Gerührt von so viel Hilfsbereitschaft: Wirtefamilie Ledic und die Fahrer, die die Spenden gestern in die betroffenen Regionen transportierten.
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Gerührt von so viel Hilfsbereitschaft: Wirtefamilie Ledic und die Fahrer, die die Spenden gestern in die betroffenen Regionen transportierten.

Erbebenhilfe

Starnberg sammelt für Kroatien

Die Nachrichten aus der Heimat hatte sie alarmiert: Wie schon die kroatischen Wirte aus Geisenbrunn (wir berichteten), organisierte deshalb auch Marija Ledic, die kroatische Wirtin des Starnberger Gasthofs zur Au, gemeinsam mit ihrer Familie eine große Spendenaktion.

Starnberg – Jeder kennt die Bilder aus den Nachrichten: Eingestürzte Häuser, verschüttete Dörfer und verzweifelte Menschen, nachdem ein Erdbeben der Stufe 6,4 Kroatien erschüttert hatte. An Neujahr machten sich nun auch acht Spendenlaster aus Starnberg gefüllt mit Decken, Nahrung oder Hygieneartikeln auf den Weg.

„Man hört jeden Tag Radio“, sagte Ledic. „Die Leute dort haben nichts. Wir haben uns gedacht, was kann man tun?“ Ihr Sohn sei gerade in Zagreb und habe das Erdbebens dort spüren können. Daraufhin kontaktierte er seine Familie in Starnberg und stellte die Spendenaktion auf die Beine: 3000 Liter Wasser und unzählige Säcke gefüllt mit Decken, Kleidung, Lebensmittel oder Hygieneartikel kamen zusammen. Vor dem Gasthof zur Au lieferten nicht nur Kreisstädter, sondern auch Münchner und andere Landkreisbürger Spenden ab. „Im Minutentakt brachten die Leute etwas von Daheim mit“, sagt Goran Strbac (32). „Das macht uns stolz.“ Er ist einer der acht Fahrer, die die Kleinlaster gestern in das Krisengebiet fuhren. Er hatte durch seine Mutter von dem Unglück erfahren: „Sie hat mich weinend angerufen. Ich war geschockt und habe sofort versucht, meine Freunde zu erreichen.“ Deshalb ist er froh, nun selbst etwas tun zu können.

Über Österreich und Slowenien bis nach Kroatien ging es für ihn, die anderen Fahrer und die Spenden. 666 Kilometer legten sie zurück. „Die Strecke kenne ich in- und auswendig“, so Strbac. „Die Lkw haben wir von befreundeten Firmen aus der Umgebung bekommen. Weil alle geschlossen sind, brauchen sie ihre Kleinlaster nicht. Das passt super.“ Er lobt diese Hilfsbereitschaft, sogar Reise- und Benzinkosten übernehmen sie. Die Fahrt ist nicht ungefährlich. „Es gibt Betrüger auf der Strecke“, erklärt Strbac. „Sie rufen nach Hilfe, und rauben die Spenden.“ Deshalb, und auch wegen der Corona-Regeln, hielt er nur zum Tanken oder Essen an. Die Grenzen waren kein Problem. „Wir haben uns am Abend zuvor beim Konsulat mit Nummernschildern und Namen angemeldet“, so Strbac.

In Kroatien angekommen, fuhr Strbac direkt nach Sisak. „Sisak ist die kleine Gemeinde, aus der ich selbst komme. Wir wollen unsere Spenden an die Dörfer verteilen, die nicht in den Medien gezeigt werden. Die großen Sammelpunkte lassen wir aus, da gibt es schon sehr viele Spenden.“

Strbac selbst ist entsetzt über die Zustände in seinem Heimatland. „Kroatien ist derzeit komplett überfordert“, sagte er. „Nachts sinken die Temperaturen unter null Grad, die Leute müssen in Zeltunterkünften schlafen.“ Da jedes Dorf eine eigene Kläranlage und unterirdische Trinkwassertanks habe, sind durch das Beben einige dieser Tanks zerstört und das Trinkwasser verschmutzt worden. 3000 Liter Wasser, gespendet von einem Münchner Getränkeunternehmen, kamen da gerade recht.

Aber auch die Kisten der Starnberger Beatrix und Adi Wagner helfen weiter. Sechs Kisten voll mit Babysachen der Enkel, Windeln und Nudeln hatten sie im Gepäck. „Das Schöne ist, hier weiß man, dass die Sachen auch sicher ankommen.“ Adi Wagner lobte die Organisation: „Alles ging ruckzuck.“ Und noch etwas betonte er: „Viele jammern, wie blöd das vergangene Jahr war, aber im Vergleich zu den Kroaten ging es uns doch sehr gut.“

Cosima Kaya hatte vier Kartons voller Kindersachen und Essen dabei. „Ich habe noch dazu eine ganze Tüte voll mit Schuhen gespendet“, erzählt sie stolz. „Gerade jetzt muss man besonders zusammenhalten. Wenn alle helfen, geht das.“ Vanessa Lange

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