BMZ steht für Brandmeldezentrale, landläufig Brandmeldeanlage (BMA) genannt: Jene im Seebad ist nicht die einzige, die den Feuerwehren viele unnötige Alarmierungen beschert.
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BMZ steht für Brandmeldezentrale, landläufig Brandmeldeanlage (BMA) genannt: Jene im Seebad ist nicht die einzige, die den Feuerwehren viele unnötige Alarmierungen beschert.

Feuerwehr

Unnötige Alarme: „Es geht an die Substanz“

Trotz Klagen seit Jahren hat die Zahl der vermeidbaren Alarmierungen für Feuerwehren im Stadtgebiet durch Brandmeldeanlagen nicht abgenommen – eher im Gegenteil. Kommandant Markus Grasl fordert nun verschärfte Kontrollen. Zumindest beim Seebad sieht die Stadt eine Verbesserung.

Starnberg – 88 von 278. Das sind rechnerisch 31,65 Prozent. So hoch ist der Anteil der Alarmierung für die Feuerwehr Starnberg im Jahr 2020, die durch Brandmeldeanlagen (BMA) ausgelöst wurden. Darunter sind nach wie vor sehr viele Fehlalarmierungen durch technische Defekte der Anlagen, durch Bedienungsfehler, durch Bauarbeiten (während der Anlagen eigentlich zumeist abgeschaltet sein sollten) – für den federführenden Kommandanten Markus Grasl sind es zu viele. Er fordert nun konkrete Feuerbeschauen, also Prüfungen, ob die Anlagen in korrektem Zustand sind. Rückendeckung bekommt er von Kreisbrandrat Peter Bauch, und auch Starnbergs Bürgermeister Patrick Janik kennt das Thema.

Bei manchen Alarmierungen ahnen die Aktiven der Wehr schon, was Sache ist. Beispiel Seebad: Es ist seit Monaten geschlossen und leer, die Brandgefahr also eher gering. Zehnmal fuhr die Feuerwehr 2020 dorthin, tags wie nachts. Klinikum und Personalwohnungen stehen zwölfmal auf der Liste, das Malteserstift 13-mal. Neu ist das Pöckinger Beccult mit fünf Alarmierungen – auch dort ist außer in der Küche der Gaststätte wegen Corona wenig los. „Es wird nicht besser“, sagt Grasl, der schon mehrfach Verbesserungen gefordert hat. Das Problem besteht schon seit vielen Jahren. Es hat sich aber verschärft, unter anderem durch das Seebad. 30-mal sei die Feuerwehr dorthin ausgerückt, seit es im August 2018 eröffnet wurde.

Vor allem die Fehlalarme machen der Wehr zu schaffen. „Es macht uns kaputt“, fürchtet Grasl um die Motivation seiner Ehrenamtlichen und die Bereitschaft junger Leute, zur Feuerwehr zu gehen. „Wir müssen hinfahren, natürlich“, aber Ausrücken bei vermeidbaren Alarmen führe zu Frustration. Michael Aulehner, seit 40 Jahren bei der Feuerwehr, macht das schon lange mit. „Vor allem nachts nervt es“, sagt er, weil man ja eigentlich wisse, dass bei bestimmten Gebäuden nichts sei. Für die Aktiven sind nicht alle Objekte gleich – das Malteserstift etwa ist kein großes Thema, weil es dort um den Schutz alter Menschen geht. Auch bei ausgelösten Heimrauchmeldern ist die Lage anders, weil eine Auslösung in der Regel einen Grund hat – angebranntes Essen etwa, das durchaus zu einem Küchenbrand mutieren kann. Was die Feuerwehrler nervt, sind die Einsätze, die nicht sein müssen, für die sie nachts aus dem Bett und tags vom Schreibtisch aufstehen. Dass sie zum Einsatz erscheinen, ist sicher – es könnte ja immer wirklich ein Notfall sein.

Markus Grasl ist Kommandant in Starnberg

Markus Grasl fordert nun, dass Brandmeldeanlagen Teil spezieller Feuerbeschauen sein müssen, weil er die Motivationsbremse Fehlalarm als gefährlichen Zustand einstuft. Dann können auch Sonder-Feuerbeschauen vorgenommen werden. Eine Feuerbeschau ist, vereinfacht ausgedrückt, eine Überprüfung des gesamten Brandschutzes eines privaten oder öffentlichen Gebäudes durch die jeweilige Gemeinde. Dabei solle, fordert Grasl, auch überprüft werden, ob die Feuermelder korrekt angebracht sind, das Personal eingewiesen und die Anlage im Detail in Ordnung ist.

Kreisbrandrat Peter Bauch ist voll auf Grasls Linie: „Es geht an die Substanz.“ Er sieht die Eigentümer in der Pflicht, ihre Anlagen in Ordnung zu halten und für eine korrekte Bedienung zu sorgen. Hintergrund solcher Forderungen: Es gibt reichlich Beispiele, in denen Spülmaschinen unter Rauchmelder gestellt werden – Dampf ist wie Rauch, der Melder schlägt an, die Feuerwehr kommt, obwohl nur die Tür geöffnet wurde. Bauch nennt auch das Alter einiger Anlagen als Grund, normalerweise sollten Melder nach etwa acht Jahren ausgetauscht werden, manche sind aber zwölf und mehr Jahre alt und damit oft anfälliger. Der Kreisbrandrat hält eine mangelhaft gewartete BMA für funktionsuntüchtig – und damit für einen Fall fürs Landratsamt. Bauch lässt keine Zweifel daran, dass die Feuerwehr immer kommt: „Ein BMA-Alarm ist solange ein Feuer, bis man vor Ort ist und sich überzeugt hat, dass es nicht so ist.“

Die Bauaufsicht im Landratsamt sieht die eigenen Möglichkeiten eingeschränkt – man könne erst tätig werden, wenn eine per Baugenehmigung vorgeschriebene BMA nicht ausreichend funktioniere, heißt es dort. Das würde eventuell zu einer Nutzungsuntersagung führen.

Die Feuerbeschau ist in Starnberg ein etwas wunder Punkt: Es gab sie eigentlich nie im nötigen Rahmen. Bürgermeister Patrick Janik räumt ein, dass das jahrelang kein Thema gewesen sei („es wurde einfach nicht gemacht“), man habe nun aber eine Stelle dafür geschaffen. Der Mitarbeiter hat aber derzeit (auch wegen Corona) noch andere Aufgaben, der Aufbau eines Systems für die Feuerbeschau ist alles andere als einfach. Daher werde es dauern, bis Feuerbeschauen die Regel werden. Beim Seebad, hofft Janik, sollen die Probleme gelöst sein: Man habe weitere Schulungen vorgenommen, weil es Bedienungsfehler gegeben habe.

Rathaussprecherin Lena Choi ergänzte auf Nachfrage, es seien verschiedene Rauchmelder im Seebad ausgetauscht bzw. deren Sensibilität verändert worden. „Wir möchten es nicht verschreien, aber seit dem letzten Fehlalarm vom 23. Februar ist kein weiterer Alarm aufgetreten. Wir hoffen, dass die jüngsten Verbesserungsmaßnahmen zum gewünschten Ergebnis führen.“

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