Bioabfall

Starnberger begeistern sich für die brauen Tonne

Die flächendeckende Einführung der Biotonne im Landkreis Starnberg macht Fortschritte. Lediglich 667 Haushalte verweigern sich der braunen Tonnen. Mehr Bioabfall sorgt nämlich für stabile Müllgebühren.

Landkreis Starnberg– Mehr Biomüll, weniger Kosten: Die Initiative des 12Abfallwirtschaftsverbandes AWISTA, möglichst den kompletten Biomüll im Landkreis Starnberg zu erfassen und zu vergären, zeigt Früchte. Die Mengen sind um rund zehn Prozent gestiegen, der Anteil des Biomülls im Restabfall ist deutlich gesunken. Das wiederum spart richtig Geld, weil weniger Müll teuer verbrannt werden muss. Jeder achte Haushalt jedoch verweigert sich der Biotonne noch. Hintergrund der Aktion ist auch, dass Lebensmittelreste und Ähnliches nicht mehr selbst kompostiert werden dürfen.

Projektleiterin Agathe Seidenschwang warf bei einer Verbandsversammlung gestern mit guten Zahlen nur so um sich: Seit Start der Aktion Anfang 2016 wurden 8760 bisher tonnenlose Haushalte angeschrieben, 3400 zusätzliche Biotonnen verteilt und 2460 Anträgen auf Befreiung genehmigt. Befreiungen sind möglich, wenn man sich mit einem Nachbarn eine Tonne teilt. Die Zahl der Leerungen habe seit Mitte vorigen Jahres um neun Prozent zugenommen, die Biomüll-Menge um zehn Prozent. 

Seidenschwang: „Wir dürfen uns nicht ausruhen“

Im August vorigen Jahres – im Sommer wird jede Woche geleert – habe die Leerungszahl erstmals über 100 000 gelegen. Der überwiegende Teil der Angeschriebenen habe sich mit dem Thema befasst. Eine eigens eingerichtete Hotline habe „die Grenzen unserer Telefonanlage ausgetestet“, sagte Seidenschwang. Zudem seien 1000 Anfragen per E-Mail beantwortet worden.

Das alles kostet Geld für Werbung, Tonnen, Auslieferung – 154 000 Euro ohne anteilige Kosten des sowieso vorhandenen Personals. Für den AWISTA und damit für den Gebührenzahlen immer noch ein Geschäft, da der Biomüll-Anteil im Restmüll von einst 39 Kilogramm pro Kopf und Jahr auf 24 Kilo gesunken ist. Das heißt: Die Restmüllmenge geht zurück, allein von Juli 2016 bis März um 800 Tonnen. Das sparte mehr als 160 000 Euro, allerdings ist die Vergärung des Biomülls auch nicht umsonst.

„Das ist sehr schön“, sagte Seidenschwang, „aber darauf dürfen wir uns nicht ausruhen.“ Die Potenziale sind nicht ausgeschöpft: Zehn bis 15 Kilogramm organische Abfälle könne man noch aus dem Restmüll fischen, wenn noch mehr Biomüll getrennt wird. Bei den derzeitigen Verbrennungspreisen würde das rund 270 000 Euro ausmachen.

667 Haushalte haben auf zwei Briefe nicht reagiert

Dieser Betrag, erklärte AWISTA-Werkleiter Peter Wiedemann auf Anfrage, entsprechen 0,25 Prozent der Müllgebühren. Die Dimension ist klar: Trennen alle besser, muss weniger in die Müllverbrennungsanlage, der Verband muss weniger bezahlen – und die Gebühren bleiben stabil oder steigen nicht so stark wie bei schlechter Biomülltrennung.

667 Haushalte haben auf zwei Briefe nicht reagiert. Sie werden nun einen dritten bekommen. Der AWISTA kann aufgrund seiner Satzung diesen Haushalten zwangsweise eine Biotonne vor die Tür stellen. Das heißt dann aber keineswegs, dass Hausbewohner sie auch nutzen.

Rubriklistenbild: © dpa

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