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Eine Institution verkleinert sich: Räumungsverkauf im Sport-Fachgeschäft Girschick

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Von: Peter Schiebel

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Schluss mit Ski: Lutz Girschick hat den Räumungsverkauf gestartet und schließt zum Ende des Jahres sein Geschäft an der Kaiser-Wilhelm-Straße. Beim Nachmieter wird er allerdings noch seiner Passion, dem Tennissport, nachgehen.
Schluss mit Ski: Lutz Girschick hat den Räumungsverkauf gestartet und schließt zum Ende des Jahres sein Geschäft an der Kaiser-Wilhelm-Straße. Beim Nachmieter wird er allerdings noch seiner Passion, dem Tennissport, nachgehen. © Foto: Andrea Jaksch

Das Sport-Fachgeschäft Girschick an der Kaiser-Wilhelm-Straße schließt Ende des Jahres nach fast einem halben Jahrhundert. Die Räumlichkeiten übernimmt der benachbarte Spezialist für E-Bikes, Bergfrei. Lutz Girschick wird dort in deutlich kleinerem Maß seiner Passion nachgehen, dem Tennissport samt Service und Zubehör.

VON PETER SCHIEBEL

Starnberg – Die Meldung hat viele Starnberger aufgeschreckt. „Liebe Sportfans, wegen Geschäftsaufgabe findet bei mir ab sofort ein großer Räumungsverkauf statt“, verkündete Lutz Girschick (69) dieser Tage über die sozialen Medien. Wie, der Girschick macht zu? Seit 1976 gibt es das Fachgeschäft für Tennis und Ski in der Kaiser-Wilhelm-Straße 26, ungezählte Starnberger und Sportfans aus der Umgebung haben sich in knapp fünf Jahrzehnten dort ausgerüstet mit Skiern, Schuhen und Helmen, mit Tennisschlägern und Bekleidung. Girschick ist eine Institution in der Stadt.

„Ich höre nur zu 80 Prozent auf und gehe zurück zu den Wurzeln“, erklärt Lutz Girschick im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. Diese 80 Prozent machen das komplette Wintersportsortiment aus. Die übrigen 20 Prozent, also alles, was mit Tennis zu tun hat, will Lutz Girschick auch weiterhin betreiben. Die Nachbarn vom Fahrradladen Bergfrei, ein Spezialist für E-Bikes, übernehmen nämlich die Räumlichkeiten und stellen dem 69-Jährigen „ein kleines Eckchen“ (O-Ton Girschick) zur Verfügung. Massimo Taschin von Bergfrei freut sich schon auf die Zusammenarbeit. „Lutz Girschick ist bei uns mit seiner Passion herzlich willkommen“, betont er.

Mit Tennis hatte im Frühjahr 1975 alles angefangen. Zusammen mit Dr. Thomas Haller baute Girschick ein kleines Geschäft auf, ein Jahr später folgte der Umzug an die Kaiser-Wilhelm-Straße. Sein Spezl schlug wenig später sehr erfolgreich die Juristen-Laufbahn ein, Girschick kümmerte sich fortan allein um Tennisschläger und alles, was dazu gehört. „Der Job macht mir unglaublich viel Spaß“, sagt er. Mit Sportartikeln zu handeln, sei eine schöne Arbeit, weil die Kunden sich um ihr Hobby kümmerten und von daher meist gut gelaunt seien.

Die ganz schönen Jahre allerdings, die sind seit einiger Zeit vorbei. Der „unfassbare“ Tennis-Boom Ende der 1980er-, Anfang der 1990er-Jahre mit Boris Becker, Steffi Graf und Michael Stich sei längst abgeebbt. Und das bis etwa 2010 florierende Ski-Geschäft habe ebenfalls nachgelassen, sagt Girschick. Skiausrüstung sei teuer, der Verleih in den Skiorten habe „wahnsinnig stark“ zugenommen. Verglichen mit den besten Jahren sei sein Umsatz um rund 70 Prozent zurückgegangen. Damit beschreibt Lutz Girschick einen der Gründe, warum er nun kürzer tritt.

Der zweite Grund, den er „den Hauptgrund“ nennt, sei sein Alter. Mit 69 Jahren wolle er nicht mehr an sechs Tagen in der Woche von frühmorgens bis abends im Geschäft stehen, sagt Girschick. Und dann kommen noch weitere Überlegungen dazu: zum Beispiel der zunehmende Online-Handel und damit verbunden die Frage, welchen Stellenwert der stationäre Handel überhaupt noch hat. Oder auch Schwierigkeiten beim Einkauf von Produkten. Für bestimmte Tennisbälle etwa sei ihm April 2022 als Lieferdatum genannt worden „Es ist ein Gesamtpaket an Gründen“, sagt Girschick, dessen Töchter ihre Berufswege erfolgreich als Ärztin und in der Pharmabranche gehen.

Bis Ende des Jahres läuft nun der Ausverkauf in der Kaiser-Wilhelm-Straße 26. Die Nachbarn von Bergfrei können die Räumlichkeiten bestens gebrauchen, wie Massimo Taschin sagt. Fahrradgeschäfte haben spätestens seit Corona riesigen Zulauf. Neben dem Handel verfügt Bergfrei mit 60 bis 70 E-Bikes zudem über die vermutlich größte Verleihflotte im Umkreis. Bis zur einer Institution ist es zwar noch ein Weg – dass die Institution Girschick dort, wenn auch kleiner, weiter Bestand hat, dürfte viele Starnberger freuen.

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