Hat die Entschuldigungen mittlerweile akzeptiert: Doris L. vor der „Seestub’n“ in Percha. Die 60 Jahre alte Münchnerin kommt seit Jahrzehnten zum Spazierengehen an den Starnberger See.
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Hat die Entschuldigungen mittlerweile akzeptiert: Doris L. vor der „Seestub’n“ in Percha. Die 60 Jahre alte Münchnerin kommt seit Jahrzehnten zum Spazierengehen an den Starnberger See.

Am Restaurant „Seestub‘n“

Geschlossene Toilette in Percha hat für 92-Jährige böse Folgen - Landrat Frey entschuldigt sich

Geschlossene Toiletten an der „Seestub’n“ in Percha hatten für eine 92 Jahre alte Münchnerin böse Folgen. Landrat und Wirt haben sich mittlerweile entschuldigt.

Percha – Doris L. (60) ist wütend. Wütend auf die Betreiber der „Seestub’n“ in Percha und wütend auf das Landratsamt Starnberg. Grund dafür ist ein Vorfall Ende Februar.

Doris L. nutzt ihre Nachmittage gerne dafür, um mit ihrer 92 Jahre alten Mutter der Münchner Großstadt zu entfliehen und am Starnberger See zu spazieren. „Der See ist für uns so etwas wie ein Haus-See, wir kommen seit 55 Jahren regelmäßig“, erzählt sie im Gespräch mit dem Starnberger Merkur.

Toiletten an der „Seestub‘n“ derzeit geschlossen

Am 24. Februar führte sie ihr Weg wieder ans Ufer bei Percha. „Wie das dann so ist, musste meine Mutter irgendwann mal auf die Toilette“, schildert Doris L. „Aber das war ja eigentlich kein Problem. Wir wussten aus Erfahrung, dass es Toiletten neben und im Restaurant dort gibt.“ Die Rede ist von der „Seestub’n“, die seit 2017 von Thomas Frey betrieben wird.

Diesmal mussten die Frauen allerdings feststellen, dass die öffentlichen Toiletten neben dem Lokal verschlossen waren. „Da es wirklich dringend war, sind wir dann nach nebenan, um nach einem Schlüssel zu fragen oder wenigstens die dortige Toilette zu nutzen“, berichtet Doris L.

92-jährige Spaziergängerin darf Notdurft nicht verrichten

Coronabedingt ist die „Seestub’n“ für Gäste derzeit geschlossen. Es werden ausschließlich kleinere Speisen über ein Kioskfenster gereicht, das Restaurant dürfen Gäste nicht betreten. Der Mitarbeiter vor Ort war mit der Bitte der beiden Damen offenbar überfordert: „Er verweigerte uns die Toilettennutzung im Restaurant, auch einen Schlüssel für die Toilette nebenan könne er uns nicht geben, da die Stadt die Benutzung der Toilette nicht erlaube.“

Während der Diskussion zwischen Doris L. und dem Mitarbeiter der „Seestub’n“ am Kioskfenster kam es für die 92-jährige Mutter dann, wie es kommen musste. „In aller Öffentlichkeit. Jeder konnte es sehen. Das war das schlimmste für meine Mutter“, sagt die Tochter.

Starnbergs Landrat Frey „entsetzt und sprachlos“ angesichts des Vorfalls

In der Folge wandte sich Doris L. an Bürgermeister Patrick Janik. Kurze Zeit später erreichte sie ein Brief von Landrat Stefan Frey. Schließlich ist der Landkreis Eigentümer und Verpächter der „Seestub’n“.

Er sei „entsetzt und sprachlos“ angesichts dieses Vorfalls, antwortete Frey. Und ihm tue es „von Herzen Leid“ dass Mutter und Tochter „eine solche Situation“ hätten erleben müssen. Gegenüber dem Starnberger Merkur ergänzte Landratsamtssprecherin Barbara Beck: „So etwas darf nicht passieren.“

Frey: Sperrung der Außen-Toilette „in normalen Jahren kein Problem“

Den Grund dafür, warum weder die öffentliche Toilette neben der „Seestub’n“ noch die Toilette im Restaurant nutzbar waren, beschreibt Landrat Frey als „verzwickt“. Denn die öffentliche WC-Anlage sei „nicht winterfest“. Die Wasserrohre der Toilette würden bei Benutzung im Winter platzen, entsprechend sei die Toilette von November bis April immer gesperrt.

„In normalen Jahren ist das kein Problem, weil die Spaziergänger die Toilette der Gaststätte nutzen können“, erklärt Frey in seinem Brief. Doch sei dies nun kein normales Jahr und die Gaststätte müsse wegen Corona geschlossen bleiben. Der Landrat räumt ein: „Ich muss zugeben, die Problematik war uns nicht bekannt.“

Nach Vorfall: Landkreis Starnberg nimmt Toilette wieder in Betrieb

Als Reaktion auf den Brief von Doris L. habe der Landkreis die öffentliche Toilette neben dem Lokal „sofort wieder in Betrieb genommen und für den Besucherverkehr zugänglich gemacht“. Freys Brief schließt mit den Worten: „Wir können den Vorfall nicht ungeschehen machen, wir können nur dafür sorgen, dass so etwas nicht mehr vorkommt.“

Thomas Frey, der Betreiber der „Seestub’n“ und mit Stefan Frey weder verwandt noch verschwägert, hat sich ebenfalls in aller Form per Brief bei Doris L. entschuldigt, betont aber gegenüber dem Starnberger Merkur: „Uns tut es unglaublich Leid, was passiert ist. Allerdings waren die Vorgaben des Gesetzgebers für unser Restaurant eindeutig. Wir dürfen absolut niemanden hinein lassen. Insofern muss ich auch meinen Mitarbeiter in Schutz nehmen, bei aller Tragik des Vorfalls.“

Essenseinladung in die „Seestub‘n“ als kleine Entschädigung

Als Entschädigung hat Thomas Frey Doris L. und ihre Mutter zum Essen in die „Seestub’n“ eingeladen. „Vielleicht können wir so eine kleine Wiedergutmachung leisten“, sagt er.

Doris L. zeigt sich erleichtert angesichts der schnellen und empathischen Reaktion des Landrates und des Wirts. „Ich finde es toll, dass sich der Landrat direkt mit einem so netten und ehrlichen Brief an uns gewandt hat. Auch über die Einladung von Herrn Frey in die ,Seestub’n‘ habe ich mich gefreut.“ Gregor Scheu

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