Licht der Hoffnung: Die Pfarrer Dr. Andreas Jall (l.) und Dr. Stefan Koch (r.) wünschen sich zusammen mit Bürgermeister Patrick Janik, dass die Starnberger ihrem Aufruf folgen und eine Kerze am Fenster anzünden.
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Licht der Hoffnung: Die Pfarrer Dr. Andreas Jall (l.) und Dr. Stefan Koch (r.) wünschen sich zusammen mit Bürgermeister Patrick Janik, dass die Starnberger ihrem Aufruf folgen und eine Kerze am Fenster anzünden.

In Anlehnung an polnischen Brauch

Kerzen-Aktion: Starnberg soll von innen leuchten

Pfarrer und Bürgermeister setzen zu Weihnachten ein Zeichen für Zusammenhalt. Sie rufen die Starnberger dazu auf, hinter ihren Fenstern Kerzen zu entzünden. Dahinter steckt ein polnischer Brauch.

Starnberg – Stellen Sie sich vor, Sie laufen an Heiligabend durch Starnberg, und hinter jedem Fenster brennt eine Kerze. Diese Vision haben die Pfarrer Dr. Stefan Koch und Dr. Andreas Jall. Mit Bürgermeister Patrick Janik rufen sie dazu auf, an Weihnachten eine Kerze im Fenster anzuzünden, ein Zeichen zu setzen und gemeinsam von innen heraus zu leuchten.

„Es wird ein sehr besinnliches, aber vor allem ungewöhnliches Weihnachtsfest“, sagt der katholische Stadtpfarrer Jall. „Und gerade deshalb wollen wir für die Bürger da sein.“ So beratschlagte er sich mit seinem evangelischen Kollegen Koch darüber, was aktuell möglich ist. Vergangene Woche stießen sie dann auf einen polnischen Brauch: die Kerze am Fenster. „Von früher kenne ich einen polnischen Pater“, erzählt Jall. „Er hat mir einmal von dem Brauch berichtet, und es hat mich sehr fasziniert.“

Kerze als Gruß und Aufruf zum Zusammenhalt

Mehrere Besatzungen habe das polnische Volk in seiner Geschichte erlitten. Nicht selten sei eine Ausgangssperre verhängt worden – Zeiten, in denen die brennende Kerze als Gruß und Aufruf zum Zusammenhalt galt. „Das passt gut“, findet Jall. „Bei uns ist es zwar keine Besatzung, aber ein Virus. Wir wollen den Brauch in Starnberg ausprobieren.“ Ziel sei es, sich gegenseitig Hoffnung zu spenden und Nächstenliebe zu zeigen, die Kerze symbolisiere Hilfsbereitschaft. „Weil viele zu Hause feiern, wird es schön sein, von dort aus zu leuchten“, findet Koch.

Der Erste, der eine Kerze im Fenster anzündete, war Bürgermeister Janik. Koch überreichte ihm ein großes Exemplar vom Altar der Friedenskirche. Bereits am Dienstag in der Abenddämmerung leuchtete sie im Fenster von Janiks Rathausbüro. „Die Kerze lädt zum Anzünden ein“, sagt Janik. „Sie bringt Stimmung und verströmt ein schönes Licht.“ Er selbst wolle im „ganz kleinen Kreis“ mit der engsten Familie Weihnachten feiern. Ein Christbaum sei auf jeden Fall dabei und nun auch die Altarkerze, die an Heiligabend bei ihm zu Hause brennen werde. Koch hält den Nachmittag über Weihnachtsgottesdienste. Wenn er abends nach Hause kommt, möchte auch er sich an dem Brauch beteiligen.

„Habt Licht in euch, habt Mut, es weiterzugeben und haltet zusammen“

Ebenso handhabt es Andreas Jall. Von 14 bis 21 Uhr finden an Heiligabend verschiedene Gottesdienste an der frischen Luft oder in Kirchen statt. „Danach sind wir zu Hause und denken bei brennender Kerze aneinander“, so Jall. „Trotz allem freue ich mich auf Weihnachten. Es wird auf jeden Fall in Erinnerung bleiben.“ Die Kerze an sich sei ein urchristliches Symbol, das schon der Heiligen Familie bei Christi Geburt Hoffnung gespendet habe. Auch sie habe es damals nicht einfach gehabt, so Jall. „Habt Licht in euch, habt Mut, es weiterzugeben und haltet zusammen“, ruft er die Starnberger auf. Auch Stefan Koch ermutigt sie: „Eine Altarkerze ist groß genug, und bis sie abgebrannt ist, haben wir es durch diese schwere Zeit geschafft.“

Von Vanessa Lange

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