Platz sieben bei der F18-WM in Italien: Manuel (l.) und Fabian Wunderle vom Münchner Yacht-Club.
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Platz sieben bei der F18-WM in Italien: Manuel (l.) und Fabian Wunderle vom Münchner Yacht-Club.

Segeln

Die fabelhaften Wunderles

  • VonChristian Heinrich
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Die Brüder Fabian und Manuel vom Münchner Yacht-Club mischen die Arrivierten der F18-Klasse auf. Bei der Weltmeisterschaft in Italien wurde das Duo Siebter.

Starnberg – Inzwischen hat es sich in der Szene herumgesprochen, dass es irgendwo im Süden von Deutschland eine Crew mit Ambitionen in der Formula 18 gibt. „Ich weiß zwar nicht, wer ihr seid und woher ihr kommt, aber ihr macht das verdammt gut“, sagte Cedric Bader. Der Franzose verneigte sich vor den Namenlosen, die ihm bei den German Open und der Weltmeisterschaft um die Ohren gefahren sind.

Inzwischen dürfte ihm wie allen anderen Teams der Branche die Marke Manuel und Fabian Wunderle ein Begriff sein. Spätestens mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft und Platz sieben bei der WM hat sich die Crew aus dem Münchner Yacht-Club in der Klasse etabliert. „Wir haben schon gesehen, dass die uns wahrnehmen“, sagt Fabian Wunderle über die große Aufmerksamkeit, die er und sein Bruder durch ihre jüngsten Erfolge auf sich ziehen.

Selbstverständlich ist es nicht, dass ein Team aus dem Voralpenland bei den Katamaranen für Furore sorgt. Der Starnberger See ist nicht das typische Gewässer, auf dem das schnittige Boot seine Vorzüge zur Geltung bringen kann. Aber es ist das Revier, auf dem die beiden Münchner so viele Kniffe gelernt haben, die ihnen nun zugute kommen, um der Konkurrenz im F18 tüchtig einzuheizen. „Wir sind viel variabler auf dem Schiff“, behauptet Fabian Wunderle. Während der 27-Jährige im MYC noch die klassische Ausbildung durchlief, wurde sein Bruder bereits in jungen Jahren in der clubeigenen Sailing Academie eingeschult. Nun entwickeln die beiden nicht nur bei Starkwind ungeheuere Geschwindigkeit, sondern finden genauso schlafwandlerisch Lösungen bei böigen Verhältnissen. Bei der WM vor Gaeta in der italienischen Provinz Latium war von allem etwas vertreten. In den 15 Wettfahrten sammelten die Starnberger bei unterschiedlichen Verhältnissen starke Platzierungen. Bis auf zwei Ausnahmen, eine Disqualifikation und ein 38. Platz, die sie beide tilgen konnten, bewegten sie sich konstant zwischen den Rängen zwei und 13. „Unser Credo ist es, bei allen Bedingungen zu bestehen“, sagt Fabian Wunderle.

Auf den ersten Blick wirkt das etwas surreal, denn die Brüder zählen zu den Leichtgewichten in der Klasse und kommen gemeinsam nicht einmal auf das geforderte Mindestgewicht von drei Zentnern, weshalb sie bei der WM zur Strafe noch ein Kilo Blei an ihrem Rumpf befestigen lassen mussten. Da aber das Gewicht nicht mit den Platzierungen korreliert, wie die Recherchen des Teams ergaben, können sie ihre persönlichen Vorzüge ins Spiel bringen. Während sich Manuel an der Pinne eher als Gefühlsmensch definiert, der seine Entscheidungen gerne aus dem Bauch heraus trifft, versteht sich Fabian als Rationalist und Analytiker mit einem Faible für Demut: „Ich ziehe bei uns an Bord nur an den Schnüren.“

Dass der bescheidene Strippenzieher mit seinem talentierten 23-jährigen Bruder, der in der Bundesliga schon einen Spieltag gewonnen hat, nicht in einer olympischen Klasse wie dem 49er gelandet ist, ist auch ihrer beruflichen Situation geschuldet. „Da müsste man Vollzeitsegler sein, um da mitzuspielen“, räumt der Vorschoter ein. Aber auf mindestens 200 gemeinsame Wassertage kann das Team nicht kommen, weil Manuel noch Betriebswirtschaftslehre studiert und Fabian als Vermögensberater in der elterlichen Firma arbeitet. Da viele ehemalige Weltmeister zur Konkurrenz gehören, fühlt sich der Ältere der beiden Wunderles bei den Katamaranen richtig zu Hause: „F18 bleibt eine ambitionierte Klasse.“

Fürchten müssen sie die Arrivierten nicht mehr. Nachdem sie bei ihren bisherigen drei Weltmeisterschaften nicht über einen Platz in den 20ern hinausgekommen waren, logieren sie nun in den Top Ten. „Wir haben jetzt Blut geleckt“, kündigt der Vorschoter an. Man wird demnächst wohl noch mehr von den fabelhaften Wunderles hören.

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