Der Longplayer unter den E-Autos ist der Renault Zoe. Im siebten Jahr schafft er eine Reichweite zwischen 300 und 400 Kilometern.
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Viele Stadträte hatten sich für die Anschaffung eines elektrisch betriebenen Renault Zoe eingesetzt, doch der Starnberger Haupt- und Finanzausschuss entschied sich für einen Verbrenner.

Umwelt

Starnberger Amtsbote soll mit Verbrenner unterwegs sein

Der Amtsbote des Starnberger Rathauses braucht ein neues Auto. Nur was für eines? Ein E-Auto? Das wäre für viele Stadträte wünschenswert gewesen, doch hat der Haupt- und Finanzausschuss anders entschieden.

Starnberg – Der Amtsbote fährt innerhalb der Stadt rund 50 bis 70 Kilometer pro Tag, leert Parkscheinautomaten, überbringt Briefe, füllt und leert die Amtstafeln, fährt Unterlagen zu Stadträten und dergleichen mehr. Da kommen eben einige Kilometer zusammen. Das bisherige Gefährt hat den Geist aufgegeben, der Bote nutzt laut Stadtverwaltung derzeit ein Fahrzeug des Betriebshofes. Im Februar hatten die Stadträte entschieden, ein Auto zu leasen –dann kamen die Corona-Krise, die Wahl und ein Riesen-Loch im Haushalt. Also präsentierte die Verwaltung einen neuen Vorschlag: Kaufen, nicht leasen, zumal im Haushalt 2020 noch Geld dafür vorhanden wäre. Die Greta-Frage dabei: Soll es ein elektrisch betriebener Renault Zoe für rund 28 000 Euro (Umweltbonus bereits eingerechnet) sein oder ein Verbrenner von Dacia für 10 000 Euro?

Es war genau jene Debatte, die Klimaschützern die Zornesröte ins Gesicht treibt, weil die bei der öffentlichen Hand gerne verwendete Regel „nach Möglichkeit“ greift. Abgesehen vom Kostenvorteil könne der Betriebshof den Verbrenner selbst warten, erklärte Ludwig Beck, Amtsleiter für Bürgerservice und Verwaltung. Beim E-Auto ginge das nicht, weil dafür bestimmte Zertifikate erforderlich seien. Zudem müsste die Stadt noch in die Ladeinfrastruktur investieren, wobei das wohl eher ein kleines Problem wäre – bei der Erneuerung der Elektroverkabelung im Rathaus wurde bereits am Parkplatz ein Anschluss dafür vorgesehen. Vom Leasing hat die Verwaltung Abstand genommen, weil das den Verwaltungshaushalt belastet, in dem es derzeit noch ein Loch für 2021 gibt.

SPD und Grünen blieb der Mund offenstehen. „Klimaschutz kostet nun einmal Geld“, sagte Tim Weidner (SPD), der die Argumente der Verwaltung nicht gelten lassen wollte. Die Werkstatt im Betriebshof sei eh ausgelastet, aber ein E-Auto produzierte weniger Wartungskosten. „Die Stadt muss als Vorbild vorangehen“, betonte er und verwies auch auf die Reduzierung von Lärm und Schadstoffen durch E-Autos. Kerstin Täubner-Benicke (Grüne) konnte den Vorschlag der Verwaltung nicht nachvollziehen: Einen Zoe könne man schon für 100 Euro inklusive Batterie leasen. Die Grünen wollten einer Neuanschaffung nur zustimmen, wenn es ein E-Auto ist. Die Fahrten des Boten seien ideal für ein Elektro-Fahrzeug. Michael Mignoli (BLS) dachte weiter. Aktuell solle man noch einmal einen Verbrenner anschaffen, aber bei anstehenden Neueinstellungen für den Betriebshof gleich darauf achten, dass Mechaniker auch E-Autos reparieren dürften. Ein E-Auto dürfe man jedenfalls wegen Technologie und Batterie nur leasen. Fünf Ausschussmitglieder stimmten gegen den Verbrenner, acht dafür.

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