Aus dem Gerichtssaal

Kokain und alte Gewehrmunition

Noch etwas mager erscheint die Faktenlage im Prozess gegen einen Starnberger wegen Drogenvergehen. Ein Dealer aus Österreich soll bald aussagen.

Starnberg – Ziemlich unüberschaubar ist die Lage bei einer Anklage wegen unerlaubtem Betäubungsmittelerwerbs gegen einen 36-jährigen Starnberger, der sich vor dem Amtsgericht verantworten muss. Der Marketing- und Vertriebsfachmann soll nach Angaben eines in Tirol aufgeflogenen Drogenhändlers bei diesem im Sommer 2015 zehn Gramm Kokain-Gemisch gekauft und gemeinsam konsumiert haben.

Der Beschuldigte streitet dies rundweg ab, zwei Zeuginnen aus seinem persönlichen Umfeld entlasteten ihn mit ihren Aussagen. Doch die Staatsanwaltschaft blieb am ersten Verhandlungstag am Starnberger Amtsgericht hartnäckig. Ein mit dem Angeklagten schon länger verstrittener Nachbar hatte bei der Polizei nämlich angegeben, dass der Vertriebler sogar selber Drogen veräußere – eine daraufhin veranlasste Wohnungsdurchsuchung hatte dann zwar kein Kokain-Gemisch zu Tage gefördert, aber eine Wasserpfeife, etliche Druckverschlussbeutel aus Plastik, eine geringe Menge Marihuana bei der Lebensgefährtin des Angeklagten sowie zwei Gewehrpatronen aus einem der Weltkriege, die der Starnberger angeblich im Wald gefunden und als Dekoration bei sich stehen hatte: „Die waren noch funktionstüchtig“, berichtete der Staatsanwalt von entsprechenden Tests der Kripo, die eine weitere Anklage wegen unerlaubtem Munitionsbesitzes nach sich zogen. Was allerdings an den Verdächtigungen wegen Drogenerwerbs und dergleichen wirklich dran ist, muss nun eine erneute Befragung des in Österreich strafrechtlich belangten „Großhändlers“ ergeben – womöglich ist sogar ein Rechtshilfeersuchen an die österreichischen Behörden vonnöten.

Nachbar erscheint nicht vor Gericht

Besagter Nachbar war zum ersten Verhandlungstermin auch nicht erschienen, er dürfte bei der Fortsetzung erneut als Zeuge geladen werden. Die entlastenden Zeuginnen hatte übereinstimmend ausgesagt, der „Österreicher“ und der Angeklagte hätten 2015 einmal eine gemeinsame Motorrad-Tour gemacht, während sie als Freundinnen der beiden Herren daheim geblieben seien – was die Männer unterwegs getrieben hätten, wüssten sie nicht. Der Beschuldigte selbst sagte: „Ich bin kein unbeschriebenes Blatt und wegen Kokain auch schon mal im Gefängnis gesessen, aber bei einer solchen Menge, konsumiert an nur einem Tag, wäre ich ja klinisch tot gewesen.“

Der Prozess wird zu einem noch zu bestimmenden Termin fortgesetzt.

Rubriklistenbild: © dpa

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