen und strukturierten Linien und Formen inspirierten ihn, weckten seine Kreativität und Fantasie. „Ich bin kein Künstler, deshalb war es ein Vorteil, nicht vor einem leeren Blatt zu sitzen“, erklärt der Starnberger. Er begann, die Zeichnungen zu verfremden, umzugestalten und umzudeuten. Zunächst nur mit dem einfachen Zeichenstift. Wenn ihm das Ergebnis gefällt, wenn er die technische Norm zu seiner Zufriedenheit gebrochen hat, greift er zu den Farbstifte und koloriert seine Kreationen. Das Wort Kunstwerk kommt ihm selbst nicht über die Lippen.

Tatsächlich sind seine Verfremdungen, seine Umdeutungen und Neugestaltungen, sehenswerte Beispiele höchst kreativen, künstlerischen Wirkens. Die Darstellung eines Leimbinders hat Steck zu einem farbenprächtigen Flugdrachen mit Katzengesicht inspiriert. Tiermotive tauchen mannigfach in seinen Zeichnungen auf: Fische, Schalentiere, Elefanten, Insekten. Auch Landschaften aus seiner näheren Umgebung verarbeitet der ehemalige Professor für Holzbau. Surreale Motive sind in seiner Kunstmappe – eigentlich sind es ganz normale Aktenordner – auch zu finden. Zum Beispiel ein durch die Linien eines Holzbauteils gespaltener Schädelknochen.

In den bisherigen zehn Jahren seines Ruhestandes hat Steck 400 Technikzeichnungen verfremdet. Durchschnittlich 40 pro Jahr. 180 Zeichnungen warten noch auf die Bearbeitung. Also Aufgabe für die nächsten vier oder fünf Jahre oder auch noch etwas mehr. Denn sein zeichnerisches Wirken ist nur ein kleiner Teil seines erfüllten Ruhestanddaseins. Im Vordergrund stehen aber auch Familie und Enkel.

Dieser kleine Teil hat Steck wesentlich geholfen, sein Übertritt in den Ruhestand zu bewältigen. „Damit habe ich meinen beruflichen Arbeitsspeicher abgearbeitet, das technische Denken überwunden, mein Gehirn entrümpelt.“

Knapp 20 seiner Werke hat Steck von DIN-A-4 auf A 2 vergrößert. Ab dem morgigen Freitag werden sie im Seniorentreff ausgestellt bis zum 2. März. Die Besucher der Vernissage am Freitag (15 Uhr) und am Samstag (10 bis 15 Uhr) dürfen einen Aha-Effekt genießen: Sie sehen zunächst die nüchterne technische Zeichnung. Die klappt Steck dann weg und es erscheint seine Verfremdung, seine Umdeutung des Originals. Danach hängen 14 seiner bearbeiteten Zeichnungen in den verschiedenen Kursräumen des Seniorentreffs und sind zu den üblichen Öffnungszeiten zu besichtigen.

Es lohnt sich. Unbedingt.

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