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Der Mühlberg fängt kurz hinterm Schlossberg an: Zwischen Max-Zimmermann-Straße und Leopoldstraße ist vor mehr als hundert Jahren eine Villenkolonie entstanden, die nach Ansicht von Stadtplanern eine herausragende Bedeutung für Starnberg hat.  

Wie viel Bebauung soll erlaubt sein?

Das Ringen um die Zukunft des Mühlbergs

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Bewahren, verdichten oder entwickeln? Der Bauausschuss des Stadtrats hat sich in seiner jüngsten Sitzung mit der Zukunft des Mühlbergs beschäftigt. Eine beauftragte Stadtplanerin empfiehlt Leitlinien, um den Charakter der Villenkolonie langfristig zu erhalten.

Starnberg – Eine Höhenlage über der Stadt mit Blick auf den See, das Wohnhaus eingebettet in große Gärten – kein Wunder, dass sich die Schönen und vor allem die Reichen Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts am Mühlberg niederließen. An vielen Stellen ist die historische Bausubstanz nach wie vor zu sehen – an einigen anderen Stellen macht aber der Zeitgeist längst nicht mehr halt vor der Villenkolonie. Wie also umgehen mit dem Gebiet, das Begehrlichkeiten weckt in Sachen Nachverdichtung, Grundstücksteilung und zusätzlichem Baurecht?

35 Wohneinheiten gebe es derzeit, 60 weitere seien in Zukunft möglich, sagte Stadtplanerin Manuela Skorka in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses des Stadtrates und verdeutlichte damit das Potenzial. Sie hatte mit ihrem Neurieder Büro den Mühlberg im Auftrag der Stadt analysiert und legte nun ihre Ergebnisse vor. Bislang sei das Gebiet geprägt von einer lockeren Bebauung und viel Grün, von freien Wiesen und Blickbeziehungen – und von teils repräsentativen, äußerst individuellen Gebäuden.

„Da kommt man mit einfachen Mitteln wie Firsthöhe oder Wandhöhe nicht weiter“, sagte Skorka und warnte vor einer „Nachverdichtung mit der Gießkanne“. Stattdessen legte sie eine aus zwölf Leitlinien bestehende Empfehlung vor, die den Erhalt des Charakters und der Qualitäten des Gebietes zum Ziel hat. Dazu gehört, den Geländeverlauf mit dem deutlichen Anstieg in Richtung Josef-Fischhaber-Straße zu erhalten, ebenso die zusammenhängenden Gartenbereiche mit dem prägenden Baumbestand. Eine Parzellierung in kleine Grundstücke lehnte Skorka dagegen ebenso ab wie großflächige Parkplatzanlagen. Der Bau von Nebenanlagen wie Swimmingpools, Terrassen oder Müllhäusern solle gesteuert werden. Eine verträgliche Nutzungsdichte könne durch eine Festlegung der Zahl der Wohneinheiten erreicht werden, die Architektur neuer Gebäude müsse sich sorgfältig in die Umgebung einpassen. Dabei verdeutlichte sie, dass sie bereits Handlungsbedarf sieht: „Es zeigt sich schon eine kritische Entwicklung“, sagte Skorka.

Von den Stadträten bekamen die Planerin und ihr Mitarbeiter viel Lob für die Analyse. „Sie sprechen mir aus der Seele“, sagte Gerd Weger (CSU) und stellte gleich die Frage: „Müssen wir eigentlich überall dem Siedlungsdruck nachgeben?“ Nachverdichtung könne auch dazu führen, dass Starnberg an Lebensqualität verliere, warnte er. Zudem könnten sich die meisten Starnberger die hiesigen Immobilienpreise ohnehin nicht leisten. Auch Markus Mooser (WPS) begrüßte Skorkas Analyse – befürchtet aber, dass ein städtisches Eingreifen zu spät kommt. An anderen Stellen, etwa an der Mühlbergstraße, seien Nachverdichtung und Neubauten wie „Kisten“ längst genehmigt worden – wie wolle man das den Eigentümern am Mühlberg dann verwehren? Außerdem messe das Denkmalamt mit zweierlei Maß. Und dass die Makler „wie die Geier um das Gebiet“ kreisten, mache es auch nicht besser. Ähnlich sah Angelika Kammerl (Parteifrei) die Lage. „Wir werden nicht umhin kommen, auch solche Gebiete dichter zu bebauen“, sagte sie. Nun komme es darauf an, „die gröbsten Fehlgriffe“ zu vermeiden.

Unklar ist, wie der Ausschuss künftig verfahren will. Annette von Czettritz (Grüne) sprach sich für einen Bebauungsplan aus, um die Entwicklung zu steuern. Ludwig Jägerhuber (CSU) plädierte dafür, auf Basis der von Skorka entwickelten Leitlinien mit möglichen Bauwerbern zu verhandeln. Einen Beschluss gibt es bisher nicht.

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