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Das ging gerade noch einmal gut: Die junge Mannschaft des Bayerischen Yacht-Clubs um Steuermann Felix Kaiser zahlte in Glücksburg viel Lehrg eld, konnte aber mit viel Glück noch Rang vier im Endklassement erreichen. 

Segel-Bundesliga

Münchner Yacht-Club steigt in 2. Liga ab

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Nun ist es tatsächlich passiert: Der Münchner Yacht-Club muss aus der Segel-Bundesliga absteigen. Dafür schaffte der Bayerische Yacht-Club gerade noch so die Qualifikation für die Champions League.

Starnberg/Tutzing – Als die ersten Champagner-Korken knallten und Tim Elsner den Titelgewinn des Verein Seglerhaus am Wannsee mit einem vor riesiger Erleichterung strotzenden „Endlich!“ amtlich machte, begann für Felix Kaiser die finale Phase des großen Zitterns. Der Steuermann des Bayerischen Yacht-Clubs hatte mit seiner Crew schon die Vizemeisterschaft verloren und außerdem einen Podestplatz in der Jahreswertung. Als es so aussah, als würde der Nachwuchsskipper am letzten Spieltag der Segel-Bundesliga auch noch die Teilnahme an der Sailing Champions League einbüßen, bekam er sie im allerletzten Rennen der Saison geschenkt. Mit einer völlig missratenen Wettfahrt verhalf der Berliner Yacht-Club der Crew vom Starnberger See noch zum vorletzten Platz, der genügte, um auch 2010 wieder international an den Start gehen zu dürfen. Felix Bavaria, kann man da nur sagen.

Am Nepomukweg verfolgte Ilja Wolf den Auftritt seiner Junioren, die für die privat verhinderten Steuerleute Veit Hemmeter und Julian Autenrieth eingesprungen waren, mit wachsender Sorge. „Wenn sie dich am Start abstellen, geht es ab in die Versenkung“, kommentierte der Teammanager die Vorstellung seiner jungen Segler, die meistens hinterherfuhren. Zwei Drittel der Rennen hatten sie gleich zu Beginn versiebt. In der Deutschen Junioren Liga, in der das Team sonst zu Hause ist, wäre so ein Fauxpas noch zu reparieren gewesen, in der Segel-Bundesliga kassierte es dafür prompt die Quittung. „Das sind Erfahrungswerte, die sie machen müssen“, sagte Wolf. Diese Lehrstunde wird Kaiser, ehemaliger Deutscher Meister und Kieler-Woche-Sieger im 420er, in seiner weiteren Segelkarriere weiterbringen.

Wie es bei Junioren generell der Fall ist, überwogen bei der BYC-Mannschaft die Schattenseiten, die sich in sechs letzten und drei fünften Plätzen festmachen ließen. Aber die junge Crew hatte auch ihre genialen Momente mit zwei Tagessiegen und zwei zweiten Plätzen. Wolf brach eine Lanze für seinen jungen Skipper: „Wir werden Felix weiterhin aufbauen, er hat im nächsten Jahr die Aufgabe, in der Bundesliga zu segeln.“

Dieser Herausforderung hätten sich auch gerne Max Adami und sein Team gestellt. Aber die Crew des Münchner Yacht-Clubs verließ auf der Flensburger Fjörde vor Glücksburg ausgerechnet das nötige Fortune, mit dem Felix Kaiser am Ende reichlich überschüttet wurde. Als Zwölfter des letzten Spieltags waren die Münchner sogar beste Mannschaft aus Bayern. Doch das Ergebnis genügte nicht, um die Klasse zu halten. Als Fünfzehnter des Gesamtklassements müssen die Segler von der Possenhofener Straße den Weg in die 2. Liga antreten. „Ich kenne das Gefühl“, sagte Wolf, dem vor vier Jahren in Hamburg dasselbe Schicksal ereilte. „Da möchte man sich am liebsten irgendwo in ein Erdloch verkriechen.“ Micki Liebl, der aus dem fernen Barcelona den zähen Kampf seines Quartetts verfolgte, sprach von einer „bitteren Pille“ und dem „worst case“, schließlich war sein Club mit einem Vorsprung von drei Punkten auf die Abstiegsränge an die Ostsee gefahren.

Die böigen Bedingungen im hohen Norden bereiteten nicht nur seinem Ensemble Probleme, sondern auch dem Deutschen Touring Yacht-Club. Selbst die Olympioniken Ferdinand Gerz und Patrick Follmann vermochten es nicht zu verhindern, dass ihr Team am Ende an 13. Stelle landete. Für den zweimaligen Deutschen Meister, der am Ende der Saison eigentlich unter die ersten Sechs kommen wollte, bedeutete dies die zweitschlechteste Platzierung in diesem Jahr und damit Rang zwölf in der Abschlusstabelle.

MYC-Teammanager Liebl stellte sich nach dem Abstieg der Verantwortung: „Ich muss das auf meine Kappe nehmen.“ Seine zahlreichen Experimente, möglichst vielen Seglern eine Chance in der Liga zu geben, kosteten dem Team zwar den Klassenerhalt, können sich jedoch mittelfristig noch als nützlich erweisen. Die Münchner haben eine Zukunft im Unterhaus, aber, geht es nach Liebl, eine sehr kurze. „2021, wenn die Segel-Bundesliga wieder am Starnberger See Station macht, sind wir wieder da“, verspricht Liebl ein Wiedersehen mit der nationalen Elite. Man darf ihn beim Wort nehmen.

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