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Exportpreisträger 2018: Laudator Michael Fischer (Gauff Engineering, Nürnberg), Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, Stephanie Gundlage und Reinhardt Schmidt von econ industries services GmbH.

Unterstützung aus dem Landtag

Starnberger Abfall-Unternehmen kritisiert Freistaat: „Unsere innovative Technik wird behindert“

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Die Firma Econ Industries aus Percha fühlt sich vom Freistaat ungerecht behandelt: Es könne gefährlichen Industriemüll sicher entsorgen und wiederverwerten, werde aber ausgerechnet in Bayern ausgebremst, kritisiert das Unternehmen – und bekommt nun Unterstützung aus dem Landtag.

Percha– „Unsere innovative Technik wird behindert“: So sieht es Reinhard Schmidt. Er ist Geschäftsführer des in Percha ansässigen Abfall-Unternehmens Econ Industries, das 2018 den Bayerischen Exportpreis gewann. Dessen Kerngeschäft: mit speziellen Verfahren hochgiftigen Industriemüll möglichst umweltschonend recyceln und daraus wieder Ressourcen gewinnen. Das gilt zum Beispiel für kontaminierte Böden, Schlamm aus der Abwasserreinigung oder verseuchte Erde nach Ölunfällen. Schmidt sagt: „Wir machen aus gefährlichem Abfall ungefährlichen Abfall.“

Mit rund 20 Mitarbeitern sitzt die Firma am Schiffbauerweg in Percha. Dort werden die Anlagen konzipiert und vertrieben. Im Einsatz sind sie weltweit in 16 Ländern, ebenso in Leipzig oder in Bitterfeld – doch ausgerechnet in Bayern kommt Econ Industries nicht zum Zug. Und das, obwohl das Unternehmen eine Methode entwickelt hat, die seiner Ansicht nach anderen mit Blick auf die Umweltbilanz weit voraus ist: das sogenannte VacuDry-Verfahren. Dabei werden Schadstoffe aus giftigem Müll im Vakuum nahezu emissionsfrei abgedampft, erklärt Schmidt.

Der Hauptkritikpunkt von Econ Industries: Im Freistaat habe die GSB Sonderabfall Bayern GmbH – eine Kooperation zwischen Staat, Kommunen und Wirtschaft mit elf Standorten – eine monopolartige Stellung. Tatsächlich sind bayerische Unternehmen dazu verpflichtet, vor allem Abfälle aus der Chemieindustrie der GSB zu überlassen oder sich einen Verwertungsnachweis zu holen. Verwertung könne aber auch bedeuten, den Müll mit Lastern nach Sachsen zu fahren und in Kiesgruben zu schütten, so sagt Econ-Chef Schmidt.

Anne Franke unterstützt als Landtagsabgeordnete das Perchaer Unternehmen. 

„Die Krux ist, dass niemand eine Ökobilanz erstellt“, kritisiert der Unternehmer. „Dann wären wir in einer ganz anderen Liga unterwegs.“ Es gelte, CO2-Aufkommen, Energieverbrauch, Flächenverbrauch und Verkehrsaufkommen zu berücksichtigen. Das sind auch die Forderungen der Grünen-Politikerin Anne Franke. Die Landtagsabgeordnete aus Gauting plädiert für eine „echte Entsorgungssicherheit“ und hat das Thema mit einer schriftlichen Anfrage ins Gespräch gebracht. Auch wenn die Antwort aus dem Bayerischen Umweltministerium Spielräume für den freien Markt aufzeigt, bestätigt sie den Status quo. Frankes Folgerung: „Wir brauchen ein Umdenken in der Beseitigung von gefährlichen Abfällen. Innovationen sollten genutzt und nicht ausgebremst werden.“ Verwertung sei in Bayern ein irreführender Begriff: Ein Großteil des Mülls werde in andere Bundesländer oder Staaten mit weniger strengen Auflagen transportiert oder in veralteten Anlagen verbrannt, sagt sie.

„Langwierige und kostspielige Genehmigungsverfahren“

Außerdem kritisiert sie „langwierige und kostspielige Genehmigungsverfahren“. Für Econ-Geschäftsführer Schmidt ein Knackpunkt: Erst wenn ein Standort gefunden, ein Grundstück gekauft und sämtliche Gutachten vorgelegt seien, beurteile das Landesamt für Umwelt (LfU) die Technik der geplanten Anlagen. Das Starnberger Unternehmen habe angefragt, ob eine Beurteilung vorab möglich ist – was das LfU laut Schmidt abgelehnt hat. „Wir verstehen nicht, warum es nicht möglich ist, eine erprobte Technik zu validieren. Wir machen das ja weltweit seit 16 Jahren.“ In der von Umweltminister Thorsten Glauber unterschriebenen Antwort auf Frankes Anfrage heißt es unter anderem: „Das unternehmerische Risiko für eine Anlagengenehmigung verbleibt beim Anlagenbetreiber und kann nicht auf Behörden übertragen werden.“ Allerdings steht dort auch, dass das VacuDry-Verfahren keiner eigenständigen Genehmigung durch das LfU bedürfe.

Ihrem Ziel, dezentrale Anlagen für kurze Wege in Bayern zu errichten, wird Econ Industries wohl trotzdem erst mal nicht näher kommen. Schmidt kommt erneut auf die fehlende Ökobilanz zu sprechen. „Das GSB könnte uns derzeit sehr einfach unterbieten.“

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