Der Bayerische Hof ist bereits seit 2011 im Betrieb stark eingeschränkt, nachdem 20 von 31 Gästezimmern aus brandschutzrechtlichen Gründen gesperrt werden mussten. Seit Dezember 2020 ruht der Betrieb vollends.
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Der Bayerische Hof ist bereits seit 2011 im Betrieb stark eingeschränkt, nachdem 20 von 31 Gästezimmern aus brandschutzrechtlichen Gründen gesperrt werden mussten. Seit Dezember 2020 ruht der Betrieb vollends.

Bayerischer Hof

Restaurator: Gebäude in „altersbedingt sehr gutem Zustand“

  • Peter Schiebel
    vonPeter Schiebel
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Ist der Bayerische Hof in Starnberg noch zu erhalten oder muss er abgerissen werden? Ein vom bisherigen Hotelbetreiber Nicolas Schrogl beauftragter Fachmann kommt zu dem Urteil, dass das Gebäude in einem sehr guten konstruktiven Bauzustand sei.

Starnberg - Wie sehr ist die Bausubstanz des Bayerischen Hofs geschädigt? Ist das 1865 errichtete Gebäude noch zu retten oder muss es abgerissen werden? Ein vom bisherigen Hotelbetreiber Nicolas Schrogl beauftragter Zimmerer kommt zu einem überraschenden Ergebnis: „Der gesamte Bayerische Hof ist in einem altersbedingten sehr guten konstruktiven Bauzustand“, schreibt Franz Sailer aus Sibichhausen in einer achtseitigen Stellungnahme. Und: „Sobald der Eigentümer (die Stadt Starnberg, Anm. d. Red.) seiner jahrzehntelangen vernachlässigten Unterhalts- und Bauentwicklungsmaßnahmen nachkommt, wäre der Fortbestand des Bayerischen Hofs für die nächsten Generationen gesichert.“

Sailer hat nach eigenen Angaben fast 40 Jahre lang eine Zimmerei in dem Berger Ortsteil betrieben und konzentriert sich seit 24 Jahren auf historische Bauuntersuchungen, Schadensermittlungen und Sanierungsvorschläge. Er sieht sich als Zimmerer und Restaurator „vorbehaltlos und neutral dem Baudenkmal verpflichtet“. Dreimal habe er sich seit Mitte Januar den Bayerischen Hof angeschaut, sagt Sailer dem Starnberger Merkur und betont, dass er nur einen Augenschein vorgenommen habe. Sein Schluss: „Ich habe noch nie ein Denkmal in dieser Qualität gesehen.“

Einige wesentliche Ergebnisse von Sailers Schadensaufnahme: Der historische Dachstuhl sei altersbedingt in einem guten Zustand, Bauholzmängel am Trauf- und Giebelvordach könnten instandgesetzt werden. Das Blechdach sei dicht, in den Dachgeschosszimmern seien keine Nässeschäden und Putzabrisse erkennbar. Die Zwischendecke über dem Café Prinzregent habe sich zwar um 10 bis 15 Zentimeter abgesenkt und die Deckenbalken seien auch verformt, allerdings hätten die Balken seit hundert Jahren zu keinem Schaden geführt.

Hart ins Gericht geht Sailer mit Stadtverwaltung und Politikern. Der Denkmalschutz werde mit Füßen getreten, sagt er. Der Fortbestand des „für Starnberg zeitgeschichtlich einmaligen städtischen Baudokuments“ werde „in erbärmlich schäbiger Art und Weise diskutiert“. Zudem hätten Kreisheimatpfleger Gerhard Schober und der frühere Kreisbaurat Helmut Rauscher mit ihren Äußerungen „Öl in eine städtebauliche Wunde“ gegossen.

Er sei über einen Stammgast auf Sailer aufmerksam geworden, sagt Hotelier Schrogl auf Anfrage. Ihm sei es wichtig, dass es noch ein zweites Gutachten gebe neben dem der Stadt, auf dessen Basis der Bayerische Hof am 21. Dezember geschlossen wurde. „Ich finde es wichtig, dass der Denkmalschutz erhalten bleibt“, sagt der 41-Jährige, der 17 Jahre lang das Hotel betrieben und „ganz viel Eigenleistung“ in den Erhalt des Gebäudes gesteckt hat. „Eine Million Euro reicht dafür nicht“, sagt er. Mit Sailers Expertise rechnet sich Schrogl Hoffnungen aus, dass das Gebäude mit einer Sanierung gerettet werden kann.

Ganz so optimistisch sieht Bürgermeister Patrick Janik die Sache nicht. Das von der Stadt beauftragte und Ende 2020 von einem Statiker erstellte Gutachten sei zu der „klaren Aussage“ gekommen, dass die Standsicherheit des Bayerischen Hofs nicht mehr gewährleistet sei, sagt er dem Starnberger Merkur. Zu den Erfolgsaussichten einer Sanierung habe der Statiker zwar seine Zweifel geäußert, aber kein Gutachten vorgelegt. Von daher liefere Sailers Arbeit durchaus „neue Erkenntnisse“, an der gegenwärtigen Situation änderten diese aber nichts, sagt Janik. Er möchte bis Mitte des Jahres eine Grundsatzentscheidung zur Zukunft des Bayerischen Hofs herbeiführen. Dabei gelte es, mehrere Fragen zu klären – zu Art und Größe einer Hotelnutzung, zu möglichen anderen Nutzungen, auch zu einem eventuellen Verkauf. Erst danach ergebe es Sinn, über einen Wettbewerb mögliche Investoren zu finden, sagt Janik.

Bis dahin könnte der Bayerische Hof bereits die Juristen beschäftigen. Hatten sich Stadt und Pächter Ende 2020 noch darauf geeinigt, freiwillig auf die weitere Nutzung zu verzichten, hat das Landratsamt mittlerweile eine Nutzungsuntersagung verfügt. „Dagegen habe ich vier Wochen Einspruchsfrist“, sagt Hotelier Schrogl.  

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