1. Startseite
  2. Lokales
  3. Starnberg
  4. Starnberg

Wie manipulierbar ist das eigene Telefon?

Erstellt:

Von: Andrea Gräpel

Kommentare

Fiese Tricks: Häufig versuchen Betrüger, ältere Menschen als falsche Polizisten (oder falsche Computerhelfer) übers Ohr zu hauen. Manchmal steht im Display der Notruf 110 – eine Fälschung.
Fiese Tricks: Häufig versuchen Betrüger, ältere Menschen als falsche Polizisten (oder falsche Computerhelfer) übers Ohr zu hauen. Manchmal steht im Display der Notruf 110 – eine Fälschung. ©  Julian Stratenschulte/dpa

Wäre sie nicht von Haus aus „extrem misstrauisch“, wäre eine 71-jährige Starnbergerin in dieser Woche wahrscheinlich Betrügern aufgesessen. Es geht um Notrufnummern-Missbrauch, von dem ein Telefonbetreiber sagt, dass dieser nicht möglich sei.

Starnberg – Telefonbetrüger werden immer perfider, sodass sie sogar Notrufnummern manipulieren. Bei einer 71-jährigen Starnbergerin haben es Anrufer mit diesem Trick versucht, sie hat es rechtzeitig gemerkt. Sie will ihre Geschichte aber erzählen, um vor allem ältere Mitbürger zu warnen. Denn sie selbst ist ehrenamtlich beim Seniorentreff in Starnberg aktiv und sich sicher, dass 20 von 30 Besuchern dort vermutlich auf die Betrüger reingefallen wären.

Es war ein „Hauptkommissar“, der sich als „Peter Lang“ bei ihr meldete, angeblich zuständig für den Bereich Betrug und Einbruch mit der angeblichen Dienstnummer K747. Dieser angebliche Polizist erzählte der Rentnerin, dass es nicht weit von ihrer Wohnung entfernt einen Raubüberfall gegeben habe. Zwei Täter seien verhaftet worden, ein weiterer sei auf der Flucht. Bei den Festgenommenen sei ein Notizblock sichergestellt worden, auf dem nicht nur der Name der 71-Jährigen vermerkt gewesen sei, sondern auch Bankdaten von ihr und persönliche Angaben, die er nun abgleichen wolle. Weil die Starnbergerin zögerte, bot er ihr an, sich über die Notrufnummer 110 seine Identität bestätigen zu lassen.

Die Frau legte auf, wie sie sagt, und wählte nach einer Weile den Notruf. Tatsächlich wurde ihr die Identität bestätigt, mehr noch, sie wurde sogar zu „Peter Lang“ weitergeleitet. Fast habe sie den Anrufern geglaubt, sagt die 71-Jährige – wenn die vielen weiteren Fragen ihr Misstrauen nicht erneut geweckt hätten. Parallel zu diesem Gespräch wählte sie deshalb vom Handy aus die 110 und landete bei der Polizeiinspektion in Starnberg. Von einem Raubüberfall in ihrer Wohnstraße war dort nichts bekannt.

Andreas Aichele, Pressesprecher beim Polizeipräsidium Oberbayern-Nord, kennt diesen Trick schon lange. Auch Kai Motschmann von der Polizei in Starnberg erinnert sich, dass die Telefonverbindung früher so lange aufrecht erhalten blieb, bis beide Teilnehmer auflegten. Tat dies einer nicht (der Betrüger), landete der, der aufgelegt hatte, beim nächsten Anruf wieder beim alten Gesprächspartner. Heute sei dies nicht mehr möglich, auflegen reiche, sagt Motschmann. Auch die Telekom als Telefonbetreiber erklärt: „Dies ist nicht möglich“, so ein Sprecher.

Helmut Kilian, Leiter des Starnberger Seniorentreffs
Helmut Kilian, Leiter des Starnberger Seniorentreffs © privat

Und doch schwört die 71-Jährige, dass es sich genau so zugetragen hat. „Ich bin weder eine schrullige Alte noch leide ich an Demenz“, sagt sie. Die Anrufer seien geschickt vorgegangen und vermutlich professionell geschult. Und durch ihre Arbeit im Seniorentreff wisse sie, wie vertrauensselig ältere Menschen oft seien. Corona habe dies verstärkt. Sie ist sicher, dass viele darauf reingefallen wären. Der Anrufer habe das Gespräch geschickt aufgebaut und so gezielt Fragen gestellt, dass auch sie zwischendrin an die Echtheit des Anrufs geglaubt habe.

Als sie Helmut Kilian von dem Vorfall berichtete, war auch er schockiert. „Ich war sehr überrascht, dass so etwas überhaupt möglich ist“, sagt der Leiter des Seniorentreffs angesichts der Verwendung des Notrufs. Im nächsten Newsletter will er auf die Masche hinweisen. „Wir hatten schon mehrmals die Polizei bei uns, die mit Vorträgen auf Betrügereien hinweisen.“ Auf jeden Fall will er diese Beratung in Erinnerung bringen.

Die 71-Jährige erstattete Anzeige. „Ein Tag, an dem es mehrere Fälle mit falschen Beamten gab“, sagt Kai Motschmann. „Die Masche kommt häufig vor.“ Auch mit gefälschten Notrufnummern im Display. Er rät, beim Rückruf auf ein Freizeichen zu achten. Sein Kollege vom Polizeipräsidium verweist zudem darauf, dass sich echte Beamte nicht mit Dienstnummer vorstellten. „Ich habe zwar eine Ausweisnummer, aber die habe ich noch nie angesehen, schon gar nicht weitergegeben“, sagt Andreas Aichele. „Das ist nicht üblich.“

Stutzig gemacht hat die Starnbergerin in der Nachbetrachtung, dass sie schon seit Monaten von zwei Nummern angerufen wurde. Beim Rückruf bekam sie die Ansage, dass diese Nummern nicht vergeben seien. „Kann ich meiner eigenen Telefonleitung noch vertrauen?“, fragt sie. Steht das eine mit dem anderen in Zusammenhang? Die Technik spielt Betrügern in die Hände und verunsichert vor allem ältere Menschen. Die Starnbergerin, eigentlich „bekannt wie ein bunter Hund“, will deshalb lieber nicht mit Namen genannt werden.

Auch interessant

Kommentare