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Der Jahrgang 1938 der Schlossbergschule.

Jahrgangstreffen

Orangen, Bananen und der GYA - die Erinnerungen des Jahrgangs 1938 

Der Jahrgang 1938 erinnert sich bei seinem jährlichen Treffen an seine Schulzeit in Starnberg und die Amerikaner.

Starnberg – Fröhliches Lachen, angeregte Gespräche über die alten Zeiten, Fotografien, die herumgezeigt werden: Zwei lange Tische füllten die ehemaligen Klassenkameraden aus dem Jahrgang 1938 am Freitag im Gasthof zur Post in Aufkirchen. Sie treffen sich einmal in Jahr, immer am ersten Freitag im Mai, um ihre Erinnerungen wachzuhalten an eine ganz besondere Epoche ihres Lebens – auch jetzt, in dem Jahr, in dem sie 80 werden.

Ihre gemeinsame Zeit begann 1944 mit der Einschulung in der Starnberger Schlossbergschule. Damals gerade sechs Jahre alt, erinnern sie sich heute noch lebhaft an die letzten Monate des Krieges, an Bombenalarm, an Einschläge im Stadtgebiet, an das Laufen zum Luftschutzkeller auf dem Heimweg von der Schule.

Als 1945 die Amerikaner in Starnberg einmarschierten, veränderte sich vieles zum Guten. „Ich werde nie den Anblick vergessen, wie die Panzer den Hanfelder Berg herunterfuhren“, erinnerte sich Max Dersch. Bananen und Orangen hätten sie damals aus den fahrenden Panzern geworfen. „Wir hatten vorher noch nie Orangen gesehen, und dunkelhäutige Menschen auch nicht. Ein unglaubliches Ereignis für uns“, so Dersch.

Die Amerikaner waren grundsätzlich freundlich, dennoch besetzten sie viele der Starnberger Villen und beschlagnahmten Dinge, die sie brauchen konnten. Günther Kastenmeier erinnerte sich daran, dass mancher Amerikaner fünf Armbanduhren am Handgelenk trug. Die Schlossbergschule diente den Amis fortan als Kaserne, das gegenüberliegende Gasthaus als Kasino. „Unser Unterricht fand von da an im Milchhäusl statt“, erzählte Mathias Bernwieser. 58 Schülerinnen und Schüler seien sie damals gewesen, viel zu viele für das kleine Austragshäusl, das als Stadl zum benachbarten Mesnerhaus gehörte. Ein Teil des Unterrichts wurde schließlich in den Speicher des nahegelegenen „Asyls“ verlegt, die heutige Musikschule an der Mühlbergstraße.

In einem Punkt sind sich die Klassenkameraden einig, die im Stüberl der „Post“ – wie früher in der Schule – nach Geschlechtern getrennt sitzen: „Die Amerikaner waren Befreier, keine Besatzer. Sie haben uns sehr viel Gutes getan“. Bei dem Stichwort „GYA“ (German Youth Activities“) sprachen gleich alle durcheinander, so schön wäre das für sie gewesen. Im Clubhaus des heutigen Münchner Yacht-Clubs hatten die Amerikaner eine Art Hort eingerichtet, wo die Kinder spielen, basteln und werken konnten. So oft wie möglich seien sie dort hingegangen. Auch die Schulspeisung hätten sie eingeführt, erinnerte sich Max Dersch: „Wir waren alle arm, hatten nicht genug zu essen, daher war das eine großartige Einrichtung.“

Einmal kutschierten die Amis die Klasse in amerikanischen Schulbussen nach Oberammergau zu einer gemeinsamen Bergtour – ein bleibendes Erlebnis. Auch die Klassenkameradinnen von damals, etwa Marie-Luise Kladorf, Hanna Schupfner oder Roselina Lampl, erinnern sich gerne und lebendig an diese Zeiten. Und wenn sie heute so fröhlich miteinander lachen über die Geschichten von früher, dann sieht man wieder die jungen Mädchen in ihren Augen aufblitzen.

„Für uns waren es auch gute Zeiten, nach den harten Kriegsjahren waren da wieder Menschen, die uns geholfen und beschenkt haben“, sagte Marie-Luise Kladorf. 1946 konnte die Klasse zurück in ihr Schulhaus am Schlossberg. Nur das Treppengeländer fehlte, das hatten die Amerikaner eingeheizt.

Von Susanne Bayer

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