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„Schreckliche, herzzerreißende Situation“: Organisation mit Sitz in Starnberg hilft Flüchtlingen

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Von: Laura Forster

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Sind in Feldafing endlich in Sicherheit: die Ukrainerinnen Iryna Shemechko und ihre Töchter Yaryna (11) und Olha (6). Die Starnberger Organisation „Care in Action“ hat bei der Flucht geholfen.
Sind in Feldafing endlich in Sicherheit: die Ukrainerinnen Iryna Shemechko und ihre Töchter Yaryna (11) und Olha (6). Die Starnberger Organisation „Care in Action“ hat bei der Flucht geholfen. © laura forster

Seit Jahren hilft die Starnberger Organisation „Care in Action“ Waisenkindern in der Ukraine. Auch jetzt in Kriegszeiten unterstützt sie die Einheimischen vor Ort mit Spenden und die Geflüchteten mit einem Dach über dem Kopf.

Starnberg – Das erste, an das sich Iryna Shemechko am Tag des Kriegsausbruchs in der Ukraine, 28. Februar, erinnert, ist eine Nachricht von der Schule ihrer beiden Töchter. „Der Unterricht fällt aus, haben sie gesagt. Am Anfang dachte ich noch, Corona sei der Grund dafür.“ Als sie ihre Facebookseite jedoch öffnete, war ihr sofort klar, was los ist. „Ich stand unter Schock“, sagt die Mutter, die derzeit mit ihren Kindern in Feldafing lebt. Bei der Flucht hat ihr die Organisation „Care in Action“ mit Sitz in Starnberg geholfen. Shemechko ist selbst Mitarbeiterin.

Ständig mussten die 37-Jährige und ihre Familie in den kommenden Tagen Schutz im Keller suchen. Ihre Wohnung im neunten Stock eines Mehrfamilienhauses in Lwiw konnten sie nicht mehr bewohnen, zu weit wäre der Weg bei einem Angriff gewesen. „Die Armeestützpunkte in der Umgebung wurden die ganze Zeit attackiert.“ Vor dem Haus, das am Stadtrand liegt, hatten die Ukrainer einen Schutzwall aufgebaut. „Am vierten Tag des Krieges habe ich mich dazu entschieden, mit meinen Kindern das Land zu verlassen“, sagt Shemechko auf Englisch. Leicht sei ihr die Entscheidung nicht gefallen, denn ihr Mann Roman und ihre Mutter hat sie in der Ukraine zurückgelassen. „Mein Ehemann, der eigentlich als ITler arbeitet, kämpft nun in der Bürgerwehr und beschützt die Stadt. Ich habe mit beiden regelmäßigen Kontakt.“

Hilfsorganisation „Care in Action“ unterstützt Ukrainerinnen bei Flucht nach Starnberg

Mit dem Zug, über Polen und Berlin, kamen die drei Ukrainerinnen rund eine Woche nach Kriegsausbruch am Münchner Hauptbahnhof an. Der Starnberger Werner Lehnis von der Organisation „Care in Action“ hat sie und ihre zwei Töchter abgeholt und in eine sichere Unterkunft gebracht. „Die Reise war schrecklich. Im Zug bis nach Polen war es so eng, dass wir Schulter an Schulter zu den anderen saßen.“ Noch schlimmer seien jedoch die Bilder im Kopf von ihrem zerstörten Heimatland. „Die paar Wochen Krieg fühlen sich an wie fünf lange Jahre“, sagt Shemechko.

Nach ein paar Tagen hat die Organisation für die drei Ukrainerinnen ein Zuhause in Feldafing gefunden. In dem Wohnblock der Familie in der Ukraine leben derweil nur noch 20 Leute. „Vor dem Krieg waren es um die 200.“ Ein Teil sei in die Dörfer, ein anderer in benachbarte Länder geflüchtet. Vor allem Shemechkos kleinste Tochter, die sechsjährige Olha, hat das Erlebte mitgenommen. „Sie ist seit der Flucht sehr anhänglich“, sagt die Mutter und streicht dem Mädchen über den Kopf.

Mehrere zehntausend Euro Spenden für Ukraine gesammelt

Seit vielen Jahren hilft die Organisation „Care in Action“ Waisenkindern in der Ukraine und auch jetzt schaut das Team nicht weg. „Wir haben innerhalb kürzester Zeit 43 000 Euro Spenden gesammelt“, sagt Lehnis. Das Geld wird in Lwiw für Lebensmittel, Medikamente, Unterkünfte und Transporte ausgegeben. Außerdem helfen Lehnis und sein Team, Flüchtlinge in den Landkreis zu bringen und dort zu versorgen. „Es ist eine schreckliche herzzerreißende Situation. Vor allem, wenn man viele Leute kennt“, sagt Lehnis, der selbst einige Zeit in der Ukraine gewohnt hat.

Spenden: Die Organisation freut sich über Spenden an Care in Action eV; IBAN: DE82 7004 0041 0367 0700 02; BIC: COBADEFFXXX mit dem Stichwort „Ukrainekrise“.

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