Der Starnberger Winterdienst sieht keine Alternative zum Salz – auch aus ökologischen Gründen.
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Der Starnberger Winterdienst sieht keine Alternative zum Salz – auch aus ökologischen Gründen.

Winterdienst

Splitt? Weder wirtschaftlich noch ökologisch

Wird im Winter in Starnberg zu viel gesalzt? Die Grünen im Stadtrat hatten diesen Verdacht, doch beendete Bauhof-Chef Peter Mayer mit eindeutigen Aussagen jedwede Debatte über den Winterdienst. Kein Wunder: Maier hat Erfahrung von 26 Wintern.

Starnberg – Streusalz ist keine ideale Lösung für den Winterdienst, aber es gibt keine bessere. So klar lässt sich ein Vortrag von Peter Mayer, Leiter des Starnberger Betriebshofs (auch Bauhof genannt), zusammenfassen, mit dem er diese Woche im Hauptausschuss des Stadtrats eine aufkeimende Debatte über den Salz-Einsatz wirkungsvoll beendete. Die Grünen hatten den Verdacht, dass zu viel Streusalz auf den Straßen landet.

Mayer führte die teils neuen Stadträte in die Kunst des Winterdienstes ein, der tatsächlich eine rechtlich wie organisatorisch hoch komplexe Angelegenheit ist. Eine Räumpflicht gebe es faktisch fast nur für Gehwege, nicht überall und schon gar nicht auf Wohnstraßen und auch nicht auf Radwegen. Die Sicherheit für Fußgänger könne die Stadt nicht gewährleisten, deswegen die Räum- und Streupflicht für Hauseigentümer vor ihren Grundstücken. Autofahrer haben nur sehr selten Anspruch auf eine geräumte Straße, wenn diese verkehrswichtig und gleichzeitig gefährlich sei – und davon gibt es recht wenige. Radfahrer, erklärte Mayer, seien für den Winterdienst wie Autofahrer.

Die Praxis sieht freilich anders aus – Mayer lässt räumen, was geht, muss aber Ruhezeiten seiner Mitarbeiter einhalten („nach zehn Stunden Schneepflugfahren ist man platt“) und Straßen nach Prioritäten abfahren. Wenn es einen ganzen Tag schneit, kann es also gut sein, dass immer die Straßen erster Dringlichkeit (Haupt- und Durchgangsstraßen, Zufahrten zu Krankenhäusern, Gewerbegebiete) geräumt werden. Wenn nötig, fahren die Schneepflüge 20 und mehr Stunden am Tag. Der Winter 2020/21 ist für Mayer erledigt und war kein wirklicher Winter, schon jetzt laufe die Planungen für den nächsten Winter – ab Juni werden Personal und Fahrzeuge geplant, im Mai werden Streumittel bestellt, auch das Salz.

Rund 1200 Tonnen werden im Schnitt pro Jahr auf den 167 Kilometern Starnberger Straßen gestreut, acht Gramm pro Quadratmeter während der Fahrt. Das werde exakt per Computer gesteuert, stoppe automatisch mit dem Fahrzeug und werde protokolliert. Mayer betonte, man achte sehr genau auf den möglichst geringen Verbrauch. „Ich schimpfe die Fahrer auch, wenn sie zu viel raushauen“, versicherte der Betriebshofchef. „Es wird keinesfalls willkürlich und ohne zu überlegen grundlos Salz gestreut.“ Salz habe viele Vorteile – es wirkt schnell und lange, anders als andere Mittel. Sogenannte abstumpfende Streumittel wie Splitt will Mayer nicht einsetzen, aus vielen Gründen.

Zwar wirkt Splitt schnell und auch bei dicken Schneedecken, ist aber in der Ausbringung teurer, wird schnell von der Straße gewirbelt und muss deswegen viel öfter aufgebracht werden. Mit Splitt müsse man vier- bis fünfmal fahren, wo eine Tour mit Salz reiche. Zudem ergebe Splitt eine „irre Staubbelastung, die wir bei Salz nicht haben“. Zudem: Bei Splittverwendung müsse mehrfach im Winter die Kehrmaschine los, Splitt müsse als Sondermüll behandelt werden. Das macht Splitt im Vergleich zu Salz teurer, nämlich um mindestens ein Viertel. Mayers Fazit: „Splitt ist weder wirtschaftlich noch ökologisch für kommunale Straßen eine Alternative zum Auftausalz.“

Eine Reduzierung des Winterdienstes ist für Mayer keine Option. Die sogenannte 0-Streuung habe man versucht, und dann „soll sich jemand anders ans Telefon setzen“. Überhaupt sei es „der Wahnsinn“, was man sich als Winterdienstler anhören müsse. Es seien schon Leute im Betriebshof gestanden und hätten das Personal als „faule Schweine“ beschimpft.

Kerstin Täubner-Benicke (Grüne) konnte nicht nachvollziehen, warum auch Wohnstraßen eigentlich immer geräumt werden. Mayer zufolge mache man das, wenn möglich (was zuletzt in der Regel der Fall war) – und weil es die Bürger wollten.

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