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Rund 320 Grundstücke im Tunnel-Korridor

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Von: Peter Schiebel

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Mit dieser „Risskarte“ messen die Sachverständigen zum Beispiel Risse im Mauerwerk, um während und nach Ende der Tunnelbauarbeiten mögliche Veränderungen feststellen zu können.
Mit dieser „Risskarte“ messen die Sachverständigen zum Beispiel Risse im Mauerwerk, um während und nach Ende der Tunnelbauarbeiten mögliche Veränderungen feststellen zu können. © Staatliches Bauamt Weilheim

Auch wenn es noch einige Jahre dauert, bis sich die Tunnelbohrmaschine durch Starnberg gräbt: Das Staatliche Bauamt bereitet sich bereits auf die Beweissicherung vor. In einem Korridor um die Tunneltrasse sollen sämtliche bauliche Anlagen sowie Gärten, Freiflächen und Versorgungsleitungen rechtzeitig erfasst werden.

Starnberg – Es gibt Starnberger, die bei dem Gedanken schlecht schlafen, dass sich unter ihrem Haus oder unter ihrem Garten eine rund 160 Meter lange Tunnelbohrmaschine durch den Boden frisst. In einigen Jahren soll es so weit sein, wenn die Maschine, beginnend beim Südportal an der Weilheimer Straße, ihre Arbeit verrichtet. Etwa 1,9 Kilometer ist die Tunneltrasse bis zum Nordportal auf Höhe McDonald’s lang. In diesen Tagen verteilt das Staatliche Bauamt Weilheim per Posteinwurf rund 9000 Exemplare ihrer Infoschrift „Dialog“, in der es um das Thema „Beweissicherung“ geht – und damit um die Fragen, über die sich Grundstückseigentümer Gedanken machen.

„Das Thema dürfte unserer Einschätzung nach viel interessieren“, erklärt Bauamtsprecher Michael Meister. Deswegen sei das Verteilungsgebiet der „Dialog“-Ausgabe auch so gewählt, dass es den Einflussbereich sowie die Nachbarschaft zum Beweissicherungskorridor umfasst.

Dieser Korridor rund um die Tunneltrasse ist nach Angaben von Tunnel-Projektleiter Raphael Zuber zwischen 80 und 120 Meter breit. Die Breite reduziere sich zu den beiden Portalen sowie um die insgesamt sechs geplanten Notausstiege deutlich, erklärt er auf Anfrage des Starnberger Merkur. Insgesamt fielen in den Korridor etwa 320 Einzelflurstücke, also Grundstücke, von privaten wie auch öffentlichen Eigentümern.

Wie aus der Karte hervorgeht, gehören dazu zum Beispiel das Fischerei-Institut, die Kirche St. Josef und das katholische Pfarrhaus, die Schlossbergschule, das Schloss, Rathaus und Schlossberghalle, die Brunnangerhalle des TSV Starnberg und die Polizeiinspektion. Auch Einkaufsmärkte an der Weilheimer Straße, der Tutzinger Hof, das Gaßner-Hochhaus und das McDonald’s-Restaurant liegen im Korridor. Dazu kommen zahlreiche Privathäuser, unter anderem im Bereich Vogelanger, Schlossbergstraße, Emslanderstraße, Weilheimer Straße und Heimstättenweg.

Weite Teile der Kern-Innenstadt, vor allem der Bereich zwischen Hauptstraße und See, liegen außerhalb des Korridors. Grund dafür ist, dass die Tunneltrasse ab der Einmündung B 2/Prinzenweg den Verlauf der oberirdischen Bundesstraße verlässt und ein Stück weiter nördlich der Hauptstraße unter dem Schlossberg verläuft. Dort, am Notausstieg vier, befindet sich auch der tiefste Punkt des Tunnels, 45 Meter unter der Oberfläche.

Im Zuge der Beweissicherung werden vereidigte und unabhängige Sachverständige den Zustand der Grundstücke erfassen und dokumentieren. Dabei handelt es sich nach Angaben des Bauamts um die äußere und innere Gebäudehülle inklusive Keller, um Ingenieurbauwerke wie Brücken, um Verkehrsanlagen, Straßen und Gehwege, um Versorgungsleitungen sowie um Freiflächen, Zäune, Mauern und Gärten. Unter anderem werden die Gebäude auf Risse, Kalkablagerungen, Materialabplatzungen, Feuchtigkeit, Verfärbungen, Altschäden, Schiefstellungen und dergleichen untersucht.

„Die Beweissicherung dient zum einen als Grundlage zur Festlegung von Entschädigungen, aber auch, um frühzeitig negativen Auswirkungen entgegenzutreten“, schreibt das Bauamt. Denn während der Tunnelarbeiten gebe es eine „24/7-Live-Auswertung und Überwachung der Daten der Tunnelvortriebsmaschine“, also eine Rund-um-die-Uhr-Erfassung. Nach Abschluss der Arbeiten kann der Zustand der Häuser und Anlagen mit den Daten aus dem Beweissicherungsverfahren verglichen werden.

Wann dieses Verfahren genau startet, steht noch nicht fest. Projektleiter Zuber: „Zur eigentlichen Beweissicherung wird es in Phasen kommen. Sobald wesentliche Arbeiten anstehen, wird circa sechs Monate zuvor eine entsprechende Beweissicherung durchgeführt, um den Abstand zwischen der Beweissicherung und den eigentlichen Arbeiten so gering wie möglich zu halten. Wir werden daher die Eigentümer zu unterschiedlichen Zeitpunkten, die sich am Bauablauf orientieren, kontaktieren.“

Die ersten erforderlichen Baustellen dürften sich nach Zubers Angaben im Bereich der fünf Düker-Anlagen befinden.

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